Von Müdigkeit war in den 4 Trauerphasen keine Rede!

Eine kleine Grabkerze zwischen grünen Pflanzen - auch das Schmücken einer Grabstätte gehört zu den Trauerphasen.

Mir ist meine Abgeklärtheit abhanden gekommen und durch eine sehr große Müdigkeit ersetzt worden. Noch vor vier Wochen war ich so sortiert, klar, konnte mir sogar eine Spur Rationalität abringen. „Ja, es ist jetzt so. Mein Mann ist tot. Er ist sicher an einem besseren Ort. Er ist immer noch um mich herum. Ich werde trauern, und dann werde ich weitermachen, irgendwie.“ Blablabla. Solche und ähnliche Gedanken gingen mir durch den Kopf.

Das kommt mir heute so vor wie Singen im dunklen Keller. Zuversicht, Glauben an die Zukunft und einen Sinn, der über „42“ hinausgeht, sind mir im Moment nicht zugänglich.

Vielleicht läuft das gerade unter der Überschrift „aufbrechende chaotische Emotionen“, und ich befinde mich in Phase 2 der 4 Trauerphasen nach Verena Kast.

Ich funktioniere immer noch einigermaßen. Aber es könnte knapp werden mit dem „Sprit“. Wäre ich ein E-Auto, dürfte ich mich nicht allzu weit vom nächsten Ladegerät entfernen.

Es gibt kreative Phasen, sehr viele sogar. Bin mir allerdings nicht sicher, ob das eine Kreativität ist, die von innen herauskommt, oder ob ich sie mir möglicherweise als therapeutische Maßnahme gegen das Gefühl von Sinnlosigkeit verordnet habe.

Denn am liebsten würde ich schlafen. Und noch mehr schlafen. Gar nicht mehr aufhören mit Schlafen. Käme jetzt die gute Fee um die Ecke, wäre genau das mein Wunsch: Lass mich einschlafen und in ein paar Wochen oder Monaten wieder aufwachen. An einem neuen Ort mit anderen Menschen um mich herum und einer frischgebastelten Zukunft.

Ein Porträtbild von Sabine Scholze in Blau und Gelb - die Müdigkeit ist mir nicht anzusehen.

Danke an Sabine Prilop für die so schöne und passende Bearbeitung meines Fotos!


 

Ich bin einfach unendlich müde. Es fällt mir einerseits schwer, mich „zusammen zu reißen“ (stell Dir das einmal bildlich vor – ist bestimmt kein schöner Anblick…), andererseits will ich niemandem mit Gejammer auf die Nerven gehen. Vor allem aber will und kann ich all diese Gefühle im Moment überhaupt nicht teilen.

Da ist keine Idee, wie eine Zukunft aussehen könnte, und eventuell vorhandene Ziele haben sich vor meinem Zugriff verborgen.

Ist wahrscheinlich nur eine von egal wievielen Phasen der Trauer. Meine Mutter hätte jetzt einen kleinen Seufzer getan und gesagt: „Hach, Kind, das geht auch vorbei!“ Und sie hätte Recht gehabt.

 

4 Gedanken zu „Von Müdigkeit war in den 4 Trauerphasen keine Rede!“

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