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5 Fragen zum Thema „Abschied nehmen“: Interview mit Uli Pauer

Interviews mit Wunderfrauen Uli Pauer Start

Das Interview zum Abschied nehmen mit Uli Pauer habe ich geführt, weil ich mir sicher war, dass ihre Antworten auf meine Fragen bereichernd sein würden. Außerdem war ich sehr gespannt, was eine Minimalistin und Ordnungsschafferin zu diesem Thema zu sagen bzw. zu schreiben hätte. Denn das Aufräumen und Entrümpeln hat ja auch sehr viel mit Abschied zu tun.

Uli Pauer, Aufräumcoach, Grau-Seherin und schwarzhumorige Geistesschwester

Auf Ulis Startseite findet sich unter „Wie kann ich Dir helfen?“ schon der erste Hinweis auf ihren wunderbaren Humor: Neben dem Aufräumen von Schrank, Homeoffice und Küche bietet sie auch an bei der „Entsorgung“ des Ehepartners zu unterstützen. 😉

Sie ist ein Mitglied meiner „Bloggerinnen-Gäng“ in The Content Society. Bei ihrer Aufräumchallenge mit unterstützender Facebook-Gruppe im September 2021 konnte ich mir selbst ein Bild machen, wie der Abschied von Dingen funktioniert.

Fast noch mehr als ihre Fotos von leeren Schreibtischen liebe ich Ulis Fähigkeit, mit wachen Augen durch die Welt zu laufen und das Gesehene mit Fotos und dem schon erwähnten (schwarzen) Humor zu dokumentieren. Ihr Blogartikel über Wiens „17 Shades of Grey“ hat mir mehr als ein Lächeln entlockt.

Die Hervorhebungen einzelner Sätze stammen von mir.

1. Was bedeutet Tod für Dich?

Tod ist ein sehr vielschichtiger Begriff. Zuerst einmal bedeutet er das Ende des Lebens, d.h. wenn alle lebenserhaltenden Funktionsabläufe versagt haben, dann tritt der Exitus ein. 

Aber auch im Leben gibt es Tode – vorläufige und endgültige. Dinge, die wir selbst beenden oder die andere beenden: Dazu gehören Beziehungen genauso wie z.B. Tätigkeiten oder Hobbys.

Diese Tode sind gut und befähigen uns Altes und Überkommenes loszulassen und neues Terrain zu beschreiten. Hier unterstütze ich auch als Entrümpelungs-Expertin – sich von Dingen zu trennen, die als tote Materie in unseren Haushalten lagern.

Dinge, die in der Vergangenheit liegen: Die Vergangenheit ist endgültig vorbei und nicht mehr änderbar. Es ist nur möglich, Lehren aus vergangenen Ereignissen ziehen.

Dinge, die aufgrund des Alterungsprozesses nicht mehr möglich sind: Nach der Menopause ist es auf natürlichem Weg z.B. nicht mehr möglich, ein Kind auszutragen. Oder Dinge, die aufgrund der physischen Hinfälligkeit nicht mehr möglich sind: Mein 91jährige Mutter lebt in einem Seniorenheim. Sie ist glücklicherweise noch sehr lebenslustig und aktiv. Aber: Sie wird keinen Berg mehr besteigen.Sie wird keinen Marathon mehr laufen. Sie wird nichts mehr lesen, denn sie ist fast vollständig blind.

Je älter wir werden, desto mehr Tode erleiden wir, denn gewisse Türen schließen sich dann für immer.

Daher ist es umso wichtiger in der Gegenwart zu leben und nicht ständig alles auf später und den perfekten Zeitpunkt zu verschieben. Der perfekte Zeitpunkt ist JETZT.

Ein aufgeräumter Schreibtisch mit Bildschirm, Tastatur, Laptop, Maus und Kaffeebecher. Von Dingen kann man auch Abschied nehmen...
Ulis Schreibtisch. Ich bewundere ihre Konsequenz und werde kein Foto von meinem veröffentlichen! 😉

2. Fühlst Du/hast Du Kontakt zu Deinen Liebsten, die bereits gegangen sind? Wenn ja: Wie nimmst Du sie wahr?

Zu meinen Angehörigen, die bereits verstorben sind, fühle ich wenig Kontakt. Ich habe auch kein Bedürfnis ihre Gräber aufzusuchen, denn in den Gräbern sind nur die menschlichen Überreste. Die Verstorbenen leben weiter als Erinnerung in meinen Gedanken.

Ich weiß, dass es für viele Menschen wichtig ist, ein Grab zum Trauern zu haben. Dort wo ihre Liebsten zur letzten Ruhe gebettet sind. Ich persönlich brauche keinen physischen Ort zum Trauern oder zum Gedenken an Verstorbene.

Schon als Kind habe ich die katholischen Begräbnisriten als befremdlich und erschreckend morbid empfunden. Als widersprüchlichen Totenkult zur Proklamation des Ewigen Lebens. Vor allem das letzte Gebet am offenen Grab, wo für denjenigen der Begräbnis-Teilnehmer ein Vaterunser gebetet wird, der als nächstes sterben wird. Begräbnisse haben für mich seither das Prädikat “lebensgefährlich”; so ähnlich wie Russisches Roulette.

Ich bin sehr froh liebe Sabine, dass es Menschen wie dich gibt, die abseits von Religionen Trauerbegleitung anbieten.

Aus meinem engen Familienkreis war meine Großmutter die erste, deren Tod ich bewusst miterlebt habe. Ich war 23 Jahre alt und ihr Tod hat mich damals sehr mitgenommen und schockiert. Noch heute bedauere ich es, dass ich sie nicht ganz viele Dinge gefragt habe, als sie noch am Leben war. 

Meine Großmutter war Jahrgang 1893. Sie wurde geboren, als es in Österreich noch die Habsburgermonarchie gab. Schon in ganz jungen Jahren musste sie ihren Lebensunterhalt als Magd bei Bauern verdienen. Heutzutage würden wir sagen, das war Kinderarbeit. Sie schlief in muffigen Kellerlöchern, wo es im Winter so kalt war, dass die Bettwäsche gefroren war. Ratten und Mäuse sprangen über sie hinweg. Sie hat den ersten und den zweiten Weltkrieg erlebt. Ihre drei kleinen Kinder musste sie alleine großziehen und sie arbeitete für ein paar Lebensmittel. Sie ist mir als eine sehr bittere und harte Frau in Erinnerung.

Was mir meine Vorfahren “sagen”: Glaub nicht den Bullshit (auch wenn sie das Wort sicher nicht kannten) der “guten alten Zeit” und der ländlichen Idylle.

3. Wie gehst Du mit dem Gedanken an Deine eigene Endlichkeit um?

Die eigene Endlichkeit ist eine schmerzhafte Tatsache. Daher ist es wichtig, möglichst viele Dinge zu tun, die Freude bereiten und vor allem bewusst und in der Gegenwart zu leben. Nicht auf das große Glück irgendwann in der Zukunft zu warten, sondern jeden Tag die wunderbaren kleinen Dinge sehen und genießen.

4. Wenn Du eines Tages gehst: Möchtest Du der Welt etwas hinterlassen? Wenn ja: Wie möchtest Du gern in Erinnerung bleiben?

Wenn sich jemand an mich erinnert, dann soll das diesem Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Was ich nicht hinterlassen möchte: Einen Berg von Zeugs, durch den sich dann meine Nachkommen mühsam quälen müssen.

5. Was glaubst Du, wohin Du gehen wirst?

Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod. Das Leben nach dem Tod ist eine Erfindung der Menschen. Die Religionen haben sich das zunutze gemacht, um schlechte Bedingungen – den Status Quo – auf dieser Welt zu rechtfertigen. Sie trösten Menschen mit behaupteten jenseitigen Belohnungen über die Missstände in ihrem Leben hinweg. Oder sie rechtfertigen Krankheiten und Armut mit schlechtem Karma in früheren Leben.

Liebe Uli, ein Lächeln hast Du mir schon jetzt ins Gesicht gezaubert!

Hab‘ vielen Dank für das freigebige Teilen Deiner interessanten und so gar nicht „mainstreamigen“ Gedanken! Ich fand es sehr spannend zu lesen – und irgendwie schimmerte zwischen Deinen Zeilen auch etwas Minimalistisches im absolut bereichernden Sinne hervor.

Ich freue mich auf alle Deine weiteren Beiträge und bin sicher, dass ich nicht die Einzige bin, der Du ein Lächeln ins Gesicht zauberst – ich liebe Deinen „schwarzen“ Humor! Wir sollten gemeinsam ein Büchlein schreiben: „Die Tatortaufräumerinnen“ oder „Minimalistisch morden“. 😉

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… und trotzdem leben!

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Auch wenn Du es Dir im Moment noch nicht vorstellen kannst – es wird gute Zeiten geben.

Bis dahin bin ich gern an Deiner Seite.

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