Achtung: Gift für hochsensible Multitalente!

Drei Möglichkeiten des Feedback: Positiv, negativ, fragend

Gift – im schlimmsten Fall ist es tödlich, im besten macht es nur übles Wanstrammeln*.

Manche Gifte wirken sofort, andere sehr langsam und zunächst kaum spürbar.

Und während Arsen, Zyankali & Co. in den wenigsten Fällen aus Versehen gegeben werden, wird dieses Gift sehr häufig in bester Absicht verabreicht.

Giftige Worte

Bewertungen, Kritik, Verurteilung – diese drei tauchen wie die Musketiere gemeinsam und mit scharfer Klinge auf, und fast jedesmal treffen sie mitten in unser offenes Herz.

Manche Rückmeldung kann sehr verletzend sein – nicht nur für uns hochsensible Multitalente. Die wir oft eine riesige innere Kritikerin im mentalen Gepäck mit uns herumschleppen.

Sind Du und Dein Tun schon einmal so richtig niedergemacht worden? Oder hörst Du etwas, was nicht gesagt wurde?

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Was hast Du denn da wieder für einen Mist gemacht?

Ich behaupte: Das wurden wir alle schon einmal jemand gefragt – mehr oder weniger drastisch formuliert. Denn wir leben in einer Gesellschaft, die lieber bewertet und kritisiert, statt zu ermuntern und zu loben.

Diese Bemerkung zweifelt an, dass Dein Tun richtig, gut und sinnvoll ist.

Und sie stellt Dich als Person in Frage.

Feedback, unbestellter Kommentar oder innerer Dialog?

Vielleicht haben wir gerade einer anderen Person ein Ergebnis präsentiert und um eine Rückmeldung gebeten.

Vielleicht hat sich unser Gegenüber aber auch selbst den Auftrag gegeben, unser Tun zu bewerten.

Oder wir führen einen inneren Dialog. Bewerten uns selbst. Machen uns selbst nieder. Denn das ist etwas, was wir hochsensiblen Multitalente sehr häufig tun; schließlich sind wir ja „irgendwie nicht richtig“, oder?

Egal, wie die Bewertung zustandegekommen ist und wie sie formuliert wurde; bei uns kommt genau das an: „Was für einen Mist hast Du denn da wieder gemacht?

Ganz gleichgültig, ob es mir gesagt wird, ob ich es „nur“ höre oder mir selber sage: Diese Art von „wohlmeinendem“ Übergriff ist das Sahnehäubchen auf (m)einem 💩 aus Bewertungen, Kritik, Abqualifizierung und Zweifeln an meinem Können.

Bewertungen vergiften unser Selbstwertgefühl

Und sie treffen uns besonders hart, wenn wir selbst nicht ganz sicher sind, ob das, was wir tun, eine positive Rückmeldung verdient hat. Wenn wir uns für „nicht gut genug“ halten. Wenn wir vielleicht sogar unter dem so genannten „Imposter-Syndrom“ leiden und ganz sicher sind, dass irgendwann schon jemand herausfinden wird, wie wenig wir können.

Denn in dem Satz „Was hast du denn da wieder für einen Mist gemacht?“ steckt eben nicht nur eine Abwertung unseres Tuns, sondern auch unserer Person. „Wieder Mist gemacht…“ heißt ja schließlich, dass es nicht das erste Mal ist.

Und wer dauernd Mist macht, ist eine Versagerin, die nichts kann und niemals etwas können wird. Na, kommt Dir das bekannt vor? Hörst Du die Stimme Deiner inneren Kritikerin laut und deutlich?

Meine innere Kritikerin ist übrigens ein Kerl und klingt immer ein bißchen wie mein Mathelehrer, der mich von der 7. bis zur 9. Klasse gepiesackt hat und meiner Mutter einreden wollte, ich könne (so wie die meisten Mädchen) nicht logisch denken. Ich widerlege ihn täglich.

Sabine Scholze streckt die Zunge heraus - und das ist genau das, was sie innerlich tut, wenn jemand "Bewertungsgift" verspritzt.

Immunisierung ist nötig und möglich

Das ist die gute Nachricht. Denn es ist kein Naturgesetz, dass wir uns für das, was wir tun (und was wir gut tun!) niedermachen (lassen) müssen. Wir können selbst dafür sorgen, dass die äußeren und inneren Kritikerinnen langsam immer leiser werden.

Hier sind ein paar Tipps, von mir selbst erfolgreich ausprobiert:

Tipps zur Immunisierung gegen „Bewertungs-Gift“

  1. Überlege Dir vorher, wen Du um eine Meinung fragen möchtest. Wenn ich z.B. etwas eher Unkonventionelles produziert habe, würde ich das wahrscheinlich eher einer Person zeigen, die ich bereits als eigenwillig und eher ausgefallen erlebt habe. Wenn ich mit meinem Tun absolutes Neuland betrete, halte ich Ausschau nach einer Expertin auf diesem Gebiet.
  2. Wenn Du die Erfahrung gemacht hast, dass eine Person, von der Du Feedback erbittest, regelmäßig nur das erwähnt, was ihrer Meinung nach nicht gut geworden ist: Bitte diese Person nicht mehr um ihre Rückmeldung – es sei denn, Du willst ganz bewusst die Meinung eines Advocatus Diaboli, um Dein Projekt auf mögliche Schwachstellen zu überprüfen. Oder
  3. Sage vorher ganz klar, ob und wenn, in welcher Form Du Dir das Feedback wünschst! Du darfst auch darum bitten, dass zunächst die positiven Eindrücke aufgezählt werden. Das gehört übrigens zu den Basics beim Feedback-Geben.
  4. Wenn das „Bewertungs-Gift“ bereits verspritzt wurde, könntest Du Deinem Gegenüber noch erklären, was Du Dir bei Deinem Tun gedacht hast. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass diese Erklärung zu einem anderen Blickwinkel und damit auch zu einer anderen Einschätzung geführt hat.
  5. Und wenn hier nur Deine innere Kritikerin am Werk ist, kannst Du ihr ganz liebevoll folgendes sagen: „Ich weiß, dass du es gut mit mir meinst und mich vor Fehlern beschützen willst. Danke dafür! Bei dieser Sache bin ich aber sicher, dass ich sie sehr gut gemacht habe. Du kannst dich also ganz entspannt zurücklehnen und mich machen lassen.“ Diesen Dialog mit Dir selbst kannst Du wirklich führen; liebevoll, wertschätzend und mit dem Selbstbewusstsein einer Frau, die weiß, was sie kann.

Eines ist sicher: Was auch immer Du produziert hast, auf Deiner Landkarte der Welt hat es einen Sinn und einen Zweck! Außerdem bin ich sicher, dass jede von uns zu jedem Zeitpunkt ihr Bestes gibt – wir können gar nicht anders. Und wenn dieses „Beste“ einmal in die Schublade „Fehlversuche“ sortiert werden muss, haben wir doch zumindest eine Möglichkeit gefunden, wie etwas nicht funktioniert. 😉

*“Wanstrammeln“ ist Nordhessisch und bedeutet auf Hochdeutsch sinngemäß „Bauchschmerzen“.


Deine innere Kritikerin ist eine sehr aktive und willensstarke Persönlichkeit – so wie Du? Dann könntest Du in einer stillen Stunde dieses kleine Büchlein lesen. Darin findest Du einige Tipps, wie Du mit ihren vielen Vorschlägen zur Selbstoptimierung umgehen kannst.

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6 Gedanken zu „Achtung: Gift für hochsensible Multitalente!“

  1. Liebe Sabine, dein Rant ist soooo toll und spricht ein wirklich wichtiges Thema an. Wir sind uns oft nicht bewusst, was dieses ewige Flatrate-Rumnörgeln und Rumkritisieren eigentlich anstellen kann. Super auf den Punkt gebracht. Liebe Grüße Nicole

    1. Dankeschön, liebe Nicole! Ja, mein inneres Künstlerkind leidet auch immer sehr, wenn dieses Bewertungsgift verspritzt wird… Aber jetzt haben wir ja uns, die Content Society – und bald die Bloggerinnenweltfrauschaft! 😉

      Dabei ist das noch gar nicht die Schimpfkanonade, die ich dringend noch loswerden muss – die kommt noch. Es wird um Höflichkeit und Um-sich-selbst-kreisen gehen.

  2. Liebe Sabine, wow!!! toll – du sprichst mir aus dem Herzen … wie schön, dass wir ab jetzt gemeinsam in der Content Socienty ganz ohne „wanstrammeln“ (das Wort ist auch im Berlinischen sehr gebräuchlich 😉 durchstarten … Liebe Grüße Umani

    1. Liebe Umani, danke für Dein schönes Feedback! Ich freue mich auch schon sehr auf The Content Society mit so vielen wunderbaren und spannenden Frauen! 🙂

  3. Liebe Sabine,
    du schreibst so toll und mitten in mein hochsensibles vielbegabtes Scannerwesen mit dem absoluten Gehör, das laute und/oder falsche Töne oder auch das tonlose Pfeifen mancher Menschen kaum erträgt, und der hypersensiblen Nase, die unter dem Deoduft der Tochter, dem ständigen Zigarettenrauch und vielen schrecklichen Gerüchen furchtbar leidet und sich „anstellt“. Wenn ich dafür völlig abgehe bei den verschiedenen Rosendüften, Naturgerüchen, Musik… übertreibe ich! Du kennst es, das ist wunderbar!
    Ich freue mich auf ein spannendes gemeinsames Jahr in der Content Society. Ohne Wanstrammeln und mit Erlangung der Bloggerinnenweltfrauschaft, gebongt!

    Liebe Grüße, Silke

    1. Ohja, liebe Silke, das kenne ich! Danke für Deine schöne Rückmeldung und dafür, dass Du das „Alien-Gefühl“ von uns HSPs dadurch wieder etwas verkleinert hast!

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