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Die Geschichte vom König, der 1000 Lichtjahre tief fallen musste, um sein Glück auf einem Baumarktstuhl zu finden

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Diese Geschichte erzählt von einem alten König, der ganz allein auf einem sehr großen Stern lebte. Vor langer, langer Zeit, als er noch sehr jung war, hatte einmal ein böser Zauberer mit schlechter Laune einen Fluch ausgesprochen: Der Prinz sollte sein ganzes Leben allein verbringen müssen, niemand sollte bei ihm sein, dem er sich anvertrauen könnte, und niemand, der ihm zuhören würde. Die Dienerschaft und alle Untertanen hatte der Zauberer auch gleich verschwinden lassen und so gab es nichts zu tun, weil niemand regiert werden musste.

So wuchs der junge Prinz heran, lief auf seinem Stern herum und sehnte sich nach einem anderen Lebewesen. Er hätte mit einem Tier oder sogar einer Rose vorlieb genommen, doch alles war kahl und leer.

Der Zauber hatte den Stern – und mit ihm den Prinzen – für andere unsichtbar gemacht. Obwohl im großen weiten Univerum viele andere Wesen auf die Reise gingen, um nach neuem, fremden Leben zu suchen, den Prinzen und seinen Stern sah niemand.

So wurde mit den Jahren aus dem jungen Prinzen ein alter, einsamer König, der genauso schlecht gelaunt war wie der Zauberer, der ihm dies angetan hatte.

Eines Tages saß er wieder untätig auf seinem Thron, blickte in die unendliche Weite des Universums und fragte sich, ob es auf einem der anderen Sterne Leben gäbe. Inzwischen war er nicht mehr nur einsam und traurig, sondern auch zutiefst verbittert. Er hasste das ganze Universum und wäre am liebsten von einer der von Zeit zu Zeit herumfliegenden Sternschnuppen erschlagen worden. Seine Trauer um etwas, was er nicht kannte, aber gern kennengelernt hätte, war riesengroß und machte sein Herz schwer.

Außerdem war ihm schrecklich langweilig. Ohne nachzudenken, schaukelte der König mit seinem Thron hin und her, und mit jedem Gedanken an das, was hätte sein können, wurde er wütender und schaukelte schneller und stärker. Er wollte nicht mehr tatenlos auf seinem Thron herumsitzen, er wollte sein Elend beenden, von seinem traurigen Dasein und dem einsamen Planeten Abschied nehmen!

Mit einem Mal fiel sein Thron hintenüber. Der König klammerte sich an die Lehnen, doch er konnte nicht verhindern, dass er über den Rand seines Sterns fiel. Es gab ja in seiner Welt keine Forscherin, die herausgefunden hätte, dass sein Stern eine Kugel war. Und da die Welt immer so ist, wie wir glauben, dass sie sein könnte, war der Stern des Prinzen eine Scheibe. Er stürzte, trudelte und taumelte in der Schwerelosigkeit. Aber er hielt sich weiter mit aller Kraft an seinem Thron fest. Schließlich war das alles, was er noch hatte.

Nach vielen Stunden des Herumtaumelns, Schwebens und Fliegens setzte der Thron auf. Der König fand sich am Ufer eines Flusses wieder. (Natürlich wusste er nicht, dass er an einem Fluss war, weil er kein Wasser kannte.) Und in dem Moment, in dem sein Thron auf dem Boden aufsetzte, verwandelte dieser sich in einen billigen Baumarktstuhl aus Plastik, der König verlor sein Zepter und seine Krone und saß nur in seinen fadenscheinigen Mantel gewandet da.

Er spielt in der Geschichte vom König eine große Rolle: Ein Plastikstuhl am Fluss.
So könnte der Stuhl in unserer Geschichte ausgesehen haben.

Der König war entsetzt. Natürlich hatte er seinen Stern nicht mehr gemocht, hatte sich einsam gefühlt und die Welt entdecken wollen, aber er konnte doch nicht damit rechnen, dass er das Bisschen verlieren würde, was ihm geblieben war! Immerhin war er ein König; doch ohne sein Zepter und den Thron würde ihn niemand als solchen erkennen können.

Während er noch mit seinem Schicksal haderte, hörte er tiefe, keuchende Atemzüge. Er drehte sich um und konnte gerade noch ein Wesen sehen, das hinter ihm vorbeiging. Er rief und stellte erstaunt fest, dass er das in einer ihm völlig fremden Sprache tat.

Das Wesen blieb stehen, runzelte die Stirn und fragte: „Ist alles in Ordnung bei Ihnen?“

„Nein!“, sagte der König und wunderte sich noch immer. „Ich bin von meinem Stern hinuntergefallen, und jetzt weiß ich nicht, wo ich mich befinde.“

„Aha, von Ihrem Stern gefallen… Das passiert mir morgens auch manchmal, wenn ich am Abend vorher zuviel getrunken habe. Nur dass mein Stern ‚Bett‘ heißt. Was gab es denn gestern bei Ihnen?“

„Trinken? Was ist das?“ fragte der König. Das Wesen trat näher. Jetzt konnte er erkennen, dass es etwa in seinem Alter war: Es hatte viele kleine Falten um die Augen und ein paar Runzeln im Gesicht.

Und obwohl er so viele lange Jahre allein gewesen war, sagte ihm eine innere Stimme, dass er gerade sein Gegenstück getroffen hatte – dieses Wesen musste einfach seine Königin sein! Sie schaute ihn immer noch mit diesem Stirnrunzeln an. Trotzdem fand er sie wunderschön.

„Was tun Sie hier?“ fragte er.

„Spazierengehen.“

„Was sind Sie?“

„Wollen Sie mich verscheissern?“

„Was ist das?“

„Wo kommen Sie denn her?“

„Das habe ich doch gerade gesagt, ich bin von meinem Stern hinuntergefallen!“

„Nehmen wir mal an, dass ich Ihnen glaube. Dann erzählen Sie doch mal: Wie kommen Sie hierher? Und wer sind Sie?“ fragte das Wesen.

„Ich bin ein einsamer König und freue mich sehr, Ihre Bekanntschaft zu machen.“ sagte er.

Das Wesen trat auf ihn zu, und als sie ganz nahe bei ihm war, konnte er erkennen, dass ihre Augen vor Tränen glänzten. Er fragte, warum, und sie antwortete: „Sie sind nicht der Einzige, der einsam ist. Auch ich fühle mich manchmal, als wäre ich ganz allein auf diesem Planeten. Und ich bin sehr, sehr einsam und traurig.“

Da überkam den König ein Gefühl, das wir Menschen „Liebe“ nennen. Er breitete seine Arme aus: „Nimm mich mit dir! Wir können zusammen sein statt einsam zu bleiben. Und es ist mir ganz egal, wer oder was du bist, wenn du mich nur auch lieben willst!“

Sie antwortete „In meiner Welt bin ich nur eine alte Frau und auf gar keinen Fall eine Königin. Aber vielleicht können wir trotzdem glücklich miteinander werden.“

Sie reichte ihm ihre Hand, die er mit einem freudigen Lächeln ergriff, und nahm ihn mit in ihr Zuhause. Dort lebten sie glücklich und zufrieden und lernten im Laufe der Zeit, dass sie einander trotz der Unterschiede verstanden. Sie hatten sich im Anderen erkannt. Vielleicht leben sie noch immer miteinander, vielleicht sind sie gestorben, Arm in Arm.

Zurück blieb ein weißer Plastikstuhl an einem Fluss. Wer ihn sieht, kann sich vielleicht vorstellen, dass er einst ein Thron gewesen ist.

Und träumt bei seinem Anblick von einer Liebe, die die Entfernung zwischen zwei fremden Sternen überwinden konnte.

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4 Gedanken zu „Die Geschichte vom König, der 1000 Lichtjahre tief fallen musste, um sein Glück auf einem Baumarktstuhl zu finden“

  1. Benutzerbild von Nicole Borho

    Liebe Sabine,
    das ist so eine schöne Geschichte, die zeigt, was Liebe bewirken kann – sie ist heilsam, macht zweisam, überwindet Einsamkeit und ist die Brücke zwischen Ich und Du. Danke dafür. Liebe Grüße Nicole

  2. Benutzerbild von Veronika

    „Sie hatten sich im anderen erkannt.“ Hach wie schön. Haben wir diese Chance nicht bei jeder Begegnung? Einen Teil von uns im Gegenüber zu erkennen? Ein sehr tröstlicher Gedanke.

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