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Wie ein Überfall mich von meiner Zahnarztphobie geheilt hat

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Warum kommt mir heute auf einmal meine Zahnarztphobie in den Sinn? Wo die doch schon seit ein paar Jahren Geschichte ist?

Weil Shivani Vogt ihrer Blogparade die Überschrift gegeben hat: „1 – 2 – 3, Angst vorbei! Dieser Angst habe ich mich gestellt.

Nachdem ich jetzt schon über die Wechseljahre und 50plus-Frust geschrieben, den Herbstblues bekämpft und eine Million Euro verballert habe, kann ich mich auch einmal mit alten Ängsten auseinandersetzen.

Obwohl… Eigentlich darf ich Shivanis Frage gar nicht beantworten. Denn ich habe mich meiner Zahnarztphobie nicht gestellt, sondern wurde fast ohne eigenes Zutun von ihr befreit. Durch eben diesen „Überfall“. Der kein Überfall im klassischen Sinne war. Denn ich hatte es nicht mit einer bewaffneten Räuberbande zu tun, sondern mit meinem Zahnarzt.

Aber lies selbst.

Ich und meine Zahnarztphobie

Ich hatte schon als Kind Angst vor dem Zahnarzt.
 
Anfangs natürlich nicht; zunächst einmal muss ja etwas geschehen, das uns überhaupt in die Angst bringt. Schließlich kommt ein Baby ja nicht ohne Zähne, aber mit Zahnarztphobie auf die Welt.
 
Aber eine Reihe von Zahnärzten hat erfolgreich dafür gesorgt, dass mir noch im Grundschulalter beim Gedanken an die halbjährliche Kontrolluntersuchung der Schweiß ausbrach und meine Mutter es für nötig hielt, mich zu begleiten. Nicht, weil sie Händchen halten wollte, sondern um sicher zu gehen, dass ich auch wirklich ankomme.
 
Das funktionierte natürlich nur so lange, bis ich alt genug war, um selbst zu entscheiden. Und im Erwachsenenalter ging ich einfach nur noch zum Zahnarzt, wenn irgendetwas schmerzte. Und ich konnte eine Menge Schmerzen aushalten! 😉 Natürlich führte das dazu, dass mich jeder Zahnarztbesuch in meiner Angst bestätigte, weil ja aufgrund der viel zu langen Pausen immer eine Menge zu tun war.
 
Übrigens gendere ich bei den Zahnärzten absichtlich nicht. Denn das waren alles Männer.
Ja, meine Zahnarztphobie hat mir genau so ein Bild vorgegaukelt: Zeichnung von einem Mann im Stuhl, an dessen Zahn ein anderer gewaltsam zieht.
Okay, so schlimm war es nicht. Aber auch nicht um Längen besser…

Odyssee durch die Zahnarztpraxen

Das Ende meiner Angst kann ich ziemlich genau auf den August 2017 datieren. Ein Zahn schmerzte schon seit so langer Zeit, dass ich mich kaum noch daran erinnern konnte, wann es angefangen hatte.
 
Der letzte Zahnarzt (ich tendierte aus den oben genannten Gründen) zu häufigen Zahnarztwechseln) hatte mir vor Monaten geraten, ich solle das regelmäßig nachsehen lassen, am besten im dreimonatigen Rhythmus und immer verbunden mit einer professionellen Zahnreinigung, deren Preis gerade auf 75€ erhöht worden war. Das kam mir seltsam vor. Entweder habe ich ein Loch im Zahn oder nicht.
Da ich damals außerdem konfliktscheu war, habe ich mir einen Termin aufschwatzen lassen und beschlossen, einfach nicht wieder hinzugehen. Es tat ja auch nicht so schlimm weh.
 
Aber recht bald gab es doch gesteigerten Handlungsbedarf. Also habe ich einen weiteren Zahnarzt aufgesucht. Nette Website, nettes Gesicht, schöne, bunte Ausstattung. Mein Liebster erklärte nach Ansicht der Website: „Wenn der so scheißteures Zeugs da stehen hat, muss sich das noch refinanzieren. Der wird Dir garantiert eine Mörderkohle abnehmen.“ Da ich meine Erfahrungen grundsätzlich selbst machen muss, nahm ich statt des Rates meines Mannes den Termin wahr.
 
Ich kürze ab: Er hatte Recht. Auch diese Praxis sah mich nicht wieder. Mein Zahn tat immer noch weh.
 

Die wundersame Heilung von meiner Phobie

Mein lieber Mann, ebenfalls mit einer kapitalen Zahnarztphobie geschlagen, empfahl mir jetzt seinen. Erstens könne ich dem vertrauen, weil seine Praxis so aussähe, als hätte sie sich schon amortisiert, außerdem würde er einen nicht vollquatschen, sondern arbeiten und überhaupt wäre das gesamte Team sehr professionell, gründlich und empathisch.

Gesagt getan. Im Anamnesebogen kreuzte ich sehr dick „Angstpatientin“ an, lehnte wie immer das Lätzchen ab (das macht noch hilfloser, finde ich) und ließ den Mann seine Arbeit tun. Er bohrte hier und da ein bisschen und stellte dann fest, dass wegen dieses einen Zahnes eine Wurzelkanalbehandlung notwendig sei. Aber das würden wir später erledigen.

Und dann tat mein neuer Zahnarzt einige Tage später genau das Richtige: Er überfiel mich!
Das kam so: Ich begleitete meinen Mann zu seinem Termin, um im Anschluss mit ihm shoppen zu gehen. Ich war also einfach nur mit. Mir würde nichts passieren.
In der Praxis sagte man uns, dass es nicht lange dauern würde, und so nahm ich im Wartezimmer Platz, statt spazieren zu gehen.

Auf der Hinfahrt hatten wir uns noch darüber unterhalten, mit welchen Gefühlen wir an diesen (meine Sicht der Dinge) Ort des Grauens fuhren. Mein Mann hatte nach den vielen Behandlungen seine Phobie abgelegt und versicherte mir glaubhaft, er sei völlig entspannt. 
Das war bei mir anders. Ich sagte mir im Vorfeld mantraartig, dass alles gut werden würde, klopfte wie bescheuert auf irgendwelchen Meridianpunkten herum und habe lange vor dem Termin sicherheitshalber noch meditiert, mich selbst hypnotisiert, positive Glaubenssätze formuliert und alle meine Götter und Göttinnen um Beistand gebeten.

An diesem besagten Tag war ich natürlich auch entspannt. Ich musste ja nicht auf den Stuhl. 

Dachte ich.

Denn auf einmal stand der Zahnarzt neben mir und fragt hinterhältig lächelnd: „Frau Scholze, wollen wir etwas machen? Ich habe gerade nichts zu tun.“ – und schwupps! – lag ich auf dem Behandlungsstuhl, wurde betäubt und mein Wurzelkanal behandelt. Ich hatte überhaupt keine Zeit, Angst zu bekommen!

Genau dieser Überfall hat dazu geführt, dass meine Zahnarztphobie von diesem Zeitpunkt an „irgendwie weg“ war. Ich gehe immer noch zu diesem Zahnarzt und inzwischen muss ich mir auch nicht mehr sagen, dass ich da „nur mal so“ vorbeischaue. Ich bin tatsächlich tiefenentspannt.
 
Wenn ich auf eine ähnlich unkomplizierte Art und Weise jetzt auch meine Höhenangst loswerden würde – mein Leben wäre nahezu angstfrei!

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