Die schreckliche Wahrheit: Von 80.000 Gedanken sind 97% Mist!

Gute Gedanken? Schlechte Gedanken? Gedanken?

Gute Gedanken? Schön wärs!

Ich habe mich ausgestöpselt. Allerdings habe ich den Stöpsel nicht gezogen, sondern zwei davon in meine Ohren getan. Die machen nicht nur Krach, sondern können auch aktiv Geräusche von außen unterdrücken.

Warum ich das getan habe? Weil ich sonst weder die Umgebungsgeräusche noch den Krach in meinem Kopf unterdrücken kann.

Es fängt schon frühmorgens an: Frollein Frieda bellt sich die Lunge aus dem Hals. Der Zeitungsbote. Ich stehe auf, um ihr wie jeden Morgen zu erklären, dass sie jetzt wieder damit aufhören kann.

Wenn die Luft rein und der Zeitungsbote weg ist, lasse ich Frieda raus. Dabei fällt mein Blick auf die Schlagzeile des örtlichen Käseblattes, und sofort MUSS ich mich aufregen. Das könnte ich nur verhindern, wenn ich mir die Augen zuhalte. Aber dann sehe ich nichts.

Danach ist erst einmal Ruhe. Das ist der Grund, warum ich so gern früh aufstehe und diese stille Zeit zum Schreiben nutze.

Solange ich meine 10 Finger auf der Tastatur habe, ist auch alles gut. Wenn es richtig gut ist, schreibe ich mich in einen Flow und schaue meinen Fingern beim Tippen zu.

Sobald ich aber damit aufhöre, fängt mein hyperaktives Gehirn an, irgendwelche Gedanken auszuspucken. Das macht es ganz allein, ohne dass ich etwas in Auftrag gegeben hätte.

Ein durchschnittliches Gehirn denkt übrigens 50.000 bis 80.000 Gedanken am Tag. Davon sind ca. 70% flüchtige, nebensächliche Gedanken („Ob die Müller heute wohl die Mülltonne rausstellt?“), 27% sind sogar richtiggehend destruktiv („War klar, dass ich das wieder nicht schaffe!“) und nur 3% unserer Gedanken sind aufbauend („Boah, das ist mir richtig gut gelungen!“). Neu davon ist verhältnismäßig wenig: etwa 6%.

Blogbeitrag Gedanken

Anders ausgedrückt: Wir denken jeden Tag fast ausschließlich denselben Scheiß.

Hier ist meine ganz persönliche Gedankenhitparade:

„Och, müssen die da gegenüber schon wieder so früh ihre gelben Säcke herausstellen? Das sieht so unordentlich aus!“

„Was sich die BuLäKo wohl wieder für einen Blödsinn ausgedacht hat…“

„Habe ich eigentlich schon das Geld für … überwiesen?“

„Warum bellt der Hund?“

„Kann ich X wegen Y fragen, oder sieht das komisch aus?“

„Ganz schön viele LKW da hinten..“

„Boah, Mist, ich habe Schrumpel am Knie!“

„Ich muss noch einen Newsletter schreiben. Und einen Blogbeitrag. Jahresabschlüsse?“

„Och nö!“ Wobei sich das „Nö!“ auf alles Mögliche beziehen kann, was ich gerade als störend empfinde.

Großartig, oder?

Wir sind Gedankenwiederkäuer!

Deshalb brauche ich Ohrstöpsel und Musik. Wenn ich mein Gehirn in voller Lautstärke beschalle, kann ich den Mist in meinem Kopf nicht mehr hören.

„Um Gottes Willen! Sie ruiniert sich ihr Gehör!“ werden da wahrscheinlich ein paar besonders Besorgte denken.

Möglicherweise. Aber das ist es mir wert. Denn mein Gehirn braucht diese Ablenkung. Ganz davon abgesehen, dass laute Musik mir fast immer gute Laune macht. Oder mir dabei hilft, mich auszutoben.

Kursraum bearbeitet BoD
Beim (Vor-) Tanzen. Vor vielen Jahren. Spaß dabei habe ich heute noch.

Neulich, beim Autofahren und in irgendwie gedämpfter Stimmung, spuckte meine SD-Card auf einmal „Nothing else matters“ von Metallica aus. Die Version mit Orchester. Ich habe mitgebrüllt, als wollte ich eine Konzerthalle ohne Mikrofon beschallen.

Zu „Never cared for what they do. Never cared for what they know.“ habe ich mit einem Fuß aufs Bodenblech gestampft, so fest ich konnte.

Danach wusste ich zwar immer noch nicht, warum ich in dieser Stimmung war. Sie war auch nicht – schwupps! – weg. Aber es ging mir viel, viel besser.

Hör Dir doch einmal beim Denken zu!

Mein Lieblingspsychologe Robert Betz schlägt vor, „in die Stille zu gehen“. Sich jeden Tag mehrmals einige Minuten zu nehmen, um herauszufinden, was es in uns denkt. Oder stattdessen einfach nur zu sitzen und sich auf den Atem zu konzentrieren.

Das ist eine ganz wunderbare Methode, denke ich – für andere Menschen. Bei mir hat es in dieser Form bisher nicht funktioniert.

Mir hilft die ebenfalls von Herrn Betz vorgeschlagene „Toilettenmeditation“: Wann immer sich das Gedankenkarussel in meinem Kopf zu schnell dreht, suche ich mir eine Toilette, setze mich auf den Deckel, stelle beide Füße fest auf den Boden und sage mir ein paarmal „Jetzt!“. Das hilft, um aus meinem Kopf heraus und im wirklichen Leben wieder anzukommen. (Autobahntoiletten sind für diese Meditation nicht zu empfehlen, weil die Gefahr eines olfaktorischen Schock besteht.)

Übrigens ist das mit der Stille und den Gedanken keine neue Erkenntnis. Darüber habe ich schon vor mehr als 10 Jahren philosophiert. Und das sagt mir, dass Geräuschunterdrückung im Gehirn eine Lebensaufgabe sein könnte.

Gehen wir noch einmal zurück zu den 3% aufbauenden Gedanken. Denn das bedeutet, dass 97% von dem, was es in uns denkt, nicht freundlich, bestärkend, positiv, aufmunternd ist.

Ganz im Gegenteil:

Mit 97% unserer Gedanken machen wir uns oder andere nieder!

Lass Dir das auf der Zunge zergehen: Unser Gehirn beschäftigt sich die meiste Zeit damit, uns zu erzählen, dass wir nichts wert sind, dass wir „es“ nicht schaffen werden, dass wir es eilig haben, dass der Nachbar doof und unsere Rente nicht sicher ist, die Freundin neulich so komisch geguckt hat, wir vorn einen Truthahnhals bekommen und rückwärtig einen Tannenbaum, dass das Geld nicht reichen und Corona uns alle umbringen wird…

Blogbeitrag Gedanken Angst

Wie können wir dieses Verhältnis umkehren? Wie können wir dafür sorgen, dass wir uns selbst wertschätzen, bestärken, Mut zusprechen oder -denken, uns Komplimente machen und in der Gegenwart leben?

Ich mache das oft mit lauter Musik direkt im Ohr. Und Tanzen, egal wo.

Und ich versuche, immer genau dort zu sein, wo ich gerade bin. Wenn ich mit Frollein Frieda spazieren gehe, will ich zu 100% bei diesem Spaziergang sein. Wenn ich Dir schreibe, will ich, dass mein Gehirn alle Nebenspuren mit einer roten Ampel versieht und ich nur beim Schreiben bin.

Wenn ich ausnahmsweise mal eine Mahlzeit zubereite, konzentriere ich mich auf das Schnippeln von Grünzeug. Und tue es ziemlich langsam, findet mein wesentlich professioneller kochender Mann. 😉 Da! Schon wieder ein nicht aufbauender Gedanke! Erwischt!

Wenn ich im Stau stehe, stehe ich im Stau. Ich möhre und knöhre nicht, ich spiele nicht auf meinem Gaspedal herum oder tippe hektisch auf dem Smartphone nach einer Meldung, die mir sagt, dass ich im Stau stehe. Ich stehe im Stau. Und höre Metallica. Oder etwas anderes. Manchmal singe ich auch einen osteuropäischen LKW-Fahrer an, der neben mir steht.

Stau

Dein Gehirn gehört Dir! Lass niemand anderen herein!

Ich habe einfach keine Lust mehr, mein Gehirn von etwas fi… lassen, das jemand anderes vorsortiert hat. Deswegen verringert sich mein Konsum von Social Media, Nachrichten und allem, was einen Hashtag hat, jeden Tag ein bisschen mehr. Und damit schaffe ich Platz in meinem Kopf für andere, bestärkende, liebevolle Gedanken.

Ich gebe zu: Das sind alles noch keine Ergebnisse, sondern Versuche. Aber ich werde besser darin. Und im Notfall habe ich ja meine schönen neuen Ohrstöpsel.

Du würdest auch gern den Anteil Deiner guten Gedanken erhöhen? Lass uns das gemeinsam tun!

Du könntest mit einem Kommentar anfangen: Welche Gedanken käust Du tagtäglich wieder? Was erzählt Dir Dein Gehirn, wenn sonst niemand zuhört? Was denkt „es“ in Dir? Und wie bekommst Du Deinen Gedankenwirrwarr zur Ruhe?

2 Gedanken zu „Die schreckliche Wahrheit: Von 80.000 Gedanken sind 97% Mist!“

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