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Trauern Männer anders? Ansichten eines Freundes

Titelfoto "Trauern Männer anders?": Das Foto eines Mannes, der vornübergebeugt ist und die Hände vor sein Gesicht hält.

Trauern Männer anders? Oder: Wie dürfen sie trauern?

Mein Interview mit Uwe Telkamp hat mir darauf (noch) keine Antwort gegeben. Vielleicht dürfen wir die Frage, ob Männer anders trauern, umformulieren in: „Dürfen Männer so trauern wie Frauen?“

Meine fünf Fragen zum Umgang mit Abschied und Tod habe ich bisher überwiegend Frauen gestellt. Hier kommen die Ansichten eines sehr guten Freundes zu diesem Thema. Nach einer durchaus kontroversen Diskussion via Messenger über Trauerbegleitung an sich und deren Notwendigkeit in unserer Gesellschaft, hat er mir eine Sprachnachricht geschickt, die mich so sehr berührt hat, dass ich eines meiner großen Taschentücher zur Hand nehmen musste.

Deshalb war es mir auch sehr wichtig, seine Anmerkungen möglichst originalgetreu wiederzugeben. Die Überschriften und Hervorhebungen sind das einzige, was ich hinzugefügt habe.

Mein Freund möchte ungenannt bleiben, aber ich kann Dir versichern: Er ist real! 

Wie gehst Du mit Tod und Trauer um? Welche Erlebnisse verbindest Du damit?

Da muss ich erstmal drüber nachdenken… Ich kann Dir sagen, wie es bei meinem Schäferhundmischling war, den ich leider krankheitsbedingt einschläfern lassen musste. Nach seinem Tod hatte ich zweimal Visionen von ihm, dass er an so einem Berg hochgeht mit vielen Hunden, bis zur Schneefallgrenze kommt und dann irgendwie mit den Hunden im Nirwana verschwindet. Er schaute mich an und sagte: „Wir werden uns wiedersehen. Aber du wirst mich nicht streicheln können.“

Diese Vision habe ich zweimal gehabt, glasklar, vor meinen Augen. 

Ich bin damals zur Trauerbewältigung jeden Tag durch den Wald gegangen, die gleiche Strecke, die ich auch mit meinem Hund gegangen war. Das Resultat dieser Spaziergänge war unser nächster Hund, den wir wieder aus dem Tierheim zu uns geholt haben.

Eine helle Labradorin und ein kleiner Schäferhundmix stehen stellvertretend für die geliebten vierbeinigen Begleiter, die schon gegangen sind.
Luna (die helle Labradorin) und Herr Schmitt sind schon fort. Sie gehörten zu meinem Mann und mir. Vielleicht befinden sie sich inzwischen am gleichen Ort wie die Hunde meines Freundes…

Wie stehst Du zum Thema „Abschied und Tod“?

Später, beim Tod unserer anderen Hunde, habe ich irgendwie nur noch funktioniert. Im ersten Moment übersteigt die Vernunft die Emotionen. Ist vielleicht ein Schutzmechanismus. Ist wie beim Adrenalinausstoß. Dann funktioniere ich. Und wenn sich alles gesetzt hat, habe ich Zeit zum Trauern. Aber das mache ich für mich.

Es gibt da diesen Spruch, der fängt ungefähr so an: „Wenn jemand tot ist, ist das für ihn selbst nicht schlimm, nur für die anderen.“ Klar, es ist doof wenn man tot ist. Alle sagen das. Aber es ist eigentlich nur für die anderen doof. Die nicht tot sind.

Aber weißt Du, Sabine, der Tod gehört zum Leben wie die Geburt. Das ist das, was mich tröstet. Und wenn man übers ewige Leben spricht, denke ich mir, man lebt ewig insofern, als dass man Teil dieser Welt ist. Weißt Du, wenn ich beerdigt werde, dann wird mein Körper von Würmern gefressen und diese Würmer werden von einem Vogel gefressen. Der kackt und damit werden Blumen gedüngt. Aus den Blumen werden Früchte oder eine Milchkuh frisst die und gibt dann Milch oder bekommt ein gesundes Kalb…

Der Kreislauf des Lebens, das ist das Ding! Wir sind in der Welt, in dieser unendlichen Zeitgeschichte, die ja nicht funktioniert wie die Schweizer Uhren, die fängt irgendwo an und geht unendlich in die Zukunft. Und auf dieser Zeitachse leben wir ewig.

Deshalb haben wir unseren letzten Hund nach seinem Tod verbrennen lassen und ins Meer geschüttet. Das Leben kommt ja aus dem Meer, und dann ist er wieder ins Meer zurückgegangen, um auf irgendeine Art und Weise wiedergeboren zu werden.

Was ist Dir wichtig, wenn Du an Dein eigenes Ende denkst?

Meine Frau und ich lassen uns nach unserem Tod auch verbrennen und unsere Asche ins Meer werfen. Das ist eine Möglichkeit, wie wir damit umgehen. So wollen wir es haben. Wir wollen einfach nicht in so einer Holzkiste verrotten. Aber letzten Endes ist es so, dass Du ewig Teil des Zyklus des Lebens bist.

Und wenn man das akzeptiert, fällt einem das Trauern leichter, wenn andere in diesen Zyklus weiter eintauchen. Wenn ein weiterer Schritt in diesem Zyklus gemacht wird, nämlich wenn man tot ist.

Die Vorstellung, dass alles vorbei ist, dass alles sinnlos ist, wenn man tot ist, die macht doch eher traurig. Und davon sollte man nicht überzeugt sein.

Trösten kann ich damit niemanden. Aber ich bin froh, dass ich diese Einstellung habe. Ich denke mir auch, wenn man älter ist (ich meine nicht, wenn Kinder, Jugendliche oder junge Menschen einen Unfall haben oder an Krebs sterben oder etwas ähnliches), dann sieht man die Sache irgendwie anders.

Wenn man dann diesen natürlichen Zyklus von jung über mittel bis alt und ganz alt durchlebt, dann sieht man das alles ein bisschen lockerer. Und wenn es Zeit ist zu gehen, dann geht man einfach.

Aber vor dem Tod habe ich keine Angst. Wovor ich Angst habe, das sage ich ganz ehrlich, ist vorm Sterben. Ich hoffe, dass das relativ zügig vonstatten geht (lacht)…

Aber der Tod selber macht mir keine Angst. Und davor sollte man auch keine Angst haben.

Du bist nie allein, wenn Du es zulässt

Und? Trauern Männer anders? Diese Sprachnachricht war für mich nicht der „Beweis“ dafür, dass es so ist. Aber sie war ein mich sehr berührendes Zeugnis dafür, wie sich ein männlicher Mensch mit dem Thema „Abschied, Tod und Trauer“ befasst.

Und seine Vorstellung, dass wir nach unserem Tod in den Kreislauf des Lebens zurückkehren, finde ich persönlich sehr tröstlich.

Mein Freund hat mir noch ein paar sehr wertvolle Gedanken via E-Mail geschickt. Doch das, was er mir hier als Sprachnachricht geschenkt hat, erscheint mir als so wertvoll, dass ich das Gesagte für sich allein stehen lassen möchte.

Schon jetzt möchte ich mich bei meinem Freund bedanken. Er hat mir wirklich wunderschöne und tröstende Gedanken geschenkt. Ich bin sehr froh, dass ich sie in dieser Form mit Dir teilen darf.


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