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Achtung: Sage niemals diese 7 Sätze zu einem Menschen in Trauer!

8 Dinge Menschen in Trauer Beitragsfoto

„Dein Mann ist doch hoffentlich nicht an Corona gestorben?“

„Warum? Ist das ein anderes „Tot“?“

Das hat mich tatsächlich jemand gefragt. Bei Twitter. Dem Hort von Philosophie und Feinfühligkeit. 😉 Und ich habe genauso geantwortet.

Das Gute an dieser saublöden Frage: Sie hat mich darüber nachdenken lassen, was wir in unserer Hilflosigkeit angesichts des Todes und der Trauer von uns geben. Und dass die „Stille Anteilnahme“, die wir auf vielen Trauerkarten finden, häufig eine sehr gute Wahl sein kann.

Wenn wir allerdings nicht nur still Anteil nehmen wollen, uns aber über das „Wie“ unsicher sind, dürfen wir zugeben, dass uns die Worte fehlen. Dass wir angesichts des Verlusts unseres Gegenübers nicht wissen, was wir sagen oder tun sollen.

Bevor ich ein paar Sätze aufliste, die Du besser nicht sagst, wenn Du es mit einem Menschen in Trauer zu tun hast, muss ich etwas gestehen: Ich habe die Idee zu diesem Artikel ganz bewusst und ohne den Hauch eines schlechten Gewissens geklaut. Von der Grabrednerin Michaela Burch. Die hat nämlich schon Ende Februar einen sehr lesenswerten Artikel zu diesem Thema geschrieben.

Das ist ein Zug, auf den gar nicht genügend Menschen aufspringen können. Denn das Bewusstsein darüber, wie etwas wirkt, das wir vielleicht „einfach nur“ dahergesagt haben, darf bei uns allen sehr viel größer werden.

Weil ich finde, dass ich nichts mit eigenen Worten wiederholen muss, was jemand anderes schon geschrieben hat, liest Du am besten erst den Artikel von Michaela und dann hier weiter.

Umgekehrt ist aber auch in Ordnung.  

Welche Sätze trauernde Personen nicht hören möchten und welche Sie stattdessen sagen können

Michaela Burch, Grabrednerin

Sage das, wenn Du einen Menschen in Trauer so richtig verletzen willst

1. Bei einem Unfall oder einem anderen Unglück: War sie selbst schuld?

Ganz ehrlich: Ist der Tod weniger schlimm, wenn die Person „selbst schuld“ daran war? Und wie fühlt es sich für die Hinterbliebenen an, wenn das jemand von ihnen wissen will?

Vor vielen Jahren hat mich das jemand gefragt, als ein sehr guter Freund von mir im Alter von 20 Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam. Zu meiner Traurigkeit gesellten sich die Wut auf den Fragenden und Fassungslosigkeit über diese in meinen Augen (Verzeih mir die drastische Formulierung!) saublöde Frage.

Mir hätte übrigens eine wortlose Umarmung besser getan.

Der gleiche Mensch hat mich nach einigen Wochen darauf hingewiesen, dass es jetzt aber auch gut sei mit dem Trauern. Schließlich hätte ich den Verstorbenen doch sooo gut auch wieder nicht gekannt…

Wenn Menschen in Trauer auf Unverständnis stoßen... Sabine Scholze schaut mit aufgestütztem Kinn in die Kamera und hat die Brauen hochgezogen.

2. So gut habt Ihr Euch doch gar nicht gekannt!

Auch der Tod eines Menschen, der nicht zu unserem nächsten Familien- oder Freundeskreis zählt, kann aus den verschiedensten Gründen tiefe Trauer hervorrufen. Vielleicht war es ein sehr junger Mensch und wir hätten ihm und seinen Lieben noch viele glückliche Jahre miteinander gewünscht. Vielleicht erinnert uns dieser Todesfall an unsere eigene Trauer.

Vielleicht sind wir auch „einfach nur“ besonders empathische Persönlichkeiten und können uns in den Schmerz der Hinterbliebenen hineinfühlen.

Niemand sollte erklären müssen, warum sie trauert. Denn Traurigkeit gehört wie die Freude zu unseren „Grundgefühlen“ – und somit zum Leben.

3. Ihr habt Euch doch gar nicht (mehr) so gut verstanden!

Eine weitere Bemerkung, die mich fassungslos gemacht hat. Nein, ein Paar oder Freundinnen verstehen sich nicht immer gut! Sogar in einer harmonischen Beziehung wird gestritten. Vielleicht haben sich auch zwei Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen gefunden. Oder aus der anfänglichen Verliebtheit ist im Lauf der Jahre eine freundschaftlich bis liebevoll miteinander umgehende „WG“ geworden.

So what? Erstens kann ich einen Menschen auch dann lieben, wenn mir sein Verhalten nicht immer erklärbar ist. Zweitens müssen Liebende nicht symbiotisch sein und sich blind verstehen. Drittens war irgendwann einmal Liebe oder Sympathie da. Und um den Menschen, der dieses Gefühl in uns ausgelöst hat, „dürfen“ wir auch trauern.

Und viertens: Wer sind wir, dass wir uns anmaßen könnten zu beurteilen, wie und warum Menschen trauern?

Die Gedanken sind frei – aber hier macht es Sinn, sie nicht für alle hörbar frei herumlaufen zu lassen.

4. Alles im Leben hat einen Sinn – auch der Tod

Stimmt. Denn wenn etwas keinen Sinn hätte, wäre es nicht da.

Aber das wollen Menschen in Trauer nicht hören und es hilft ihnen auch nicht weiter. Gerade in den ersten Trauerphasen stellen wir uns keine Sinn-Fragen. Unser Leben, wie wir es kennen, ist gerade zu Ende gegangen. Das macht keinen Sinn für uns!

Jemand, der uns das sagt, sorgt schlimmstenfalls auch noch dafür, dass wir uns noch schlechter fühlen, weil wir den Verlust doch als zum Leben gehörend empfinden müssen. Denn wenn es einen Sinn gibt, dürften wir doch nicht trauern, oder??? Dann würden wir uns doch gegen das Leben/das Schicksal/Gott/die höhere Macht auflehnen. Und das tut „man“ nicht. Schlechtes Karma, Höllenfeuer und Ähnliches könnten folgen.

5. Hast Du denn gar nichts gemerkt?

Das absolute No-Go bei einem Suizid. Und so selbsterklärend, dass ich mir weitere Erläuterungen dazu spare.

Aber auch bei einem plötzlichen Todesfall kann diese Frage zu verstärktem Grübeln und sogar Schuldgefühlen zusätzlich zu Schock und Trauer führen.

Mein Mann starb plötzlich und unerwartet. Hätte ich etwas merken können oder sogar müssen? War er irgendwie anders an diesem unseren letzten gemeinsamen Abend? Habe ich mich nicht genug um ihn gekümmert, war ich nicht aufmerksam? Gab es ein Zeichen, das ich hätte erkennen müssen?

Alle diese Fragen habe ich mir selbst übrigens nicht gestellt. Denn es hätte ja nichts geändert, wenn ich ihn hätte retten können. Er war tot. Fort, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte. Und nicht nur deshalb fand ich diese Frage nicht hilfreich.

6. Das war doch nur ein Tier!

Ganz davon abgesehen, dass „nur ein Tier“ in meinen Augen schon eine Abwertung für ein fühlendes Mitgeschöpf ist – es ist auch eine Abwertung der Gefühle des Menschen, der um ein geliebtes Tier trauert. Gerade in unserer Gesellschaft mit zunehmender „Versingleung“ und Einsamkeit ist ein Tier immer auch ein Gefährte. Wir teilen Sofa, Autositz und manche auch das Bett mit ihm, wir gehen mit ihm spazieren, streicheln es, suchen manchmal sogar Trost bei unserem Tier. Wir haben es vielleicht aufgezogen und fühlen uns nicht nur deshalb mit ihm verbunden.

Der Verlust unseres tierischen Gefährten schmerzt. Punkt. Du hilfst dem Menschen, der da um sein Tier trauert, am besten mit Anteilnahme. Und die können wir auch verschenken, wenn wir die Bedeutung dieses Verlustes vielleicht nicht nachvollziehen können.

Schmitt Luna 2
Luna (links) und Herr Schmitt: „Nur“ zwei Hunde??? Nicht für mich und meinen Mann!

7. Jetzt musst Du aber wieder nach vorn schauen!

Nö. Muss ich nicht. Wenn ich zurückschauen will, dann tue ich das so lange, wie es sich für mich richtig anfühlt. Und in dieser Phase meiner Trauer, in der ich immer noch versuche, eine neue Form der (Ver-) Bindung zu finden, in der ich mich an der gemeinsamen Vergangenheit festhalte, weil ich die Gegenwart sonst nicht bewältigen geschweige denn irgendeine Zukunft erkennen kann, will und kann ich keine fremden Erwartungen erfüllen.

Auch ganz ohne Trauer: Warum sollte ein Mensch die Blickrichtung wechseln, weil ein anderer glaubt, die richtige zu kennen? Lassen wir doch unser Umfeld dahin schauen, wo es hinsehen will! Und seien wir für den Menschen in Trauer da, wenn er von sich aus um Unterstützung bittet.

Solche RatSCHLÄGE hat mein Liebster übrigens immer: „Aufgedrängte Bereicherung“ oder „Unbestellter Senf auf meiner Wurst“ genannt. 😉

8. Dem Menschen in Trauer ausweichen

Das tut richtig weh. Denn es macht nicht nur einsam, sondern hinterlässt auch ein Gefühl von Aussätzigkeit und Unerwünscht-Sein. Nicht schön. Gar nicht schön… Darüber habe ich aber schon einen Artikel geschrieben, deshalb nenne ich es nur der Vollständigkeit halber.

Aber was soll ich denn sagen?

Wie wäre es für den Anfang mit gar nichts? Denn wenn das zusammen mit einer ausgestreckten Hand, einer Umarmung oder ein paar gemeinsam geweinten Tränen daherkommt, merken wir, dass jemand mitfühlt. Einfach nur bei uns ist. Uns das Gefühl vermittelt, jetzt nichts tun zu müssen.

Diese Reaktionen von Menschen aus meinem Umfeld haben mich berührt und mir gut getan:

  • Die Nachbarin, die auf mich zuging und sagte: „Boah, ich hatte eigentlich den Impuls, wegzurennen. Ich weiß einfach nicht was ich sagen soll. Es tut mir so schrecklich leid. Aber dann habe ich gedacht, dass ich dir jetzt sage, dass ich nicht weiß, was ich sagen soll.“
  • Und der alte Herr in der Straße, der mir ein trauriges Lächeln schenkte und nur sagte: „Ach Scheiße…“ Und der zwei Wochen später zur Trauerfeier kam, obwohl er größere Ansammlungen von Menschen wirklich zutiefst hasste.
  • Auch die Mail einer guten Freundin, die vor einigen Jahren ebenfalls ihren Mann verloren hatte, hat mir sehr geholfen. Sie schrieb sinngemäß, dass ihre Trauer immer noch da, aber im Laufe der Jahre milder geworden wäre. Und dass sie inzwischen auch wieder dankbar sein könne sowohl für die gemeinsam verbrachte Zeit als auch für das Leben, das sie jetzt führe.

Sie schrieb nicht: „Das wird irgendwann besser. Du musst dankbar sein für die Zeit, die ihr zusammen hattet und wieder nach vorn schauen.“

Michaela Burch, die Grabrednerin, hat übrigens noch viel mehr gute und hilfreiche Vorschläge als ich sie hier aufzähle. Deshalb verweise ich noch einmal auf ihren Artikel.


Du bist selbst ein Mensch in Trauer oder eine Angehörige/Freundin, die helfen will? Du möchtest Dich einfach über dieses Thema mit anderen Menschen austauschen? Vielleicht sogar ganz Fremden ein paar freundliche Worte sagen oder schreiben?

Dann bist Du herzlich willkommen in meiner Facebook-Gruppe „Trauer darf sein!“ und ich freue mich darauf, Dich kennenzulernen!


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3 Gedanken zu „Achtung: Sage niemals diese 7 Sätze zu einem Menschen in Trauer!“

  1. Avatar of Gisela

    Liebe Sabine,
    ich habe deinen Artikel gerne gelesen. Er macht nachdenklich, denn manchmal rumpelt man unbeabsichtigt in einen sprachlichen Ausrutscher, weil man selbst nicht weiß wohin mit der eigenen Hilflosigkeit. Danke für diese guten Gedanken.
    Herzlichst, Gisela

    1. Avatar of Sabine Scholze

      Liebe Gisela, Dankeschön! Ich bin mir sicher, dass niemand absichtlich verletzen will. Und ich freue mich, wenn (nicht nur) dieser Artikel dazu beiträgt, sich im Umgang mit einem Menschen in Trauer sicherer zu fühlen.
      Liebe Grüße, Sabine

  2. Pingback: 14 Anlässe für Trauer, die nicht nur mit dem Tod zu tun haben – Sabine Scholze - Trauerbegleitung

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