Wichtige Durchsage! Der Hochsensibilitätszug ist überfüllt – bitte schnell noch zusteigen!

Sabine Scholze hat ihr Kinn auf den zusammengelegten Händen abgestützt und guckt fragend. Dieser Gesichtsausdruck könnte Hochsensibilität bedeuten.

Gespräch mit einer „hochsensiblen Persönlichkeit“

Hochsensibilität – wie geht das?

So nicht:

Ich: „Ich bin heute X Kilometer gelaufen. Das war soooo schön! Ich habe mich so gut gefühlt, und alles drumherum…“

Sie: „Och, ihr nervigen Sportler! Müsst ihr immer mit euren Leistungen herumprotzen? Wen interessiert das denn außer euch selber? Außerdem weißt du ganz genau, dass ich wegen Hüfte/Knie/Plattfüßen/Körper nicht laufen kann. Das ist total gemein, wenn du mir das erzählst!“

Ich, innerlich: „Hmpf.😖“

Äußerlich: „Und wie war dein Tag bisher?“

Hochsensibilität ist sowas von hipp!

Hochsensible fühlen mit. Hochsensible sind empathisch. Hochsensible haben ein Gespür für Stimmungen. Hochsensible können sich gut in die Bedürfnisse anderer hineinversetzen (manchmal zu gut, aber das ist ein anderes Thema). Hochsensible sind gerade voll hipp. Sozusagen die neuen Hochbegabten. Irgendwie sind auf einmal alle hochsensibel. Es gibt sogar Konferenzen für Hochsensible – ohne begrenzte Teilnehmerinnenzahl (und damit auf meiner Landkarte der Hochsensibilität irgendwie ein Widerspruch in sich…)

Der Pullover kratzt aber heute wieder – hochsensibel.

Bei der Liebesszene wird geweint – hochsensibel.

Horrorfilme sind viel zu blutig – hochsensibel.

Der Nachbar hat die Musik zu laut – hochsensibel.

Der Misthaufen mitten im Dorf stinkt bis hierher – hochsensibel.

Echt jetzt! Wollen wir es mal gut sein lassen mit dem Versuch, unsere Gemütszustände mit diesem schicken, inzwischen nicht mehr neuen Etikett zu behängen? Wollen wir uns stattdessen erst einmal mit den Merkmalen echter Hochsensibilität befassen?

Und wollen wir vor allem wieder damit aufhören, uns für die besseren 20% der Menschheit zu halten, weil wir uns wegen ein paar vermeintlich spezieller Befindlichkeiten für die anderen 80% irgendwie zu gut sind?

Begriffsklärung

Ich zum Beispiel bin wirklich hochsensibel.

Sabine Scholze hat ihr Kinn auf den zusammengelegten Händen abgestützt und guckt fragend. Dieser Gesichtsausdruck könnte Hochsensibilität bedeuten.

Das erkennt man sehr gut an meinem nachdenklichen Gesichtsausdruck und den beiden Längsfalten über der Nasenwurzel. Ja, wirklich! Außerdem muss mein Mann immer die Etiketten aus meinen Klamotten heraustrennen, weil die mich zwicken. Und wenn im Film der Mörder aus der Hecke springt, erschrecke ich mich ganz doll.

Okay, ich versuche gerade, Dich zu verscheißern… „Echte“ Hochsensibilität hat ein paar Ausprägungen mehr als die von mir genannten Befindlichkeiten.

Links zum Thema „Hochsensibilität“

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; bei den Genannten fühle ich mich nur besonders gut aufgehoben.

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Hochsensibel – und nun?

Ich glaube daran, dass Hochsensibilität ein Geschenk des Lebens ist – so wie alles. Und dass ich mit dem Auspacken auch mindestens zwei Verpflichtungen eingehe:

  1. Gut auf mich zu achten, für mich zu sorgen und mir zu erlauben, mich in schwierigen Situationen zurückzuziehen. Für mich sind das vor allem (laute) Menschenmengen, negative Schwingungen und Stimmungen und Streit. Für Dich kann es etwas ganz anderes sein.
  2. Im Blick zu haben, dass auch die Menschen um mich herum meine Achtsamkeit verdient haben. Nicht im Sinne von „Totkümmern“ oder Mitleiden, sondern durch Akzeptanz ihrer Lebenswirklichkeit und ihres aktuellen Befindens. Das altmodische Wort dafür lautet „Rücksichtnahme“, glaube ich. Und funktioniert auch ohne Hochsensibilität. 😉

Mit diesem Wissen im Hinterkopf könnte ich jetzt eigentlich damit aufhören, mich über diese unempathische Person aufzuregen, von der ich eingangs berichtet habe. Kann ich aber (noch) nicht. Ich bin immer noch sauer. Die glaubt doch, dass sie die einzige HSP auf dieser Welt ist. So ein Blödsinn!!!

Rand2
Nur, dass das mal klar ist: Wenn sich hier jemand aufregen darf, dann bin ich das!

Ich versuche es mal mit Punkt 1 meiner eigenen Ratschläge: Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. Auf ihrer Landkarte der Welt macht sie alles richtig. Und bestimmt hat sie in diesem Gespräch ihr Bestes gegeben. Einatmen. Ausatmen. Friede sei mit ihr – und mit allen anderen. Naja, mit fast allen… Sooo hochsensibel bin ich nun auch wieder nicht! 😇


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3 Gedanken zu „Wichtige Durchsage! Der Hochsensibilitätszug ist überfüllt – bitte schnell noch zusteigen!“

  1. Pingback: Monatsrückblick Juni 2021: Mörderische Hitze - Ulis Blog

    1. Ohja, Hitze ist für mich auch wie „schlechtes Wetter“, und ich bin eine echte Klimaanlagenliebhaberin. Oder ich gucke mir die Szenen von „Game of Thrones“, die in Island spielen, noch einmal an… Frohes Weiterschwitzen! 🙂

  2. Pingback: Monatsrückblick Juni 2021 – Mittendrin statt nur dabei –

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