Erinnerungen, Traurigkeit und Tröstekissen

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Angekommen

Ich bin heute aus dem Aktivitätsmodus heraus- und in meine Erinnerungen hineingefallen, nachdem ich jetzt fast eine Woche mit Umziehen beschäftigt war. Der Umzug ist tatsächlich fast abgeschlossen: Alle Kisten sind ausgepackt, die Bilder aufgehängt, der kleine Lieferwagen, den ich mir für eine Woche von Freunden ausgeliehen hatte, zurückgebracht.

Gestern habe ich noch meinen kleinen Altar aufgestellt, der mich jetzt schon seit vielen Jahren begleitet. Dabei handelt es sich um eine sehr alte Holzkiste, die ich als Teenie meiner Patentante abgeschwatzt und seitdem von einer Wohnung in die nächste mitgeschleppt habe.

In der Kiste sind alle meine Fotoalben und lose Sammlungen von allem Möglichen, die mich zum Teil schon seit vierzig Jahren begleiten (Mist, ich bin alt!!! ;-)).

Darauf stehen und liegen Fotos von meiner Familie, Gegenstände, die ich einmal geschenkt bekommen oder gefunden habe. Seit einigen Wochen befinden sich dort auch Bilder und Sachen von meinem Liebsten, Zettel, die er mir irgendwann geschrieben hat mit diesen kleinen Botschaften, mit denen sich Menschen in Beziehung gern beschenken: „Guten Morgen, Liebste!“, „Ohne Dich? Niemals!“ oder einfach nur ein :-*, unser „Geheimzeichen“ für einen innigen Kuss.

Einige Fotos in Sepia, in der Mitte eine Engelsfigur. Erinnerungen an meine Familie.
Ein kleiner Teil meines Altars.

Als ich alles aufgestellt hatte, saß ich davor, irgendwie durchgeschüttelt, weinend, von jetzt auf gleich aus dem To-Do-Modus in eine unendliche Traurigkeit geworfen. Mir wurde bewusst, dass sie alle fort sind, dass ich mich nicht mehr mit ihnen austauschen, nicht mehr mit ihnen reden, ihnen nicht mehr zuhören kann.

Da, wo ich jetzt bin, wäre ich nicht, wenn mein Mann noch bei mir wäre. Ja, es ist ein Neuanfang. Aber ein von mir weder geplanter, noch gewünschter oder bestellter, sondern ein Neuanfang, den mir das Leben sozusagen aufs Auge gedrückt hat. Denn mit dem Tod meines Mannes waren auch meine Wurzeln fort, die mich mit unserer gemeinsamen Heimat verbunden haben.

Meine Mutter, die vor fast sechs Jahreen gestorben ist war auf einmal ganz präsent. Nein, ihr „Nicht-mehr-Dasein“ war es. Ich hätte so sehr eine mütterlich-tröstende Umarmung gebraucht…

Das war noch einmal ein sehr, sehr großer Schmerz. Sicher war es nicht das letzte Mal, dass mich die Trauer so überfällt, und ich weiß inzwischen, dass ich weitermachen kann und werde. Trotzdem tut es weh, ganz tief drinnen. Und es fühlt sich im Moment nicht so an, als könnte diese Wunde heilen.

Trotzdem hilft mir der Gedanke an mein Gespräch mit Barbara-Mira Jakob und die von mir inzwischen sehr häufig zitierte Bezeichnung „Gnade des Schmerzes“.

Daran denke ich nicht in den Momenten, in denen mich die Traurigkeit überfällt. Aber jetzt, beim Spaziergang mit Frollein Frieda durch die herbstlichen Felder, während ich den Mais leise rauschen höre und das Gefühl habe, der Liebste sei bei mir, irgendwie präsent, kann ich es wieder fühlen.

Denn ich bin nicht allein. Mich begleiten unglaublich viele gute Wünsche, von Freundinnen, meiner Bloggerinnen-Gäng, aber auch von Menschen, von denen ich gar nicht geglaubt hätte, dass sie an mich denken.

Diese guten Gedanken sind so präsent, dass ich sie in meinem Zuhause ganz deutlich spüren kann. Ich bin nicht allein!

Google Rezension Nicole
Das ist mein „Tröstekissen“ von der wunderbaren Nicole Borho, deren Aromakissen unter „Karo Dachs“ bewundert werden können.

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