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Wir sind endlich – 5 Fragen zu Abschied und Tod an Trauerrednerin Michaela Burch

Michaela Burch2

„Wir sind endlich.“ Das schreibt Trauerrednerin Michaela Burch auf meine 5 Fragen zum Thema „Abschied, Tod und Trauer“. Diese Aussage hat mich beim Lesen ihrer Antworten quasi „angesprungen“. Denn genau diese Endlichkeit ist es ja, die vielen Menschen so viel Angst macht, dass sie versuchen, dem Thema „Tod“ so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen.

Michaela hat es zu ihrem Beruf gemacht. Sie ist „Grabrednerin“.  So nennt man in Bayern eine freie Trauerrednerin. Und obwohl wir uns nur virtuell, aber (noch) nicht persönlich kennen, ist sie für mich ein Vorbild. Denn ihre Arbeit, ihr Umgang mit Tod und Trauer und die Haltung, die in ihren Beiträgen erkennbar ist, zeigen mir, dass wir auf ähnlichen Wegen gehen. Allerdings ist mir Michaela mit ihrer Berufserfahrung schon ein großes Stück voraus. Sie bietet sogar Coaching und Ausbildung für Trauerrednerinnen an.

Nicht nur deshalb bin ich sehr stolz und froh, dass Michaela mir meine 5 Fragen zum Umgang mit Abschied und Tod beantwortet hat. Los geht’s:

Trauerrednerin Michaela Burch sitzt auf einer Treppe und lächelt. Sie trägt eine rote Brille, Tracht und hat kurze, graue Haare.

1. Was bedeutet Tod für Dich?

Für mich ist der Tod nur das Ende in dem jeweiligen menschlichen Leben, aber trotzdem noch so viel mehr. Denn jetzt ist es Zeit für meine Seele einen neuen Platz zu finden, wo sie andere Menschen glücklich machen darf. Menschen, die eben mit dieser Seele zu tun haben. Menschen, die mich vielleicht trotz allem auf eine gewisse Weise wiedererkennen. Die einfach wissen, dass ich schon einmal an ihrer Seite gewesen bin. Ich weiß einfach nur eins: ich bleibe. In Erinnerung, im Fühlen, im Erleben, in Emotionen.

2. Fühlst Du/hast Du Kontakt zu Deinen Liebsten, die bereits gegangen sind? Wenn ja: Wie nimmst Du sie wahr?

Oh, eine ganz alte Geschichte dazu. Meine geliebte Omi ist 1997 verstorben und sie hatte im Vorfeld immer zu mir gesagt „Na ja, meine Möbel werdet ihr wahrscheinlich dann wegschmeißen, wenn ich gestorben bin.“ Und ich hatte immer geantwortet „Omi, zwei Möbelstücke werden auf jeden Fall bei mir einen Platz finden. Auch wenn ich dafür anderes rauswerfen muss. Das ist dein altes Buffet und dein Esstisch.“

Die erste Zeit musste das Buffet bei meinen Eltern gelagert werden, da ich wirklich keinen Platz in meiner 2-Zimmer-Wohnung dafür hatte. Aber als ich mich dann vergrößerte, kam das Buffet zu mir. Ganz viele rundgebogene, fein gearbeitete Glasscheiben sind darin und auch die Schiebeglasscheiben sind eher fein.

Auf jeden Fall kam das Buffet in seinen Einzelteilen zu mir in die neue Wohnung in das Gästezimmer und ich wollte es am nächsten Tag aufbauen. In dieser Nacht schlafwandelte ich zum ersten und letzten Mal in meinem Leben. Wirklich wach wurde ich erst Stunden später. In der Hand ein Pendel, mit dem ich die ganze Zeit Fragen gestellt hatte, und wo saß ich? Inmitten der Glasscheiben, durch die ich hatte laufen müssen und die sich nun unter mir befanden. Nichts war passiert, nichts war kaputt gegangen.

Auch heute noch rede ich viel mit ihr und auch mit meiner Mama. Mamas Bild wird jeden Tag von mir gestreichelt, denn es ist das letzte lebende Foto von ihr. Vom Nachmittag vor ihrem Tod. Ca. 20 Stunden hatte sie da nur noch bis zu ihrem Ableben. Und jedes Mal, wenn ich es streichle, dann fühle ich, dass sie lächelt. Häufig stelle ich Fragen, wenn ich nicht weiter weiß, und ich bekomme Antworten. Sei es, weil mir etwas einfällt, was unmittelbar mit der Frage gar nicht zu tun hat, oder weil auf einmal die Sonne scheint, der Wind geht oder ähnliches. Ich weiß, dass beide da sind und auf mich aufpassen.

3. Wie gehst Du mit dem Gedanken an Deine eigene Endlichkeit um?

Puh. Ich lebe so, wie wenn mein Leben morgen vorbei sein könnte. Aber ich bin ehrlich, aufgeräumt ist dann definitiv nicht. Da tut mir Claus jetzt schon leid.

Ich stelle mich der Tatsache, dass wir endlich sind. Und sind wir doch einmal ehrlich: ich bin froh, dass ich nicht weiß, wann mich „der Bus erwischt“. Das könnte nämlich bereits heute der Fall sein, wenn ich die steile Treppe in unserem alten Bauernhaus runterfalle und mit dem Kopf aufschlage.

Allein durch meine Tätigkeit als freie Trauerrednerin bin ich jeden Tag mit dem Tod konfrontiert. Und ich sehe, wie schnell es auf einmal gehen kann. Dadurch habe ich auch begriffen, dass unser jeweiliges Leben eben nicht unendlich ist. Aber ich weiß ja, dass meine Seele wieder hier sein wird, also finde ich das sehr beruhigend. Und ja, ich lebe viel zu gerne, als dass es heute schon vorbei sein dürfte.

4. Wenn Du eines Tages gehst: Was möchtest Du der Welt hinterlassen?

Als Allerwichtigstes möchte ich ganz viele Erinnerungen hinterlassen. Ein Lächeln im Gesicht, wenn man an mich denkt. Auch wenn man sich an meine Sturheit und meine Cholerik erinnert. Ich lebe dafür, dass ich andren Menschen etwas beibringe und helfe. Dass ich sie berühre. Dass ich Menschen verdammt gut lesen kann und immer Tipps und Ideen habe. Das darf gerne auch in den Köpfen bleiben. Und dass ich auf eine gewisse Weise anders war. Nicht einfach, aber herzensgut.

Materielles muss nicht bleiben, auch wenn es das Leben für die Angehörigen einfacher macht. Aber außer Claus (und derzeit noch meinen 90jährigen Vater) habe ich keine. Gerne dürfen sich aber meine Freunde und Bekannte an all dem bedienen, was ihnen für sich gefällt. Ich kann es ja eh nicht mitnehmen.

5. Was glaubst Du, wohin Du gehen wirst?

Ich weiß, dass ich bereits schon das eine oder andere Mal gelebt habe. Dass meine Seele mehrfach einen neuen Platz gefunden hat. Und genauso wird es auch jetzt wieder sein. Wo genau dieser Platz ist, wo ich „zwischengeparkt“ werde, weiß ich gar nicht genau. Auf jeden Fall ist dieser sicher nicht da, wo man behauptet, dass es „Himmel“ oder „Hölle“ ist. Irgendwo im Universum dieser Welten werde ich ganz bestimmt zum Finden sein. Und wie meinte kürzlich ein Angehöriger nach dem Gespräch? „Irgendwo oben auf einer Wolke sitzend und was runterwerfend, wenn etwas nicht nach meiner Nase geht.“ Vielleicht ist das so. Und wenn nicht, dann passt das auch ?

Liebe Michaela, vielen Dank für Deine Antworten!

Deine Gedanken haben mich sehr berührt und ich freue mich, dass Du sie hier geteilt hast. Die Vorstellung, zu bleiben, obwohl wir unseren Körper verlassen haben, finde ich für mich als „irgendwann Sterbende“, aber auch als Angehörige sehr tröstlich.

Wer auf Michaelas Startseite ein bisschen nach unten scrollt, kann sich eine ihrer Trauerreden anhören. Ich empfehle, dabei ein Taschentuch zur Hand zu haben… Nachdem ich mir ihre Rede angehört habe, wünsche ich mir, dass Michaela meine Grabrednerin wird. Und würde mich freuen, liebe Michaela, wenn Du ausnahmsweise einmal außerhalb Deines bayrischen Wirkungskreises tätig werden magst!

Du hättest auch nicht allzu viel Arbeit: Meine Trauerrede ist bereits geschrieben, wird regelmäßig aktualisiert und befindet sich im „Feuerordner“ – einem Ordner, in dem alles abgeheftet ist, was im Fall eines Feuers im Haus oder meines Ablebens griffbereit sein sollte.

Wenn Du auch so einen Ordner erstellen möchtest, aber nicht sicher bist, was alles hineingehört, schreibe mir. Ich habe eine Checkliste für Dich.

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