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Die eigene Trauerrede – 4 wichtige Gründe, die dafür sprechen

Eigene Trauerrede Beitragsbild

Warum sollte ich mich mit meiner eigenen Trauerrede befassen? Da muss ich mich ja schon zu Lebzeiten mit meinem Abschied von dieser Welt auseinandersetzen! Mit meiner eigenen Endlichkeit! Das geht nicht! Das will ich nicht! Bloß nicht! 

Warum eine eigene Trauerrede schreiben (lassen)?

Solche oder ähnliche Gedanken tauchen bei vielen Menschen auf, wenn es um das Thema „Trauer“ geht. Wir setzen uns ungern damit auseinander. Und jetzt schon über eine Trauerrede für den eigenen Abschied von dieser Welt nachzudenken, fühlt sich noch schwieriger an.

Dabei ist es auch erst einmal gleichgültig, ob sie selbst geschrieben oder von einer professionellen Trauerrednerin verfasst werden soll.

Vielleicht war ich diesbezüglich ein „Frühchen“. 😉 Denn ich habe meine erste Trauerrede bereits in jungen Jahren geschrieben. Der Auslöser war die Beisetzung eines mir sehr nahen Onkels, bei der ein Pastor die Trauerrede hielt, der diesen nicht gekannt hatte. Ich war entsetzt und erbost. Niemand hatte ein allgemeines Blabla verdient, das auf tausend weitere Verstorbene passen würde! So wütend war ich, dass ich wortlos und ohne Händedruck an diesem Pastor vorbei aus der Kapelle gestürzt bin.

Das sollte mir nicht passieren! Gleich zuhause setzte ich mich an den Schreibtisch und verfasste meine erste Trauerrede.

Ein seitliches Portrait von Sabine Scholze mit nach oben gerichtetem Blick. So könnte sie schauen, während sie über ihre Trauerrede nachdenkt.
Wenn ich über etwas nachdenke, schaue ich gern nach oben. Wahrscheinlich ging mein Blick auch gen Himmel, als ich meine erste Trauerrede geschrieben habe.

Dies sind gute Argumente für das Schreiben der eigenen Trauerrede:

1. Den Abschied selbst gestalten

Der Wunsch nach einer schönen Trauerfeier, die zu unserer Persönlichkeit passt, ist ein wichtiger Grund. Dazu gehört für die meisten Menschen eine wirklich individuelle und passende Trauerrede. So hast Du zu Deinen Lebzeiten die Sicherheit, dass in Deinem Sinn über Dich gesprochen wird, wenn Du diese Welt verlassen hast.

Es gibt inzwischen viele, die von der Art der Beisetzung über die Trauerkarten bis zur Musik, die bei ihrer Trauerfeier gespielt werden soll, genaue Wünsche oder sogar Anweisungen hinterlassen. Einige tun das im Gespräch mit ihren Angehörigen, andere in Schriftform.

Wir leben in einer Zeit, in der Traditionen und Religion nicht mehr die Bedeutung haben wie früher. Wenn vor 50 Jahren jemand gestorben ist, war der Ablauf vorgezeichnet: Bestattungsinstitut, Sarg auswählen, Todesanzeige in die Zeitung und Karten versenden, kirchliche Trauerfeier, Beisetzung, Trauerjahr in Schwarz.

Das ist heute nicht mehr so. Viele Menschen hängen gar keiner oder keiner der großen Religionen an. Die familiären Bindungen sind oft nicht mehr so wie früher. Es gibt inzwischen sehr viele Formen der Beisetzung und also auch der Trauerfeier. Dies sind nur ein paar der vielen Veränderungen im Umgang mit dem Tod in unserem Kulturkreis.

Umso verständlicher ist es, wenn wir die Form unseres Abschieds selbst oder wenigstens mitbestimmen wollen.

2. Die Hinterbliebenen entlasten

Du nimmst Deinen Angehörigen eine große Last von den Schultern. Je mehr Du selbst im Vorfeld bestimmst, desto geringer werden ihre Zweifel sein, ob auch alles in Deinem Sinne gestaltet ist. Wenn wir einen lieben Menschen verlieren, haben wir allein durch diesen Verlust schon sehr viel auszuhalten. Mit der Sicherheit, dass wir alles richtig machen, bleibt mehr Raum für die Gedanken an unsere Liebsten.

Gleichzeitig kannst Du selbst sicher sein, dass Dein Abschied so gestaltet wird, wie es für Dich wichtig und stimmig ist. 

Und fühlt es sich nicht schön an, schon heute und in Ruhe an all diejenigen zu denken, denen Du eine Botschaft, tröstende Worte oder ein Dankeschön hinterlassen möchtest? Für mich vertieft sich die Verbindung zu den mir nahestehenden Menschen jedes Mal, wenn ich an meiner Trauerrede arbeite.

Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du mit Deiner eigenen Trauerrede und Deinen eigenen Worten noch einmal in den Herzen Deiner Lieben lebendig wirst, hoch. Ist das nicht ein schöner Gedanke, der viele Ängste nimmt?

3. Rückblick und Versöhnung mit der Vergangenheit

Einmal im Jahr überprüfe ich meine Trauerrede auf Aktualität. Steht immer noch alles drin, was mir wichtig ist? Hat sich etwas geändert? Sind Menschen, die bisher Erwähnung fanden, inzwischen nicht mehr an meiner Seite? Gibt es neue Erfahrungen, die ich gern in meine Rede einfließen lassen möchte?

Diese regelmäßige Rückschau führt dazu, dass ich mit vielem abschließen kann, was sich in der Vergangenheit ereignet hat. Ich kann mich ein weiteres Mal über ein schönes Erlebnis freuen, mich mit eventuell vorhandenem altem Groll auseinandersetzen oder Dinge mit etwas (zeitlichem) Abstand verzeihen. Weggefährtinnen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr bei mir sind, kann ich würdigen und ihnen ein paar freundliche Gedanken schicken.

Diese Tätigkeit ist für mich ein bisschen wie das Schreiben eines Tagebuches, aber aus einer so genannten Meta-Position heraus, also mit Abstand zum Geschehenen.

4. Die Trauerrede als Leitbild für das eigene Leben

Später kam der Gedanke hinzu, dass es mir wichtig ist, wie ich den Menschen in Erinnerung bleibe. Je mehr ich beim Verfassen meiner eigenen Trauerrede ins Detail gegangen bin, desto größer wurde mein Wunsch, dem zu entsprechen, woran sich meine Lieben erinnern sollen.


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