5 schwierige Situationen für Hochsensible – und wie Du sie sofort meisterst

Eine Katze scheint sich unwohl zu fühlen. Katzen hassen Krach - und gehören wahrscheinlich grundsätzlich zu den Hochsensiblen.

In schwierige Situationen können nicht nur Hochsensible geraten. Aber für uns HSP (Highly Sensitive Person) sind manche Erlebnisse schwerer auszuhalten als für „Normalmenschen“.

Ich zumindest erlebe immer wieder, wie anstrengend es sein kann, mich den unten aufgezählten Situationen auszusetzen.

Aber manchmal geht es nicht anders. Und dann braucht es ein paar gute Strategien, um ohne „bleibende Schäden“, aber auch, ohne als Eigenbrötlerin zu gelten und viele Freundinnen zu verlieren, durch diese Situationen hindurch zu kommen.

Wenn es Dir zu lange dauert und Du einfach nur wissen willst, was Du generell Gutes für Dich tun kannst, darfst Du ausnahmsweise sehr viel Text überspringen und direkt bei „Für die Ungeduldigen unter Euch: Die Short-Version“ weiterlesen.

Eine Menschenmenge beim Fußball - nicht nur in Coronazeiten für Hochsensible eine Horrorvorstellung.

Dieses und die anderen Fotos sind von Pixabay – vielen Dank!

1. Hier sind viel zu viele Menschen!

Wird es Dir schnell zu eng, wenn viele Menschen im Raum sind? Fühlst Du Dich bedrängt, wenn sie nicht den „coronaren“ Mindestabstand einhalten (auch schon vor Covid19…)?

Bekommst Du Tötungsphantasien in einer größeren Menschenmenge, während alle außer Dir sich prächtig zu amüsieren scheinen? ​Oder verspürst Du eher Beklemmungen ​und willst nur schnell weg?

Was tun?

  • Du könntest in eine Tonne umziehen, die sich vorzugsweise auf einer einsamen Insel oder einem Gipfel des Himalaya befindet. Dort ist es ruhig, aber wahrscheinlich wird es weder Internet noch eine Dusche geben.
  • Du könntest laut schreiend wegrennen. Das sorgt allerdings für Irritationen und führt im überfüllten Supermarkt dazu, dass Du Deine Einkäufe dort lassen musst.

Wir sind uns wahrscheinlich einig, dass diese beiden Alternativen nur bedingt sozialkompatibel sind. Aber sie sind in „entschärfter Form“ machbar. Nämlich so:

  • Du begibst Dich nur in die Situationen, in denen Deine Anwesenheit unbedingt erforderlich ist, z.B. eine wichtige Familienfeier oder eine geschäftliche Veranstaltung.
  • Du sorgst vorher und hinterher für Dein Wohlbefinden, indem Du z.B. einen schönen Spaziergang machst, auf dem Weg zur Veranstaltung Deine Lieblingsmusik hörst oder ein paar Minuten meditierst.
  • Du legst von vornherein eine bestimmte Zeit fest, in der Du dabei bist. Notfalls denkst Du Dir schon im Vorfeld einen wichtigen Grund aus, der Deine längere Anwesenheit verhindert.

Auch wenn ich grundsätzlich ein großer Fan von Ehrlichkeit bin: Es ist einfacher und weniger konfliktträchtig, einen wichtigen Folgetermin vorzuschieben, als einem „Normalmenschen“ zu erklären, warum ich es nicht länger aushalten würde.

Eine Katze scheint sich unwohl zu fühlen. Katzen hassen Krach - und gehören wahrscheinlich grundsätzlich zu den Hochsensiblen.

2. Es ist viel zu laut hier!

Hörst Du alles, was um Dich herum gesprochen wird? Und zusätzlich noch sämtliche Geräusche? Hasst Du es, wenn mehrere Menschen gleichzeitig reden? Sich dabei möglicherweise noch gegenseitig zu überschreien versuchen?

Kannst Du Dich nur schwer auf ein Gespräch konzentrieren, wenn um Dich herum zu viele andere Geräusche sind?

Fühlst Du Dich ab einer gewissen Lautstärke regelrecht körperlich bedrängt?

Was tun?

  • Kauf Dir Ohropax.
  • Lass Dir dämpfende Psychopharmaka verschreiben.
  • Oder geh in ein Kloster, in dem vorwiegend geschwiegen wird.

Das funktioniert nicht für Dich? Dann versuche es hiermit:

  • Wenn mehrere Menschen gleichzeitig und/oder laut sprechen, musst Du nicht dabeisein. Die würden gar nicht merken, wenn jemand fehlt. 😉 Ich behaupte außerdem: Hier geht es nicht um einen Austausch; was würde es Dir also bringen, wenn Du das über Dich ergehen lässt?
  • Du kannst von vornherein versuchen, einen ruhigen Ort für Dein Gespräch aufzusuchen. Ich gehe zum Beispiel sehr gern mit meinen Freundinnen spazieren. Und tue so gleich noch etwas mehr für mein hochsensibles Wohlbefinden.
  • Manchmal muss es einfach laut sein. Ich bin hochsensibel. Und ich liebe es, beim Konzert oder beim Tanzen direkt vor der Bassbox herumzuspringen. Das ist für eine gewisse Zeit wunderbar und tut mir gut. Was auch daran liegen könnte, dass ich mich freiwillig in diese Situation begeben habe…
  • Es ist Deine Entscheidung, wo Du hingehst! Wirklich! Scheue Dich nicht vor einem vermeintlichen Widerspruch: „Du als Hochsensible hörst laute Musik? Das geht nun wirklich nicht!“ Doch. Das geht. Wenn es für Dich geht.

Ein Rudel Rehe ist aus der Entfernung zu erkennen.

3. Ich sehe was, was Du nicht siehst!

Machst Du immer wieder die Erfahrung, dass Du sofort wahrnimmst, wenn die Nachbarin am Ende der Straße ein paar neue Strähnchen in ihrem Haar hat, Deine Umgebung eine Veränderung an Dir aber erst ​bemerkt, wenn Du Deine Haare grün färbst und Dir Puschel seitlich aus dem Kopf ragen?

Kannst Du gleichzeitig Auto fahren und Veränderung auf Deiner Strecke wahrnehmen? Siehst Du sofort das neue Blatt am Baum im Nachbargarten?

Das alles sind Dinge, die „Normalmenschen“ oft nicht wahrnehmen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass hier auch Männer und Frauen ganz unterschiedlich in ihrer Wahrnehmung sind. Einer der Lieblingssprüche meines Mannes, wenn ich ihn auf etwas am Wegesrand aufmerksam gemacht habe: „Sorry, ich achte auf die Straße. Also gucke ich nach vorn.“

Ich sehe das Reh da ganz hinten links, das möglicherweise die Straße überqueren wird. Ich kann gar nicht anders. Ich sehe auch, wenn ein Baum eine besonders schöne Form hat – im Vorbeifahren. Übrigens ohne dass ich meine Vorderfrau ramme, weil ich nicht aufgepasst habe. 😉

Hier hilft nur eines: Dir immer wieder zu sagen, dass es eben so ist. Sei nicht enttäuscht, sei nicht sauer, weil Deine Begleitung eben nicht siehst, was Du als Hochsensible wahrzunehmen in der Lage bist. Du wärst doch auch nicht ungehalten, wenn ein blinder Mensch mit Deinem Ausruf: „Ach, was ist das für eine schöne Farbe!“ nichts anfangen kann.

Allerdings habe ich mir inzwischen angewöhnt, solche Wahrnehmungen nicht mit einem Normalmenschen zu teilen. Denn ich bin jedes Mal enttäuscht, wenn ich damit allein zu sein scheine. Und ich will meinem Gegenüber das Gefühl eines Mangels zu ersparen.

Eine Frau riecht an einer Fliederblüte - ein olfaktorisches Fest für Hochsensible!

4. Olfaktorische Grenzerfahrungen

Betrittst Du einen Raum und wirst fast ohnmächtig von den unterschiedlichen Parfums, die Dich umwabern? Oder lässt Du das gleich bleiben, weil sich in diesem Raum eine größere Menschenmenge (siehe 1.) befindet? Wunderst Du Dich, weil nicht alle anderen ebenfalls mit gerümpfter Nase herumlaufen?

Du kannst aber andererseits beglückt stehenbleiben, wenn Dir ein angenehmer Geruch in die Nase steigt?

Riechst Du schon am Anfang der Straße, was Dein Mann zum Abendessen kocht? 😉

Was tun?

Du könntest einfach dankbar für Deinen unglaublich guten Geruchssinn sein, auch wenn er manchmal zu den oben beschriebenen olfaktorischen Grenzerfahrungen führt. Denn die olfaktorische Wahrnehmung führt unmittelbar zum limbischen System und löst dort alle möglichen Gefühle oder Erinnerungen aus. Unser Geruchssinn ist sozusagen am nächsten an der Höhle, aus der wir vor vielen, vielen Jahren ausgezogen sind.

Das macht z.B. die Aromatherapie so erfolgreich.

Klar, es ist total blöd, wenn wir Hochsensiblen den Rauch einer Zigarette durch ein geschlossenes Autofenster riechen müssen, während wir an der Ampel stehen. Aber ist es nicht trotzdem wunderbar, so viele verschiedene Gerüche wahrnehmen zu können? Ich möchte jedenfalls nicht auf den Duft einer frischgemähten Wiese oder der Erde nach einem Regenguss verzichten.

Eine Frau sitzt am Boden und umfallst ihre Fußknöchel. Man sieht nur die Füße und die Hände.

5. Mehr Taschentücher, bitte! Ich muss weinen!

Musst Du beim Waldspaziergang weinen, weil die Natur so wunderschön ist?

Bist Du jedesmal zutiefst gerührt, wenn Dein (oder irgendein) Hund diesen „Hab-mich-lieb!“-Blick aufsetzt?

Brauchst Du mindestens eine Familienpackung Papiertaschentücher, wenn Du die Siegerehrung bei egal welchem Sport, einen Liebesfilm/traurigen Film/Action- oder historischen Film ansiehst?

Die Älteren unter uns: Hat eine von Euch bei der Beerdigung von Franz Josef Strauß geweint, obwohl sie den „Stoppt-Strauß!“-Sticker am Revers trug?

Was tun?

  • Du kannst Dich abhärten, indem Du Dich allen möglichen Reizen aussetzt und täglich übst, nicht darauf zu reagieren.
  • Du kannst Dir jedesmal sagen: „Eine Indianerin weint nicht!“ (oder so ähnlich)
  • Du kannst im Kino sitzen bleiben, bis alle gegangen sind, damit niemand Deine knallroten Augen sieht.

Die andere Alternative heißt „Dankbarkeit“. Wir dürfen dankbar sein, weil wir mit so offenen Herzen durch die Welt laufen. Denn wir können (mit-)fühlen. Denn das macht Hochsensible wahrscheinlich zu sehr guten Therapeutinnen, Gesprächspartnerinnen, Freundinnen, Verkäuferinnen… Oder einfach zu angenehm empathischen Menschen.

Was Du nicht tun solltest: Mit-leiden statt mitzufühlen. Denn damit wird es Dir auf Dauer nicht gutgehen – und Deiner Gesprächspartnerin auch nicht. 

Dieses Geweine während eines Films hilft mir zum Beispiel, wenn ich mich ohne einen besonderen Grund traurig fühle. Dann suche ich mir ein rührseliges Drama aus und steigere mich so richtig rein. Meine All Time Favorites: „Vom Winde verweht“, „Downton Abbey“, „Million Dollar Baby“, „The Green Mile“.

Und wenn ich eine Aufmunterung brauche, einen Weckruf, weil ich gerade völlig unmotiviert bin, gucke ich „Rocky“. Immer. Manchmal reicht es auch, wenn ich nur die Filmmusik höre. Oder eine der frühen „Baywatch“-Folgen. Da waren immer alle so schön und haben Sport getrieben. 😉


Für die Ungeduldigen unter Euch: Die Short-Version

Hochsensibilität ist keine Krankheit, leider nicht ansteckend, und sie geht auch nicht weg. Es ist eine „Fähigkeit“, ein Geschenk des Lebens, das ca. 15-20% der Bevölkerung erhalten haben. Wir merken einfach mehr als andere. Manche der 80% „Normalmerker“ nennen Dich „Sensibelchen“. Klar, wäre ich ein Hammer, könnte ich mit dem fein ziselierten Diamantenbohrer auch nichts anfangen!

Ich versichere Dir: Du bist vollkommen normal! Alles ist gut, wenn Du auf Dich achtest.

Hier sind meine ultimativen Tipps für jede hochsensible Lebenslage:

  1. Abschalten, egal, wo Du Dich gerade befindest. Such Dir einen Punkt, starre den an und lass alles andere an Dir vorbeirauschen. Das ist so ein bisschen wie Meditieren in der Bahnhofshalle, funktioniert mit ein bisschen Übung bei mir inzwischen sehr gut.
  2. Du könntest Dir auch vorstellen,  wie Du die Störenfriede um die Ecke bringst. Das machst Du natürlich nicht „in echt“, aber es Wird Dich zum Lächeln bringen. Und die, die Du gerade gedanklich abgemurkst ​hast, fühlen sich von Dir freundlich angenommen. Wenn das keine Win-Win-Situation ist!
  3. Stell Dir immer wieder diese beiden Fragen: Tut mir das gut? Macht mir das Spaß? Und dann entscheide, ob Du wirklich dort sein musst, wo Du gerade bist.

​Du wärest gern Teil eines Netzwerkes von Frauen, die ebenfalls hochsensibel und/oder „einfach besonders“ sind? Dann geht es hier für Dich weiter:

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Sabine Scholze hält einen Laptop im Arm und lächelt.

Eines ist sicher: Du bist wunderbar, genau so, wie Du jetzt bist!

2 Gedanken zu „5 schwierige Situationen für Hochsensible – und wie Du sie sofort meisterst“

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