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Gestern war ich so richtig besch... drauf!

In meinen sozialen Netzwerken wimmelt es zurzeit nur so von Erfolgen: Termine für Erstgespräche, Verdoppelung der Follower oder E-Mail-Abonnentinnen... Es wird gelauncht, gepostet und geliked.

Bei mir tut sich nichts.

Gar nichts.

Überhaupt nichts.

Ich bin wahrscheinlich einfach zu doof oder zu unorganisiert, um innerhalb von vier Monaten mordsmäßige Riesenerfolge vorweisen zu können.

Boah, war ich Sch... drauf!
Sabine Scholze sitzt mit besorgtem Gesichtsausdruck vor einem Laptop und hat den Kopf auf die Hände gestützt. Sie denkt über Ziele und Druck nach.

Im Griff von Antreiberin, Kritikerin und Schweinehund

Das wirklich Allerschlimmste gestern: Ich hatte auf einmal mehr Zeit als geplant. Weil ich heute nicht arbeiten muss (oder darf???). Also ein Tag geschenkt. An dem ich so richtig viel schaffen können würde sollen. ;-)

Zuerst meldete sich mein innerer Schweinehund: "Ab auf die Couch! Du kannst dir heute freinehmen. Morgen hast du noch den ganzen Tag Zeit."

Habe ich gemacht. Habe dort gelegen und zwei Folgen "Game of Thrones" geguckt.

"Hör sofort auf damit, nichts zu tun!" brüllte meine innere Antreiberin los. "Du bist Freiberuflerin! Du kannst nicht einfach so in den Tag hineinleben, bloß weil du unverhofft frei bekommen hast! Du musst etwas tun! Du musst dich endlich mal vernünftig strukturieren. Du musst an deinem Business arbeiten! Du musst! Du musst! Du musst!" Dabei hatte sie diese quäkige, schwäbelnde Stimme einer dieser Motivationstanten. Die eine bei Facebook immer mit diesen gesponserten Beiträgen belästigen. Und deren Stimme sich in meinem Gehirn manifestieren konnte, weil ich sie nicht schnell genug weggeklickt hatte.

Dieses viele Müssen in meinem Kopf hat mich so angestrengt, dass ich beim Herumliegen ein Glas Ovomaltine Crunchy Cream und eine halbe Packung Brausebonbons vertilgt habe. "Game of Thrones" konnte ich auch nicht mehr so richtig genießen. Denn ich hätte ja eigentlich gemusst...

Derweil hat meine innere Kritikerin das Frollein Frieda benutzt, um mir so richtig die Hölle heiß zu machen. Frieda zergelte und knöhrte, jammerte und möhrte, guckte mich an, als sei ich die letzte Tierquälerin und wollte raus, aber sofort, mir völlig egal, dass wir gerade draußen waren, ich muss mal, Du bist böse, mir ist langweilig, jammerjodel!
Süße_Hundebilder4

"Im Jetzt sein" - mehr als nur Achtsamkeitsgedöns

Also bin ich mit Frieda spazierengegangen. Mehrmals. Ich fand es deutlich weniger anstrengend, draußen im Sturm mit ihr herumzurennen als mir drinnen ihr Gemaule anzuhören. Und noch ein schlechtes Gewissen wegen meiner Faulheit zu haben.

Beim letzten Gang passierte etwas Seltsames: Alle Stimmen in meinem Kopf hielten auf einmal die Klappe. Und ich konzentrierte mich nur noch auf Frieda und darauf, was um uns herum so los war. So entdeckte ich eine Zebrakuh (siehe Foto) und ihre Kolleginnen auf der Weide, einen vor den Kühen flüchtenden Herdenschutzhund und rasende Wolken am Himmel.

Schnappte mir mein Smartphone und fotografierte drauflos. Lies mich durchpusten. Redete mit meinem Liebsten. Guckte einem Bussard beim Fliegen im Sturm und den Blättern beim Herumwirbeln zu. War im Jetzt. Nur und ausschließlich.

Bekam zuhause auf einmal Lust, noch ein bisschen zu turnen. Und zu tanzen. Weil Vollmond war und ich nach dem ganzen "Im-Jetzt-Sein" viel mehr Energie hatte als vorher, wurde es ein wildes Gehoppse.

Danach ging es mir gut. Richtig gut.

Dass Frieda mein Tun äußerst spooky fand und sich hinter dem Bett versteckt hat, habe ich geflissentlich ignoriert.
20211021_In_Ruhe_lassen_Zebrakuh

Lass Dich doch einfach mal in Ruhe!

Eines sehr kluge Frau hat mir vor ein paar Tagen die Aufgabe gegeben, mich in der nächsten Zeit nur um meine Freiheit zu kümmern.

Was eine deutlich bessere Formulierung ist als "nicht so hart zu mir sein", "mich nicht stressen" oder "mich nicht selbst antreiben". Das Unterbewusstsein kann nämlich ein "Nicht" nicht hören.

Was bedeutet es für mich, wenn ich mich um meine Freiheit kümmere?
  • Ich bin nett und geduldig mit mir.
  • Ich nehme mir dann Pausen, wenn ich sie brauche.
  • Ich l(i)ebe meine Vielbegabung und tue auch einmal etwas, was ich nicht auf der To-Do-Liste hatte - einfach, weil es mir in diesem Moment Freude macht.
  • Ich schlafe, wenn ich müde bin. Und lasse mich auch einmal ausschlafen.
  • Ich höre auf meinen Körper.
  • Ich mache mein Wohlbefinden zum einzigen Bewertungskriterium für Erfolg.
  • Kurz: Ich lasse mich in Ruhe.
Das wird wahrscheinlich nicht sofort und nicht zu 100% funktionieren. Aber ich kann schonmal damit anfangen, oder?

Gestern hat es geklappt: Ich bin ins Bett gegangen, ohne mir den Wecker zu stellen.

Das mag für alle, die schon immer gern ausgeschlafen haben, nicht nach einem Erfolg klingen. Für mich, die ich Sorge habe, nicht genug zu schaffen, wenn ich nicht sehr früh aufstehe, ist es der absolute Oberknaller.

Aber davon mehr im nächsten Denkanstoß. Es waren nämlich sehr interessante Gedanken, die mir heute beim Von-Allein-Wachwerden durch den Kopf geschossen sind.

Neues im Blog

Natürlich habe ich seit meinem letzten Denkanstoß auch geschrieben. Ich kann gar nicht anders. ;-)
Während ich Dir schreibe, tost der Sturm ums Haus und dicke Regentropfen prasseln auf meine Dachfenster. Das ist ein ganz wunderbares Wetter, um drinnen zu sein - und dankbar für meine warme und trockene Wohnung, Internet, heißen Milchkaffee und ein Frollein Frieda, das entspannt in einem ihrer Hundebetten liegt und gerade mal gar nichts von mir will.

Kannst Du Dich gut in Ruhe lassen? Und wenn ja, wie machst Du das? Ich freue mich über jeden Tipp!

Machen wir es uns zusammen schön! JETZT! ;-)

Herzlichst Deine

Sabine Scholze
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