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Der Tod ist nicht das Ende

Sabine Scholze steht in der Figur der Tänzerin (Yoga)vor einer Waldkulisse.

Der Tod ist nicht das Ende – zumindest nicht auf meiner inneren Landkarte. Welche Bedeutung Tod und Abschied für mich persönlich haben, erfährst Du in diesem Artikel.

Denn nachdem ich meine 5 Fragen zu Tod und Abschied an inzwischen fünf gleichermaßen wunderbare, aber auch ganz unterschiedliche Frauen richten durfte, fiel mir auf, dass ich sie noch nicht beantwortet habe.

Meine Mit-Bloggerin Nicole Borho hat mich Ende November bereits zu genau diesem Thema interviewt. Das Beantworten ihrer Fragen war für mich sehr emotional. Umso dankbarer bin ich meinen bisherigen Interviewpartnerinnen, dass sie sich auf meine eingelassen haben.

Und genau das tue ich jetzt auch. Here we go:

Was bedeutet der Tod für mich?

Mein Lieblingspsychologe Robert T. Betz hat es einmal in einem Interview sehr schön ausgedrückt. Er beschreibt den Tod immer als „Verlassen dieses Körpers“ und eine Art Rückkehr nach Hause. Diese Beschreibung löst in mir bei jedem Hören Sehnsucht aus.

Nein, damit meine ich keine Todessehnsucht! Ich habe noch viel zuviel vor, um mir einen frühen Tod zu wünschen. Aber die Vorstellung, dass mich jemand nach Hause holt, wenn meine Zeit abgelaufen ist, empfinde ich als sehr tröstlich. Was ich mir nicht vorstellen kann: Dass ich einfach schwupps! weg bin und irgendwo vor mich hin modere oder meine Asche in einem Steingefäß auf einem Friedhof landet.

Als ich noch sehr viel jünger war, las ich in einem Magazin, dass gegen entsprechende Gebühr inzwischen Weltraumbestattungen möglich wären. Meine Gedanken dazu: „Boah, das will ich auch! Ich muss sofort reich werden.“ und „Aber da muss ein Fenster in meiner Kapsel sein. Ich will rausgucken können.“

Ja, ich glaube fest daran, dass ich nach meinem Abschied aus diesem Körper immer noch präsent sein werde – auch wenn ich überhaupt keine Idee habe, wie das „praktisch“ aussieht.

Einige ältere Fotos, teiweise schwarz-weiß. Wenn ich sie ansehe, weiß ich: Der Tod ist nicht das Ende.
Einige meiner Liebsten.

Fühle oder habe ich Kontakt zu meinen Liebsten, die bereits gegangen sind?

Absolut und schon immer – jedenfalls zu denen, die mir wirklich viel bedeutet haben. Bei vielem von dem, was ich tue, sind sie präsent. Mein Lieblingsonkel und Vaterersatz ist immer da, wenn ich mit einem Werkzeug, dessen Namen ich nicht kenne, irgendetwas zusammenbastele.

Mein Onkel war ein handwerklicher Improvisationskünstler und hat mein Herangehen an solche Aufgaben sehr geprägt. Eines seiner Vermächtnisse: Eine echte Schwarzwälder Kuckucksuhr, aus der zur vollen Stunde eine schmutzige kleine Plastikente herauskam und „Örps!“ machte.

Meine Mutter ist nach wie vor bei mir, als Stütze, liebevoller Rückhalt, Antreiberin und Mutmacherin. Als ich 2016 meinen ersten Marathon gelaufen bin und es wirklich steil bergauf ging, habe ich nach oben geschaut und gesagt: „Mutti, kannst du mal schieben, bitte?“ Und in meinem Kopf hörte ich sie in klarem Plattdeutsch sagen: „Hol’t muhl un renn!“ Ich habe die Steigung geschafft, in guter, alter Scholze-Tradition mit Kampfgeist und „Jetzt erst recht!“. 😉

Und auch mein Liebster begleitet mich. Unter anderem darüber, wie sich das anfühlt, habe ich in meinem letzten Brief geschrieben.

Ich habe schon an seinem Todestag gefühlt, dass er nicht für mich verloren ist, sondern ich mich „nur“ anders orientieren muss, um ihn bei mir zu haben. Wie auch immer mir das gelungen sein mag: Ich begrüße ihn morgens, wenn ich wach werde, ich mache mich über den „motzenden“ Raubvogel lustig, von dem ich sicher bin, dass es mein Mann ist, der sich über das Wetter und die Uhrzeit beschwert, und ich fühle seine Hände auf meiner Schulter, wenn mir besonders schwer ums Herz ist.

Ich glaube, fühle und weiß deshalb, dass wir unsere Liebsten bei uns haben. Immer.

Wie gehe ich mit dem Gedanken an meine eigene Endlichkeit um?

Ich versuche, im Jetzt zu leben, das wertzuschätzen, was mir das Leben jeden Tag schenkt und abends mit einem Gefühl ins Bett zu gehen, dass es okay ist, wenn ich nicht wieder aufwache. Auch das ist kein Ausdruck von Todessehnsucht. Aber kann ich wissen, was während der nächsten Minuten passieren wird?

Von meinem Mann habe ich mich um 22.00 Uhr mit einem Witz und einem Gute-Nacht-Kuss verabschiedet, mich auf den gemeinsam zu verbringenden Sonntag gefreut und ihn um 5.00 Uhr tot auf der Couch gefunden. Genau da, wo ich mich von ihm verabschiedet hatte. Kannst Du Dir vorstellen, wie dankbar ich darüber war und immer noch bin, dass zwischen uns alles gut war, dass wir nichts auf später verschoben und Meinungsverschiedenheiten sofort ausgetragen haben?

Ich kann nicht beeinflussen, wann ich mich von dieser Welt verabschieden muss – und ob ich überhaupt noch die Zeit habe, das zu tun. Also verabschiede ich mich sicherheitshalber täglich. Und bin voller Dankbarkeit, wenn das Leben mir einen weiteren Tag schenkt.

Möchte ich der Welt etwas hinterlassen? Wie möchte ich gern in Erinnerung bleiben?

Da geht es mir ähnlich wie Uli Pauer: Wenn der Gedanke an mich den Menschen, die mich kannten, ein Lächeln ins Gesicht zaubert, habe ich alles erreicht.

Das ist jetzt ein sehr großer Wunsch: Ich möchte zu mehr Liebe, Verständnis, Leichtigkeit und guter Energie in dieser Welt beigetragen haben.

Was glaube ich, wohin ich gehen werde?

Diese Antwort hat auch Barbara-Mira Jakob gegeben – und genauso fühlt es sich auch für mich an: Ich werde nach Hause gehen.

Und falls ich meine Lebensaufgabe nicht „erledigt“ habe, muss ich wahrscheinlich in einem nächsten Leben nochmal ran… 😉


Das Beitragsbild und das gleich hier unten verdanke ich der wunderbaren Sabine Prilop. Sie hat nicht nur bei unserem ersten gemeinsamen Shooting ein echtes Gespür für meine Persönlichkeit bewiesen, sondern mir auch ein paar wirklich schöne Bearbeitungen geschenkt. Ich freue mich schon auf unseren nächsten Termin am 14. Dezember! 🙂

… und trotzdem leben!

Hier kannst Du meinen Mutmach-Letter mit sehr persönlichen Gedanken, Geschichten und Tipps abonnieren.

Auch wenn Du es Dir im Moment noch nicht vorstellen kannst – es wird gute Zeiten geben.

Bis dahin bin ich gern an Deiner Seite.

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Sabine Scholze hält einen Laptop im Arm und lächelt.

7 Gedanken zu „Der Tod ist nicht das Ende“

  1. Avatar of Nicole Borho

    Liebe Sabine, Danke für deinen intensiven, ehrlichen und berührenden Beitrag. Schön finde ich, dass wir beide die Aufgabe haben, das Thema Trauer und Tod mehr in die Gesellschaft zu tragen, um einen positiveren Umgang damit finden zu können. Liebe Grüße Nicole

    1. Avatar of Sabine Scholze

      Liebe Nicole, vielen Dank für Deine Rückmeldung! Und den Wunsch, den Themen „Abschied, Tod und Trauer“ ihren Schrecken zu nehmen und zu zeigen, dass sie auch Gutes bewirken können, haben wir beide. Es ist schön, dass die Menschen, die nach Verbindung und Versöhnung streben, immer sichtbarer werden!

  2. Avatar of Hilkea Knies

    Ganz, ganz schön geschrieben liebe Sabine, sehr berührend. Danke für die Einblicke in ein wirklich tiefes und sehr persönliches Thema. Und was die „Hinterlassenschaft“ angeht, da bin ich mit dir und Uli Pauer ganz einer Meinung, auch wenn es mir vielleicht nicht eingefallen ist, als ich dran war mit den Antworten.

    1. Avatar of Sabine Scholze

      Liebe Hilkea, wer Deine Seiten besucht, wird gar nicht anders können als sich zu freuen und zu lächeln. Und all das wird bleiben, da bin ich ganz sicher. Aber erst einmal hast Du ja noch viel zuviel zu tun und zu lernen. Deshalb bin ich sehr froh, Dich noch live und in Farbe erleben zu können. 🙂

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