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5. April 2044: (M)ein Brief aus der Zukunft

20220823 Leben ohne Stylistin

Meine liebe Sabine,

GESCHAFFT! Wir schreiben den 5. April 2044 und ich habe keine Torte.

Hier ist ein Brief aus der Zukunft. Aus Deiner Zukunft, um genau zu sein.

Ich schreibe ihn Dir aus dem Ruhebereich der Hotelsauna. Sauna und Füße hochlegen habe ich mir redlich verdient, das darfst Du mir glauben!

Mein 80. Geburtstag war trotzdem wunderschön. Ich habe mir den Cuxhaven-Marathon geschenkt, überlebt und gefinished. Schakka!

80 Jahre ist ganz schön alt…

Stimmt nicht! So etwas würde ich Dir nur schreiben, wenn ich den Glaubenssatz hätte, dass es irgendwann Schluss ist mit lustig.

Aber den habe ich nicht. Genauso wenig wie Du damals. Recht haben wir!

Aber ich fange gerade wieder irgendwo mittendrin an statt am Anfang… 🤷‍♀️

Also nochmal von vorn:

Warum schreibe ich Dir einen Brief aus der Zukunft?

Weil es mir wichtig ist, Dir Mut zu machen für die Zeit die kommt. Erinnerst Du Dich an den Umsetzungs-Workshop bei Deiner Kollegin Tamara Scherer? Als Du anhand dieses Zentimetermaßes erkannt hast, wieviel Lebenszeit schon vergangen ist und wie wenig im Verhältnis noch bleibt?

In meinem Brief aus der Zukunft gibt es auch ein Bild: das Zentimetermaß, an dem Du ablesen kannst, wieviel Zeit schon vergangen ist und wieviel rein statistisch noch bleibt.
Oben: Die schon vergangene Zeit. Unten links: Die Zeit, die Dir rein statistisch noch bleibt. Unten rechts: Die Zeit nach meinem Brief an Dich. Da müssten wir schon ein bisschen Glück haben… 😉

Damals hättest Du schnell in eine Scheißegal-Haltung verfallen können. Oder Dich dafür beschimpfen, was Du in Deiner bisherigen Lebenszeit nicht geschafft hast.

Von meiner heutigen Warte aus kann ich Dir sagen: Es ist alles genauso gelaufen, wie es sollte. Du hast alles so gut gemacht, wie Du konntest. Und Du bist auf einem guten Weg.

Warum schreibe ich Dir ausgerechnet heute? Vielleicht hast Du gar keine Lust, den Brief einer alten Frau zu lesen. Immerhin bist Du im Verhältnis zu mir heute noch ein junger Hüpper und wirst noch viele Marathons laufen – obwohl Du so vernünftig geworden bist, nicht anzutreten, wenn Du Dich nicht wirklich gut und fit fühlst.

In Cuxhaven bin ich übrigens gelaufen, weil ich so eine gute Erinnerung an den 5. April 2009 hatte. Da bist Du Deinen ersten Halbmarathon gerannt. Und hast Dich darüber geärgert, dass Du fünf Minuten „langsamer“ warst als geplant. Nunja… Inzwischen bist Du vernünftiger. Das schrieb ich schon, ich weiß. Aber ich hätte nicht damit gerechnet. Deshalb betone ich es so. 😉

Ja, ich fühle mich immer noch ziemlich jung und albern. Und muss gerade an den Liebsten denken. Kannst Du Dich daran erinnern, was er ganz am Anfang gesagt hat? „Ich freue mich schon darauf, wenn wir beide alt sind. Dann wirst du mit raspelkurzen grauen Haaren neben mir hergehen und ich werde stolz auf diese schöne, schlanke, fitte alte Dame an meiner Seite zeigen.“

Ach, wenn ich daran denke, kommen mir auch heute noch die Tränen… Wir waren wirklich gut mit- und füreinander.

Was die raspelkurzen grauen Haare betrifft: Da hatte er Recht. Ich schneide sie mir immer noch selbst.

Brief von mir als 80jaehriger Beitragsbild

Wohin führt Dich Dein Weg?

Du wirst Deinen Weg bis hierher allein gehen, meine liebe Sabine. Weil Du es kannst. Weil Du die Tochter Deiner Mutter bist. Und weil das Leben das so will.

So eine Rückschau hat ihre Vorteile: Das, was Du noch als einzelne Puzzleteile herumschiebst, sehe ich heute schon als Bild. Natürlich werde ich Dir nicht verraten, wie dieses Bild aussieht und was es zeigt. Aber das kann ich Dir sagen: Es wird etwas Gutes sein, bunt und schön und voller Liebe.

Dieses Gute wirst Du bereits auf Deinem weiteren Weg erleben. Allerdings darfst Du auch etwas dafür tun. (Ich schreibe absichtlich „darfst“, weil wir auf „Du musst“ so allergisch reagieren.)

Die Gedanken, die ich Dir mitgebe, nenne ich absichtlich nicht „Ratschläge“. Denn genau wie auf „Du musst“ reagieren wir beide auch darauf allergisch und trotzig. Wenn uns das Leben mehr Zeit schenkt, wird sich das wahrscheinlich auch in den nächsten 25 Jahren nicht ändern. 😉

Wie geht es ab heute weiter?

Aber ich schweife schon wieder ab. Das wird Dir auf Deinem Weg ins Jahr 2044 helfen:

  • Hol Dir Rat von Menschen, die schon da sind, wo Du hin willst. Aber versuche nicht, in ihre Fußstapfen zu treten und den gleichen Weg zu nehmen. Du wirst Deinen eigenen finden.
  • Lass Dir niemals einreden, dass irgendetwas nicht möglich sei! Denn alles ist möglich. Vielleicht nicht in exakt der Form, die Du Dir wünschst. Aber Du wirst eine bestmögliche Alternative finden. (Ich sage da nur „Tanzen & Striptease„…)
  • Schau Dir die Abzweigungen rechts und links vom Weg an. Du bist ein Multitalent. Und glücklicherweise inzwischen auch zu alt, um diesen geraden Weg mit Job, Kind, Haus und Mähroboter anzustreben.
  • Richte Deinen Blick auf die Fülle statt auf den Mangel. Ein leeres Regal im Supermarkt macht Angst. Genauso wie hohe Energiepreise. Das kannst Du nicht ändern. Stattdessen kannst Du Dich über eine Vielfalt von Obst, Pilzen und unglaubliche Farbspiele freuen. Das sind alles Geschenke des Lebens an uns. Nimm sie an.
  • Sei dankbar für das, was da ist. Es ist nicht selbstverständlich, gesund zu sein, ein Dach über dem Kopf zu haben und etwas zu essen.
  • Und wenn das Frollein Frieda von Dir gestreichelt werden will: Es gibt gerade nichts Wichtigeres, als Deinen Hund zu streicheln. Okay, wenn das Haus brennt, solltet Ihr die Streicheleinheit nach draußen verlegen. 😉 Aber um Social Media, Deine E-Mails und Nachrichten kannst Du Dich auch danach noch kümmern. Und beim Lesen oder Film hast Du auch mindestens eine Hand frei.
  • Eine Sache noch: Deine Liebsten, die nicht mehr auf dieser Welt sind, werden trotzdem immer bei Dir sein. Du wirst sie in einem Baum finden, in einem Schmetterling oder einer Krähe. Und ihre Stimmen wirst Du hören, wenn Du still bist.
Juni 2022 Mein Baum
Hier, an „Deinem“ Baum findest Du Deinen Liebsten heute – aber er ist auch sonst bei Dir.

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