5 Fragen zum Abschied nehmen: Interview mit Hilkea Knies

Hilkea von Fredy 6.6.21

Hilkea Knies ist die dritte Bloggerin, der ich Fragen zum Abschied nehmen stelle. Der Wunsch, ein Interview mit ihr zu führen, ist weniger entstanden, weil ich sie als eine Expertin in Trauer“arbeit“ wahrnehme, sondern weil wir „irgendwie Zwillinge“ sind. Wenn Hilkea etwas schreibt, drückt sie damit sehr häufig aus, was es so oder ähnlich gerade auch in mir denkt. Und überhaupt finde ich sie unglaublich spannend, vielseitig und freue mich schon jetzt auf unsere erste Begegnung „in echt“ oder auch nur via Zoom.

Für das schöne Portraitfoto zeichnet Fredy Haas verantwortlich.

Hilkea Knies, unbeschreiblich vielseitige Stimm-Expertin

Hilkea Knies vorzustellen ist gar nicht so leicht, denn sie ist wie ich eine dieser vielbegabten und multitaskingfähigen Frauen, die mit einem einzigen Projekt gnadenlos unterfordert sind. Gefunden haben wir uns in der von uns so bezeichneten und schon häufiger zitierten „Bloggerinnen-Gäng„, die wir Judith Sympatexterin Peters verdanken.

Hilkea ist Sängerin und Gesangspädagogin, leitet gemeinsam mit einer Kollegin das Institut Voice Experience, Autorin, Bloggerin, rezensiert Bücher, tanzt begeistert Salsa, hat wie ich einen Rechenfimmel 😉 und hängt ebenso wie ich dem schönen Ausspruch an, der irrtümlich Johann Wolfgang von Goethe zugeschrieben wird: „Ich schreibe dir heute einen langen Brief. Für einen kurzen habe ich keine Zeit.“

Hilkeas Beiträge zu lesen ist mir jedes Mal ein großes Vergnügen. Ihre Antworten auf meine Fragen fand ich ebenfalls sehr spannend. Hier sind sie:

Hilkea Knies steht in einem alten Gemäuer und lächelt. Ein guter Ort, um Fragen zum Abschied nehmen zu stellen...
Genau so habe ich Hilkea oft vor meinem inneren Auge: Power, Präsenz, Ausstrahlung und Zugewandt-Sein. Diese schöne Aufnahme ist ein Privatfoto von Benjamin Knies.

1. Was bedeutet Tod für Dich?

Tod ist das Ende. Das Ende vom Leben, so wie ich es kenne. Und er ist etwas, mit dem ich, mit dem sich unsere Gesellschaft viel zu wenig beschäftigt. Immer wenn ich mich mal damit beschäftige, kehrt Ruhe und Frieden ein. Ich mag übrigens Beerdigungen. Tod hat irgendwie immer sehr viel mit Liebe und Vergeben für mich zu tun. Keine Ahnung, warum genau.

Und nun noch etwas leicht sarkastisches: ich liebe den Film Harold and Maude.

2. Fühlst Du/hast Du Kontakt zu Deinen Liebsten, die bereits gegangen sind? Wenn ja: Wie nimmst Du sie wahr?

Glücklicherweise sind meine Liebsten alle noch nicht gegangen. Die Eltern leben noch, Freunde, Geschwister, alle sind noch da. Und manchmal gruselt es mich etwas, daran zu denken, dass ich irgendwann keine Eltern mehr haben werde. Die einzige Verwandte, die schon sehr lange tot ist, ist die Schwester meines Vaters, Tante Hilke. Sie starb im Alter von 5 Jahren an Diphtherie.

Zu ihr habe ich seit mehr als 20 Jahren immer wieder geistigen Kontakt. Das bedeutet, ich denke an sie. Ich habe im Rahmen einer Familienaufstellung mit ihr sprechen können. Der Kontakt mit ihr kam sehr überraschend für mich. Ich wusste, dass ich nach ihr benannt war, dass das A in meinem Vornamen von meiner Ur-Großmutter stammt und vor allem des besseren Klanges wegen da ist. Denn eigentlich bin ich die Erinnerung an Hilke.

Und das hat mir anscheinend Probleme gemacht, immer wieder. Irgendetwas in mir dachte, ich dürfe nicht leben, ich müsse eigentlich schon tot sein. All das durfte sich im Gespräch mit ihr und danach in meinem Leben auflösen. Ich spüre immer mal wieder sehr persönliche Dankbarkeit ihr gegenüber. Die ist so real, als hätten wir persönlich beim Kaffee miteinander gesprochen.

3. Wie gehst Du mit dem Gedanken an Deine eigene Endlichkeit um?

Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal erschreckt es mich. Ich glaube, ich habe mehr Angst vor dem Sterbeprozess als vor dem Tod. Denn ich habe keine Ahnung, wie der Tod ist oder sein kann. Aber ich mag Krankheit, Siechtum und Schmerzen gar nicht. Wenn ich meinem Vater zusehe, wie die körperlichen Funktionen mehr und mehr abnehmen, das Gedächtnis einen immer weiter im Stich lässt, dann mag ich nicht sterben. Ich mag einfach gern umfallen und tot sein.

Aber bitte noch nicht jetzt. Denn manchmal bin ich einfach traurig und wütend, dass ich nicht mehr alles noch lernen kann, was so spannend in dieser Welt ist. Es gibt noch so Vieles und mit jedem Jahr, das ich älter werde, wird mir klar, dass es so viel geben wird, was ich zum Ende meines Lebens nicht getan und gelernt haben werde. Und das stimmt mich manchmal sehr melancholisch.

4. Wenn Du eines Tages gehst: Möchtest Du der Welt etwas hinterlassen? Wenn ja: Wie möchtest Du gern in Erinnerung bleiben?

Ich hoffe, dass ich der Welt mindestens ein geschriebenes Buch hinterlasse. Da bin ich dran und ich finde es ein tolles Thema. Es ist ein Sachbuch mit Vision, wie mein Coach Monika immer so schön sagt. Es handelt von der Stimme und dem Nervensystem. Es enthält wissenschaftliche Teile und sehr persönliche Teile, auf die ich alles mögliche der wissenschaftlichen Teile übertrage.

Und da bin ich schon bei der Erinnerung. Mir liegt so viel an menschlichem Kontakt, an Verständnis und Mitgefühl. Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen mich auf Grund meiner Tiefe und meines Mitgefühls sehr schätzen und ich möchte, dass das von mir übrig bleibt in der Erinnerung. Mein großes Herz, meine Klarheit, ein bisschen von meiner Wut und der Umgang mit ihr. Halt WIE ich gelebt habe, nicht so sehr, was ich alles erreicht haben werde.

5. Was glaubst Du, wohin Du gehen wirst?

Sabine, ich habe keine Ahnung. Manchmal glaube ich an ein Leben nach dem Tod, aber nicht so real. Irgendwie in einer geistigen Welt. Und dann denke ich wieder, nein, da gibt es nichts. Das hätte man schon längst entdeckt und erforscht. Wenn ich dann in der Meditation sitze für eine Woche am Benediktushof, dann denke ich, die Seele, das Bewusstsein sterben nicht. Aber das ist unerklärbar für die Worte.

Liebe Hilkea, Du bist mein Denk- und Schreibzwilling!

Bei den Antworten, die Hilkea mir geschrieben hat, musste ich an vielen Stellen nicken. Und habe während des Lesens beschlossen, meine Interviewfragen auch selbst zu beantworten.

Beim Salsatanzen bin ich allerdings raus. Ich hab’s nicht so mit Hüftschwung; ich boxe lieber. 😉

Wenn ich mir bei der Unendlichkeit etwas wünschen darf, dann wünsche ich mir, dass wir alle, die wir so viel teilen und gemeinsam haben, uns dort wiedertreffen dürfen. Und als vielbegabte Geistwesen da weitermachen können, wo wir mit dem Verlassen unseres Körpers aufgehört haben – aber dann mit noch mehr Möglichkeiten und grenzenlosem Austausch. Hach…

… und trotzdem leben!

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Auch wenn Du es Dir im Moment noch nicht vorstellen kannst – es wird gute Zeiten geben.

Bis dahin bin ich gern an Deiner Seite.

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Sabine Scholze hält einen Laptop im Arm und lächelt.

Ein Gedanke zu „5 Fragen zum Abschied nehmen: Interview mit Hilkea Knies“

  1. Pingback: Tod und Abschied - 5 Fragen an Veronika Stix – Sabine Scholze, Trauergefährtin

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