Lieber gar nichts machen, wenn wir es nicht perfekt machen können?

Sabine Scholze sitzt mit besorgtem Gesichtsausdruck vor einem Laptop und hat den Kopf auf die Hände gestützt. Sie denkt über Ziele und Druck nach.

„Lieber gar nicht regieren als schlecht regieren.“

Das waren die Worte von Christian Lindner 2017, als er die Koaltitionsverhandlungen mit den Grünen und der CDU abbrach.

„Lieber gar nicht als schlecht?“ – ein klassischer Mindfuck!

Ups!

Was für ein unanständiges Wort!

Allerdings glaube ich nicht, dass Herr Lindner ein Problem mit Mindfucks hat; seine Aussage von vor vier Jahren halte ich für geplant und bestens kalkuliert. Wahrscheinlich hat er eher versucht, die Erwartungen und Glaubenssätze seiner Wählerinnen zu bedienen.

Aber der Herr Lindner muss uns jetzt nicht weiter begleiten. Lassen wir ihn mit unseren besten Wünschen ziehen und kümmern uns um das heutige Thema:

Was ist ein Mindfuck, und warum fällt mir gerade keiner ein?

Es geht um Mindfucks. Bevor sie in den Coachingbereich Einzug hielten, waren sie als überraschende Wendung in Filmen bekannt; beginnend in den frühen 2000er Jahren.

Es gibt ganz unterschiedliche Mindfucks: Ich kann mir schreckliche Katastrophen ausmalen, kann mich selbst ungespitzt in den Boden rammen, mir Druck machen, meinem Misstrauen gegen alles und jede Ausdruck geben… Der Phantasie und dem Mindfuck-Szenario sind keine Grenzen gesetzt, wie es scheint. Denn sie finden an einem Ort statt, der keine Grenzen kennt: in unserem Gehirn.

Mindfucks sind also vor allem limitierende Glaubenssätze.

Und genau darüber wollte ich Anfang dieser Woche im Rahmen einer Aufgabe der Content Society schreiben. Meine Bloggerinnen-Gäng produzierte in kürzester Zeit unglaublich viele Ideen zu diesem Thema, jede für ihr Tätikgkeitsgebiet.

In meinem Kopf: himmlische Ruhe.

Mir sind einfach keine ordentlichen Mindfucks eingefallen. Obwohl ich sehr, sehr lange darüber nachgedacht habe, welche vor allem in meinen verschiedenen Wissens- und Erforschungsgebieten häufig vorkommen. Erfolglos.

Also habe ich erst einmal etwas anderes gemacht.

Und genau das ist der Punkt. Warum dachte es in mir, dass ich sofort einen perfekten Artikel „raushauen“ müsse?

Lieber gar nichts machen als zu wenig machen?

Ein Beispiel: Gerade eben stand ich vor der Entscheidung, ob ich das Frollein Frieda vor meinem nächsten Termin noch lüfte oder es bleiben lasse. Ich hörte mich denken: „Ach, für eine Viertelstunde brauchst du jetzt wirklich nicht mehr loszugehen. Dann geh doch lieber gar nicht und mach eine ordentliche Gassirunde am Abend!“

In diesem Moment blitzte ein Gedanke in meinem Gehirn auf: „Da isser, mein Mindfuck!“

Ein Finger zeigt auf ein Gehirn - Synonym für den Mindfuck: Lieber gar nicht machen als schlecht machen.

Und nicht nur meiner… Ich könnte mir vorstellen, dass Du auch schon das eine oder andere Mal gedacht hast: „Wenn ich es nicht richtig mache, lasse ich es lieber ganz.“ Wobei „richtig“ bei uns perfektionisch veranlagten Multitalenten gern mit 120% gleichgesetzt wird. Oder als Bild: Wir versuchen, ohne vorherige Akklimatisierung auf einen 5.000er zu klettern. Weil wir diesen Berg aber nicht in Nullkommanix bezwingen können, fangen wir gar nicht erst an.

Noch ein Beispiel: Ich trainiere mit einer Fitness-App. Und ertappe mich immer wieder dabei, dass ich das Training ausfallen lasse, weil ich mir gerade keine 30-40 Minuten nehmen kann oder will. Dabei könnte ich der App sagen, dass ich wenig Zeit habe, und – schwupps! – bastelt sie mir ein Programm in der von mir gewünschten Dauer.

Das habe ich kürzlich so gemacht und statt der geplanten 35 nur 15 Minuten trainiert. Boah, was habe ich mich gut gefühlt danach! Ich hatte überhaupt etwas getan! Und die Trainerin in der App hat mich auch gelobt. 😉

Lieber klein anfangen als gar nichts machen!

Denn wenn ich gar nichts mache statt das zu versuchen, was mir gerade möglich ist, nehme ich mir sehr viele Möglichkeiten weg. Und bin unzufrieden, weil ich gar nichts mache.

Wer definiert denn, was „richtig“ ist? Genau: Wir selbst.

Vielleicht dürfen wir uns an dieser Stelle einmal liebevoll fragen, warum wir immer wieder die Hürden für unser Tun so hoch legen, dass wir vor lauter Angst, es nicht richtig machen zu können, gar nicht erst anfangen.

Ich könnte mir ebenso gut sagen: „Ja, ich möchte eines Tages gern bei 150% sein. Jetzt schaffe ich das aber noch nicht. Also fange ich erst einmal mit 20% an und finde heraus, wie es mir damit geht.“

Wer sich schon einmal mit Zielearbeit auseinandergesetzt hat weiß, wie wichtig es ist, sofort etwas für das Ziel zu tun – und wenn es in unseren Augen ein Pillepallepippifax ist. Wir haben angefangen. Das ist wichtig.

Wenn ich Sport treiben will und gerade wenig Zeit habe, kann ich eine halbe Minute meinen Bauch anspannen. Oder ein paar Kniebeugen machen. Vielleicht sogar beides nacheinander. Wenn ich nicht jeden Tag eine Stunde Zeit für mein Lieblingsprojekt habe, nehme ich mir 10 Minuten. Statt eine Groß-Entrümpelung zu planen, kann ich jeden Tag eine Sache wegwerfen.

Stephen King wurde einmal gefragt, wie er es geschafft hat, so viele Bücher zu schreiben. Der Überlieferung nach hat er geantwortet: „Ich schreibe ein Wort nach dem anderen.“


Übrigens habe ich mit Frollein Frieda eine klitzekleine Park-Schnupperrunde gemacht und konnte mich unglaublich gut auf sie und ihre Bedürfnisse einlassen. Ich hatte ja Zeit. 🙂

Mindfuck2

 

 

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Ein Gedanke zu „Lieber gar nichts machen, wenn wir es nicht perfekt machen können?“

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