Schlafen oder Denken – Hochsensibilität und der alltägliche Wahnsinn

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Beitragsbild 12 2020

Wie gehen hochsensible Persönlichkeiten mit dem alltäglichen Wahnsinn um? Die nicht ganz ernst gemeinte Alternative „Schlafen oder Denken“ ist möglicherweise noch nicht die optimale Lösung…

Warum meiden viele derjenigen, die als kritische Stimme zu einem rationaleren Umgang mit den Herausforderungen dieser Zeit beitragen könnten, die Auseinandersetzung und überlassen den Schreihälsen das Feld?

Warum sind gerade viele Hochsensible starr vor Fassungslosigkeit angesichts vieler (politischer) Maßnahmen nicht nur im Zusammenhang mit dem unsere Gegenwart bestimmenden Virus?

Ich hatte mir kurze Zeit nach dem Auftauchen der ersten Nachrichten über Covid19 ganz fest vorgenommen, alles, was mit dem in alle unsere Lebensbereiche drängelnden Virus zusammenhängt, zu meiden. Das funktioniert aber mehr schlecht als recht, und das hat viel mit meinen besonderen Empfindungen und Eigenschaften als hochsensible Persönlichkeit (HSP) zu tun.

 Wesentliche Fähigkeiten von HSP

  • Ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und Gewissenhaftigkeit.
  • Streben nach Perfektion (deswegen sind Sie doch auch hier, oder?) und die Fähigkeit, Fehler zu finden
  • Hinterfragen von so ziemlich allem, was viele Menschen als „So ist es eben“ abhaken.
  • „Meta-Denken“: Wir können Dinge unter ganz verschiedenen Gesichtspunkten und sozusagen „von oben“ betrachten.
  • Analysieren, z.B. beim Prüfen der Plausibilität von Maßnahmen.

Alle diese Eigenschaften führen dazu, dass viele von uns seit 18 Monaten mit dem Kopf schütteln, Maßnahmen hinterfragen und Erklärungen suchen, aber keine finden. Ich bin außerdem noch dauerwütend, weil mein Gerechtigkeitssinn seit Monaten rebelliert.

Ich fühle mich nicht schlecht – ich denke mich schlecht!

Während ich mit Frollein Frieda spazierengehe, denkt es auf einer Nebenspur: „Wie können die nur …?“ Dabei geht es mir immer wieder um Gerechtigkeit: Warum bekam der Konzern X Milliarden an Steuergeldern, während die Solo-Selbständigen ihre Altersvorsorge aufbrauchen mussten? Warum waren während des Lockdowns Möbel- und Gartenmärkte geöffnet, aber Theater, die viel Geld in Sicherheitsmaßnahmen investiert hatten, nicht? Warum werden Ungeimpfte in die Coronaleugner-Schublade gesteckt und von gesellschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen, obwohl inzwischen nachgewiesen wurde, dass eine Impfung nicht zwingend vor Ansteckung und Weiterverbreitung schützt? Warum sollen die Tests ab Oktober nur noch kostenpflichtig durchgeführt werden (auch angesichts der Milliarden, mit denen die Konzerne X, Y und Z unterstützt wurden)? Warum? Warum? Warum?

Ja, ich weiß: Solche Gedanken bringen mich nicht weiter, sind wenig hilfreich und noch viel weniger konstruktiv. Aber sie sind da.

Wie halte ich das Gedankenkarussell an – oder aus?

Sobald ich mich, meine hochsensible Persönlichkeit und mein hocheffizientes Gehirn mit dem Alltäglichen „da draußen“ konfrontiere, laufen wir gemeinsam Amok. Mein Gehirn rast, es analysiert, bewertet, beobachtet und wägt ab. Ich spüre körperlich das durch die Gedankenraserei ausgelöste Unwohlsein.

Mein Gehirn weiß scheinbar nicht, dass ich machtlos bin und nichts anderes tun kann als den Zustand auszuhalten. Also sucht es gefühlt ununterbrochen nach einer Lösung. Das ist anstrengend, und bis heute kann ich dem nur ausweichen, indem ich den Konsum jeglicher Nachrichten (TV, Radio, Zeitung, soziale Medien…) zu diesem Thema unterlasse.

Im übertragenen Sinne sitze ich seit Monaten auf meinem Baum und schaue in den Himmel. Auf meinem Baum fühlt sich das Leben sicher an. Da oben habe ich den Überblick; ich kann Frollein Frieda beim Buddeln zusehen, die Beine baumeln lassen und die frische Luft genießen.

Ein Baum am Flussufer. Die Sonne scheint zwischen den Ästen durch.

Das klappt ganz gut, solange ich da nicht runter muss. Und das muss ich, wenn ich wenigstens ab und zu gegen den von mir so empfundenen Wahnsinn anarbeiten und meine hochsensiblen Zeitgenossinnen mit dem einen oder anderen guten und covidfreien Gedanken unterstützen will.

Nach so einer Tour durch den realen oder virtuellen Alltag bin ich manchmal so erschöpft, dass mich nur noch eine leicht verständliche Serie und eine große Portion Eis entspannen. Oder Laufen.

Im Bett ist es fast genauso schön, denn spätestens, wenn ich die Augen geschlossen habe, bekomme ich nichts mehr mit von außen. Das ist an jedem Abend eine wichtige Seelenhygiene für mich. Und ich wache an jedem Morgen sehr erholt, mit guter Laune und einem großen Gefühl von Dankbarkeit für das Geschenk eines neuen Tages auf.

Schlafen oder Denken – was ist die Lösung?

Wohl kaum. Aber ich glaube, dass es hilfreich ist, weil sich mein Gehirn während der Nacht resetten kann. Weil es die Erfahrungen und auch die Gedanken des Tages verarbeitet und irgendwo ablegt, manchmal in Form eines mehr oder weniger schrägen Traumes.

Ich jedenfalls freue mich jeden Morgen auf den neuen Tag. Und wenn ich mir die Zeit nehme, meine Morgenseiten zu schreiben, darf mein Gehirn gleich kreativ loslegen und muss sich nicht mit irgendeinem Mist befassen, der mir schlechte Laune macht.

Ein Tagebuch, ein Stift, Kaffee und eine Kerze - die Morgenseiten sind eine weitere Alternative zu Schlafen oder Denken.

Das macht mich noch nicht zur Wolkenguckerin. Aber es macht mich zufrieden. Es verschafft mir den Blick für das, was gut ist im Leben. Und schon fühle ich mich nicht mehr machtlos, sondern selbstwirksam. Und sehr oft sogar glücklich.

Wie sieht Deine Lösung für Dich als hochsensible Persönlichkeit aus? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

 

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Sabine Scholze hält einen Laptop im Arm und lächelt.

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