Warum ich es liebe, Geschichten zu erfinden.

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Mit Geschichten habe ich mein Leben gestaltet!

Als ich klein war, dachte ich mir bereits Geschichten aus. Ich konnte gar nichts dagegen tun. Meine Phantasie sprudelte einfach vor sich hin. Vielleicht tat sie das, weil meine Mutter mir so viele Geschichten vorgelesen hat. Immer wieder, bis ich sie fast auswendig konnte.

Das Geschichtenerzählen wurde später auch wichtig, um die mir bekannte Realität zu verändern. Ich war ein so genanntes „uneheliches Kind“, von meiner Mutter ersehnt und gewünscht, innig geliebt von Onkel und Oma als gleichberechtigten Mit-Erziehern. Trotzdem war ich eine Art ungeplantes „Zufallsprodukt“.

Ich bin 1964 geboren. Und in den 60er Jahren hatte „man“ gefälligst verheiratet zu sein, wenn ein Kind unterwegs war. Hielt frau sich nicht an diese Regel, führte dies durchaus noch zur Ausgrenzung. So wurde meine Mutter von einigen Kollegen sehr betont mit „Fräulein Scholze“ angesprochen. Mein schlimmstes Erlebnis diesbezüglich war, dass meine beste Freundin mich nicht zu ihrem Geburtstag einladen durfte, weil ich unehelich war.

Obwohl meine Mutter mich immer darin bestärkt hat, mit einem gesunden Selbstbewusstsein herumzulaufen, dachte ich mir sicherheitshalber noch einen Vater aus: Er war Kapitän und deswegen nie zuhause. Manchmal ließ ich ihn auch direkt nach meiner Geburt einen heldenhaften Tod sterben. Wer tot ist, kann nicht vorhanden sein.

Geschichten machen stark – nicht nur Pippi Langstrumpf

Stark war ich nämlich nicht. Ganz im Gegenteil: In jeder Straße gibt es Kinder, denen es ein Vergnügen ist, die Schwächeren zu piesacken. Ich gehörte zu den Schwächeren… Wenn ich deswegen heulend zu meiner Mutter gelaufen bin, lautete ihre Standardantwort: „Geh raus und hau zurück!“

Das habe ich mich aber nicht getraut. Und deswegen die Erwartungen meiner Mutter bezüglich meiner Wehrhaftigkeit lieber mit erfundenen Geschichten befriedigt. Mein Lieblingsaufenthaltsort in dieser Zeit war unter dem Tisch. Und um den peinlichen Fragen meiner Mutter nach den Erlebnissen beim Rausgehen und Zurückhauen vorzubeugen, machte ich mich zur Heldin meines Alltags. Ich gebe zu, dass ich dabei auch viel geschwindelt habe…

Als es mir später gelang, nicht nur einen Haufen Freunde zu finden sondern auch eine Bande mit mir als Anführerin zu gründen, kamen neue Geschichten hinzu. Ich musste schließlich meine Bandenmitglieder bei Laune halten. Also dachte ich mir immer neue Spiele aus.

Weil es sich am besten vor dem Hintergrund einer Abenteuergeschichte spielt, wurde die gutbürgerliche Mietshaussiedlung abwechselnd zum Piratenschiff, Dschungel, einem endlosen Höhlensystem oder zur Steinzeit.

Sabine Scholze hat ihren Laptop im Arm. Im Hintergrund ist ein gut gefülltes Bücherregal zu sehen.
Hier sehen Sie mich mit meinen wichtigsten Begleitern: Laptop und Bücher. Sehr, sehr viele Bücher. 😉

Geschichten waren und sind neben Laufen, Atmen, Essen und Trinken noch immer ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Das große C bekämpfe ich abwechselnd mit Science Fiction oder Satire, mein Herdenschutzhundmix Frollein Frieda hat einen eigenen Blog, und auch die von mir gern erteilten Tipps für besondere Menschen und gute 365 Tage kleide ich mit Begeisterung in eine kleine Geschichte.

Sabine Scholze sitzt an ihrem Schreibtisch und rauft sich die Haare. Im Hintergrund befinden sich der Laptop, eine Topfpflanze und ein Rocky-Poster.
So sehe ich aus, wenn mir ausnahmsweise einmal nichts einfällt und ich mir mordsmäßigen Druck mache, weil ich finde, dass ich etwas schreiben MUSS.

Geschichten helfen durch Krisen hindurch

Manchmal bekommen sich Realität und Fiktion in die Wolle. Dann findet in meinem Gehirn ein Zweikampf statt, ich ärgere mich über alles und jeden, stelle die wichtigen Entscheidungen meines Lebens in Frage und finde überhaupt alles irgendwie kacke.

Wenn ich mich dann wieder beruhigt habe, konzentriere ich mich auf das, was ich will. Manchmal findet das nur in meiner Phantasie statt. Und die ist bisher immer als Siegerin aus den Krisen meines Lebens hervorgegangen.

Dem Alterungsprozess schleudere ich ein „Ich sterbe beim Zieleinlauf meines letzten Marathons!“ entgegen.

Mein Konto muss mit der Erklärung leben, dass viele berühmte Autoren sehr lange sehr sparsam gelebt haben.

Wenn meine Schwiegermutter mich fragt, warum ich den Rasen schon wieder nicht gemäht habe, erzähle ich ihr von einem verschüchterten Waschbären, der mich den ganzen Nachmittag in Anspruch genommen hat. Manchmal „verwurste“ ich die Schwiegermutter aber auch in einer Kriminalgeschichte…

Aber auch das ist „nur“ eine Geschichte, die ich Ihnen erzähle. Ich rede mit meiner Schwiegermutter nicht übers Rasenmähen.

Geschichten erreichen das Herz, nicht nur den Kopf

Warum sind gerade für uns Hochsensible und Vielbegabte Geschichten so wichtig?

Weißt Du, wie es sich anfühlt, wenn uns die Ideen von allen Seiten umzingeln und wir in der Welt „da draußen“ viel mehr wahrnehmen, als wir jemals wissen wollten? Ich flüchte mich dann gern in Geschichten, auch in solche, die andere geschrieben haben. Ich finde, davon kann es gar nicht genug geben.

Während ich meine Geschichten schreibe, bin ich ganz woanders. Ich setze mir Kopfhörer auf, um von außen nichts mehr mitzubekommen, und dann dürfen meine Finger protokollieren, was meine Phantasie zu erzählen hat. Das ist keine bewusster Vorgang: Nicht ich schreibe, sondern es schreibt aus mir heraus.

Sabine Scholze sitzt mit Kopfhörern und Mikrofon an ihrem Schreibtisch und lächelt.
Dies ist nicht nur einer meiner Lieblingsorte, sondern auch eine meiner Lieblingstätigkeiten: Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, die gerade ausgedachten Geschichten vorlesen.

Auf diese Weise sind bereits zwei Romane entstanden (einen davon habe ich veröffentlicht), viele Kurzgeschichten, noch mehr Blogposts. Ganze Universen toben in meinem Kopf herum.

Geschichten sind die Vorstufe zur Realität

In einer davon lebe ich auf Kreta, in einem kleinen Haus mit Blick auf die Berge. Dort gibt es einen Raum voller Bücher, einen Ohrensessel, und am Fenster steht ein alter Sekretär, auf dem sich nur mein Laptop, Tagebuch und Denkstift befinden.

Natürlich gibt es in meinem kretischen Haus auch ein paar große Hunde, die dort neben diversen Katzen, Hühnern und mindestens einem Esel wohnen. Aber dieser eine Raum gehört nur mir. Mein Geschichtenraum…

Mein Gefühl und die Erfahrung, wohin mich Willenskraft, Glaube an mich selbst und mein Vorstellungsvermögen bereits gebracht haben, sagen mir, dass diese Geschichte zu einem nicht allzu fernen Zeitpunkt ebenfalls Realität werden wird.

Aber es eilt nicht. Mein Schreibtisch in Witzenhausen ist eine gute Basis für Ausflüge in die Welt der Geschichten.

Ein Raum mit Fenster, einem Bücherregal, vielen Pflanzen und einem Schreibtisch. Auf dem Fußboden liegt ein großer Hund.

8 Gedanken zu „Warum ich es liebe, Geschichten zu erfinden.“

    1. Hach, mein erster „richtiger“ Kommentar! Nicht nur deshalb vielen Dank dafür! 🙂
      An Deiner Website sehe ich, dass wir nicht nur das Thema „HSP“ gemeinsam haben.
      Herzliche Grüße, Sabine

  1. Ein Fellow Geschichtenschreiber. Love it! 🙂 Besonders das mit der Kindheit klingt sooo bekannt. GEschichtenschreiben (auch im Unterricht), Spiele erfinden… Hachja…

    Du bist nicht zufällig auch noch Rollenspielerin?

    1. Liebe Lucie, vielen Dank für Deine Rückmeldung! Als Rollenspielerin würde ich mich nicht bezeichnen; meine einzigen Erfahrungen habe ich mit Dungeons & Dragons und dem Schwarzen Auge vor ca. 30 Jahren (Sch…, bin ich alt!) gemacht. Aber mit Perspektivwechseln kenne ich mich aus! 😉 Stelle regelmäßig die Wunderfrage, erklimme die Wunschleiter oder stelle mir vor, ich wäre mein Hund. Und so ist das Leben wunderbar – täglich!

      Herzliche Grüße von Sabine (heute Bloggerin, Läuferin, Hundelüfterin, Freundinbestaunerin und Schlechtelauneignoriererin)

  2. Liebe Sabine,
    da sind wir „sisters in mind“. Bei mir dreht sich auch alles ums Geschichtenerzählen. Und wir hatten die gleiche Heldin!
    Liebe Grüße
    Elke von Kekse & Koffer

    1. Liebe Elke, vielen Dank für Deine Worte! Gerade war ich bei „Kekse & Koffer“ spazieren, finde Deine Seite sehr schön und komme garantiert wieder.

      Herzliche Grüße von der nicht ganz so weitgereisten

      Sabine

  3. Pingback: Monatsrückblick Mai 2021 - Mein kreativer Vulkan bricht aus! – Sabine Scholze

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