Warum ich Sie ab sofort „Du“ nenne und das generische Femininum benutze

Liebe Leser:in (oder: liebe Leserin/lieber Leser), heute will ich Ihnen/Dir etwas schreiben, was ich für eine wichtige sprachliche Errungenschaft zur Gleichbehandlung der Geschlechter halte. Deshalb werde ich gendern wie der Teufel/die Teufelin und Dir/Ihnen die Entscheidung überlassen, wie Du/Sie gern angesprochen werden willst/wollen.

Möglicherweise wird mein Text/meine Textin (upsi, zuviel gegendert!) dabei etwas sperrig, aber da müssen wir (also Du/Sie/m/w/d) jetzt durch. Oder?

Ein kotzender Smiley als Illustration für meine Haltung zu gendergerechter Sprache.

Och nö! Echt jetzt! Muss das sein? Hallo???

Hat es etwas in der Art gerade in Dir gedacht? Findest Du einen Text ohne Sternchen, Doppelpunkte, Schrägstriche und krampfhaftes Berücksichtigen sämtlicher eventuell mitgemeinter Personen viel lesbarer als die aktuellen Auswüchse der political correctness?

Ich auch.

Warum auf einmal „Du“ statt „Sie“?

Ich ärgere mich immer darüber, wenn ich von der Werbung geduzt werde. Denn ich will weder, dass die Gebrauchsanweisung für den Aufbau meines neuen Regals noch der Mensch im Callcenter „Du“ zu mir sagt. Deshalb habe ich gleich bei meinen ersten Texten beschlossen, diesen Fauxpas auf meiner Website nicht zu begehen, sondern beim höflichen „Sie“ zu bleiben.

Andererseits sind wir hier unter uns (Frauen). Wir wollen persönlich werden und uns unsere Geschichten erzählen – das fällt mit einem vertrauten „Du“ wahrscheinlich sehr viel leichter. Denn das „Sie“ klingt möglicherweise etwas distanziert.

Weil ich wissen wollte, wie Ihr das seht, habe ich vor kurzem eine Umfrage bei Facebook gestartet: „Du oder Sie?“ Das Ergebnis: überwältigende 100% der Leserinnen sind für das „Du“.

Damit wäre das geklärt.

Ich habe alle meine Beiträge hier überarbeitet und „Sie“ in „Du“ geändert. Falls Du noch Sie-Restbestände irgendwo findest, gib mir bitte Bescheid! Die Wahrscheinlichkeit, dass ich etwas übersehen habe, ist vorhanden.

Ein aufgeklappter Laptop, davor ein Buch mit handgeschriebenen Notizen. Links daneben Stifte, rechts daneben zwei Gläser.
Irgendwo hier sind möglicherweise noch ein paar „Sie“ versteckt. 😉

Jetzt zum generischen Femininum. Hast Du noch nie gehört? Macht nichts. Es bedeutet für unsere Kommunikation und meine Website, dass ich grundsätzlich die weibliche Form nutze, aber Männer immer mitgemeint sind.

Hilfe! Ist sie jetzt auf dem Emanzentrip?

Nein. Ist sie nicht. War sie schon immer. 😉

Ernsthaft: Der Punkt ist nicht, auf Teufelinkommraus korrekt zu gendern, sondern so zu schreiben, dass Du weiterlesen möchtest. Und da „Du“ als Besucherin meiner Seite und Leserin meiner Texte zu 95% dem weiblichen Geschlecht angehörst, ist es doch einfach höflich, Dich auch als Frau und nicht als Mann anzusprechen, oder?

Immerhin besteht die Weltbevölkerung zu ca. 51% aus Frauen. Deshalb gibt es für mich keinen vernünftigen Grund, mich hinter einer männlichen Formulierung zu verstecken. Wer sich daran stört: Es gibt sehr viele schöne und interessante Seiten, die tapfer gendern oder uns Frauen bei der männlichen Formulierung mitmeinen…

Natürlich hätte ich auf diesen Gedanken auch schon viel früher kommen können, statt angestrengt nach geschlechtsunspezifischen Begriffen zu suchen, damit meine Texte besser zu lesen sind. Die Augen für das generische Femininum hat mir Judith Sympatexter Peters mit einem sehr schönen Blogbeitrag zu diesem Thema geöffnet.

Übrigens habe ich mit dem generischen Femininum schon Erfahrungen gesammelt, bevor ich wusste, was das überhaupt ist. In meiner alten Tätigkeit als Existenzgründungsberaterin habe ich meine Berichte und Gutachten generell in der weiblichen Form geschrieben, einfach, um auszuprobieren, ob das überhaupt jemand merkt. Ganz am Anfang stand immer die von mir umgewandelte Floskel: „Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird durchgängig die weibliche Form benutzt. Die männliche ist grundsätzlich mit gemeint.“

Es hat sich nie jemand darüber beschwert. Das lässt zwei Schlüsse zu: Entweder wurde der Unterschied nicht wahrgenommen, oder meine Berichte und Gutachten wurden von denen, die entscheiden mussten, ob sie einen Gründungszuschuss genehmigen oder ein Projekt verlängern, nicht gelesen. 😉

Hören wir also damit auf, wie wild herumzugendern und gönnen uns eine weibliche(re) Sprache!

Liebe Leserin: Ich freue mich, wenn ich Dich ab sofort noch besser ansprechen kann!

Lieber Leser: Ich freue mich, dass Du da bist – Du bist immer mit gemeint!

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Ein Gedanke zu „Warum ich Sie ab sofort „Du“ nenne und das generische Femininum benutze“

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