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Was ist Trauer? Der Versuch einer Definition.

Beitragsbild Was ist Trauer

Als ich in der Suchmaschine „Was ist Trauer?“ eingegeben habe, stand ganz oben die folgende Definition:

1a. Trau·er/Traúer/Substantiv, feminin [die]1a.[tiefer] seelischer Schmerz über einen Verlust oder ein Unglück – „Trauer erfüllte ihn, überkam ihn“

1b.[offizielle] Zeit des Trauerns nach einem Todesfall – „bis zum Begräbnis wurden drei Tage Trauer angeordnet“

Es scheint also mindestens zwei unterschiedliche Definitionen für Trauer zu geben: Einmal die Trauer als „seelischer Schmerz“ und einmal als Begriff für einen Zeitablauf (Staatstrauer, Trauerjahr).

Meine persönliche „Lieblingsdefinition“ für die Trauer:

Trauer – der Prozess vom Verlieren des Gehabten hin zum Haben des Verlorenen…

Begleitskript von Savina Tilmann zum Kurs „Trauerbegleiter“ an der Heilpraktikerschule Isolde Richter

Es hat ein paarmal Lesen gebraucht, bis ich diesen Satz verstanden hatte. Diese Beschreibung trifft meiner Ansicht nach den Prozess des Trauerns sehr genau. Der Anlass für die Trauer ist dabei nicht wichtig.

Natürlich gibt es verschiedene Blickwinkel, aus denen wir auf die Trauer schauen können und die sich je nachdem, wo wir selbst bei der Frage „Was ist Trauer?“ stehen, verändern werden.

Der folgende Beitrag soll ein paar Anhaltspunkte liefern und Dir die Möglichkeit geben, Dich selbst und Deine Gefühle in Deiner aktuellen Situation zu verorten.

Was ist Trauer?

Am Anfang steht ein Verlust: Wir verlieren einen geliebten Menschen oder ein Tier, aber auch Dinge, die uns wichtig sind oder Lebensumstände (z.B. den Arbeitsplatz). Dieser Verlust erschüttert zutiefst unser (seelisches) Gleichgewicht. Trauer nach einem Verlust ist also ein Gefühlszustand.

Viele Erklärungen beziehen sich vor allem auf den psychologischen Prozess der Trauer. So findet sich bei Wikipedia die folgende Definition:

Trauer ist eine durch einen schwerwiegenden Verlust verursachte Gemütsstimmung, die etwa durch den Verlust einer geliebten oder verehrten Person, durch einen ideellen Verlust oder die Erinnerung an solche Verluste hervorgerufen wird.

Wikipedia

Aber auch der Prozess, den wir durchschreiten, bis unser Gleichgewicht (ansatzweise) wiederhergestellt ist, wird als „Trauer“ bezeichnet.

Außerdem kann der Begriff „Trauer“ auch eine Bezeichnung dafür sein, wie wir unsere Gefühle nach außen ausdrücken: „Sie ist in Trauer.“ oder „Trauerkleidung“ sind Beispiele dafür. Wir kennen auch das Trauerjahr, während dem früher traditionell schwarze Kleidung getragen wurde.

Welche Anlässe können Trauer auslösen?

Als Erstes denken wir bei der Frage „Was ist Trauer?“ meist an den Verlust eines nahestehenden Menschen.

Eine Antwort auf die Frage "Was ist Trauer? " wird durch dieses Bild illustriert: Ein kleiner Grabstein in Form eines aufgeschlagenen Buches, zwischen welken Blättern, auf dem steht: "Du lebst in unseren Herzen."
Was ist Trauer? Das kann die Trauer um den Verlust eines lieben Menschen sein.

Doch es gibt noch mehr Anlässe, die unsere Trauer auslösen können:

  • die Trennung von einem Menschen, z.B. durch Scheidung oder durch den Auszug eines erwachsenen Kindes
  • der Tod eines geliebten Tieres (der eine ebenso tiefe Trauer verursachen kann wie der Verlust eines Menschen)
  • Krankheit einer geliebten Person, aber auch eine eigene Erkrankung sowie die Diagnose einer (tödlichen) Erkrankung
  • Verlust des Arbeitsplatzes (z.B. durch Kündigung, Konkurs des Arbeitgebers oder den Eintritt in die Rente)
  • Verlust der Heimat (durch Umzug oder Flucht)
  • Verabschiedung eines (Lebens-) Traums, weil wir nicht mehr glauben, dass wir uns diesen erfüllen können (Das kann der Traum von einer bestimmten Tätigkeit ebenso sein wie ein unerfüllter Kinderwunsch.)
  • Verlust von Fähigkeiten und Fertigkeiten, z.B. wegen des Alters
  • eine unglückliche Kindheit, z.B. wegen überforderter Eltern

Dies sind nur einige Beispiele. Wenn Du auf Dein eigenes Leben zurückschaust, werden Dir wahrscheinlich noch mehr Anlässe einfallen, die bei Dir zur Trauer geführt haben.

Gibt es unterschiedliche Formen der Trauer?

Diese Frage hat einen eigenen Artikel verdient, weil sie so umfangreich ist. Deshalb hier nur ein kurzer Überblick:

Frauen und Männer erleben und zeigen ihre Trauer oft auf unterschiedliche Weise. Das ist mit den grundsätzlichen Unterschieden zwischen Frauen und Männern erklärbar. Aber vor allem hat es mit der Sozialisation zu tun. So lange Mädchen weinen „dürfen“ und den Jungen gesagt wird: „Ein Junge weint doch nicht!“ (Ja, das gibt es immer noch!), so lange ein weinender Mann vor allem Unsicherheit im Gegenüber auslöst, während das Umfeld von einer Frau nahezu erwartet, dass sie ihre Trauer auch (öffentlich) zeigt, werden diese Unterschiede meiner Meinung nach auch nicht komplett zu überwinden sein.

Auch die Nähe zu Verstorbenen oder ihr Alter sind wichtig. So werden wir um eine nahe Angehörige wahrscheinlich mehr trauern als um die Bürgermeisterin unseres Wohnortes. Ein gestorbenes Kind löst ebenfalls ganz etwas anderes aus als ein alter Mensch, von dem wir denken, dass er das Leben „hinter sich“ hat.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Wie. War es ein plötzlicher Tod, der für uns völlig unerwartet kam oder hatten wir die Gelegenheit, uns zu verabschieden? Auch bei Suizid, (Gewalt-) Verbrechen oder Unfall wird die Trauer eine andere sein als wenn jemand nach langer Krankheit „erlöst“ wird.

Schon diese wenigen Punkte zeigen, dass die Trauer und die Intensität der Trauer von vielen verschiedenen Konstellationen abhängen.


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Auch wenn Du es Dir im Moment noch nicht vorstellen kannst – es wird gute Zeiten geben.

Bis dahin bin ich gern an Deiner Seite.

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Sabine Scholze hält einen Laptop im Arm und lächelt.

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