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Darum feiere ich am 27. September ein zweites Mal Geburtstag

27 September 2015 2

Vor sieben Jahren, am 27. September 2015, hat mich das Leben an die Wand geklatscht. Mit Anschwung.

Nein, stimmt nicht.

Das Leben hat mir gezeigt, dass ich mich selbst vor diese Wand gefahren hatte. Und obwohl es genügend Alarmsignale gab, habe ich nichts gemerkt.

  • Aus meinem Traumjob war ein Alptraum geworden.
  • Mein Mann und ich sprachen fast nur noch über unsere Arbeit.
  • Manchmal bin ich aus scheinbar heiterem Himmel in Tränen ausgebrochen.
  • Ich habe zuviel getrunken und meistens auch gegessen.
  • Meine Tage begannen voller Hoffnung und endeten spätestens nach Feierabend im Frust.
  • Zwischen den verschiedenen Ansprüchen, die von außen an mich herangetragen wurden, fühlte ich mich wie eine labberige Mortadella in einem alten, harten Brötchen.
  • Trotzdem versuchte ich, allem gerecht zu werden – auch den Anforderungen, die niemand laut formuliert hatte und die es wahrscheinlich nur in meinem Kopf gab.
  • Natürlich fand ich mich außerdem alt, hässlich und fett.
  • Kurz: Ich fühlte mich ausgebrannt. So etwas nennen wir heute „Burnout„. Übrigens hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Stress am Arbeitsplatz inzwischen als konkretes Syndrom definiert und in die ab Januar 2022 geltende ICD-11 aufgenommen.
Sabine Scholze hat das Gesicht auf die Hände gestützt und schaut ernst. Sie trägt einen schwarzen Ledermantel und hat sehr kurze Haare.

27. September 2015: Wie es war

Der 27. September 2015 war der Tag, an dem mir klar wurde, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich zog die Notbremse.

Was genau ich tat bzw. ließ, ist nicht wichtig. Wichtig ist: Vieles (ver)wandelte sich.

Diejenigen unter uns, die schon versucht haben, etwas zu verändern, wissen, dass wir uns erst einmal anschauen dürfen, was nicht in Ordnung ist, bevor wir loslegen können. Das finden wir zwar blöd und anstrengend, dazu gehört es trotzdem.

Während der folgenden Monate fand ich heraus, dass ich

  • mich ähnlich wie meine Herdenschutzhündin Frollein Frieda für alles zuständig fühlte, was sich in meinem Blickfeld befand,
  • von einer hochgezogenen Augenbraue oder einem „Aha“ völlig verunsichert werden konnte,
  • mich von meiner inneren Antreiberin von A nach B und wieder zurück scheuchen ließ, ohne auch nur einmal zu fragen, was ich da überhaupt sollte,
  • es als meine wichtigste Aufgabe im Leben ansah, von allen gemocht oder sogar geliebt zu werden – und mich dafür auf halsbrecherische Weise verbog,
  • aus all diesen Gründen so erschöpft war wie noch nie zuvor in meinem Leben.

Die Aufräumarbeiten dauerten sehr, sehr lange. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, niemals damit fertig geworden zu sein.

Was geschah

Während der folgenden Jahre stellte mich das Leben vor eine Menge Aufgaben. Aber zusammen mit der größer werdenden Liebe zu mir selbst ging es Schritt für Schritt voran. Und ich war nicht allein: Mein wunderbarer Mann unterstützte mich, wo immer er konnte und blieb auch bei allen weiteren Krisen immer an meiner Seite.

Nach und nach lernte ich, besser für mich zu sorgen, nicht mehr über jedes Stöckchen zu springen, das mir hingehalten wurde und notfalls auch für mich zu streiten.

Ich entdeckte meine Kreativität und das Laufen wieder. Und fing an zu stricken. Eine Menge Menschen erhielten 2015 Weihnachtspäckchen mit Schals, Umhängetüchern oder Stulpen. In einem Anfall von Größenwahn versuchte ich mich sogar an einem Pullover – der allerdings nie fertig wurde. 😉

2015 bin ich knapp 1.200 Kilometer gelaufen; mehr als die Hälfte davon nach dem 27. September. 2016 habe ich mir noch mehr Zeit genommen für das, was mir wichtig war, mich mit großer Freude durch die ersten beiden Marathons meines Lebens gekämpft und bin fast 2.000 Kilometer gerannt. Aber eben nicht mehr vor etwas weg, sondern zum Spaß herum.

Dunkel und cremefarben Kaffee Foto Collage
Links nach meinem ersten Bilsteinmarathon – rechts 6 Wochen später kurz vor dem Start des North-Sea-Beach-Marathons.

Wie es heute ist

Dass mich das Leben nicht mit „… und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ belohnt hat, weißt Du, wenn Du schon länger mitliest. Seit dem 27. September 2015 musste ich mich von meiner Mutter und einigen anderen geliebten Menschen, Tieren und verschiedenen Jobs verabschieden. 2021 dann auch von meinem Liebsten und unserer gemeinsamen Zukunftsplanung.

Es hat mir anderes geschenkt, das Leben: Ein neues Zuhause in DANKElshausen, viele Erkenntnisse und neues Wissen über den Trauerprozess, Begegnungen mit besonderen Menschen, das erste seit 2012 von mir veröffentlichte Buch („Frauen denken. Männer nicht. Denken Frauen.„) und nicht zuletzt auch neuen Mut.

Feiern werde ich meinen heutigen etwas anderen Geburtstag in Ruhe. Wahrscheinlich wird einer meiner Spaziergänge mit Frieda auch zu „meinem“ Baum führen.

Und die ganze Zeit über ist mein Liebster bei mir. Irgendwie.

Tim und ich Schatten

Diese Geschichte ist nicht im Buch

… aber inspiriert durch meinen lieben Mann. Ich schenke sie Dir. Als private Online-Lesung in zwei Teilen.

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4 Gedanken zu „Darum feiere ich am 27. September ein zweites Mal Geburtstag“

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