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16 Trauerrituale, die ich liebe – und warum auch Du sie lieben wirst

Das Herz ist der Ort der Freiheit2

Bei Trauerritualen denken die meisten Menschen zunächst an Rituale, die direkt mit dem Tod zu tun haben: Aufbahrung, Trauerfeier, Beisetzung… Viele haben vielleicht auch nur die ellenlangen To-Do-Listen und das, was vom Umfeld von den Hinterbliebenen erwartet wird, im Kopf.

Hier geht es nicht um Erwartungen, sondern um Dich. Darum, wie Du Dir selbst etwas Trost spenden kannst – zum Beispiel mit unterschiedlichen Ritualen. Darum, was Du tun kannst, um trotz der hochschlagenden Wellen Deiner eigenen Trauer etwas Halt zu finden – auch noch längere Zeit nach dem Tod eines geliebten Menschen.

Denn auch, wenn die Trauer im Laufe der Zeit milder wird – sie wird uns nie wieder ganz verlassen. Und so können wir uns die Frage stellen, wie wir mit diesen Wellen umgehen wollen, die uns immer noch zu überrollen versuchen, wenn alle anderen schon längst wieder am Ufer des Alltags angekommen sind.

Ist es möglich, mit den Wellen der Trauer zu schwimmen?

In meinen Urlauben am Meer habe ich es geliebt, mich vor allem in größere Wellen hineinzuwerfen, darunter durch zu tauchen und mich von ihnen an den Strand tragen zu lassen. Dabei hatte ich immer das sichere Gefühl, dass mir nichts passieren kann. Dass ich die Wellen bezwinge und nicht umgekehrt.

Einmal, während eines Urlaubs auf Lanzarote, war es anders. Da wäre ich tatsächlich fast ertrunken. Das Wasser stand mir nur bis zum Bauch, als eine Welle heranraste, mich umwarf und mir die Füße wegriss. Ich wurde unter Wasser herumgeschleudert, bekam keine Luft mehr und verlor völlig die Orientierung.

Natürlich geriet ich in Panik. Strampelte und kämpfte, riss die Augen auf, um zu sehen, wo oben und unten war, doch ich hatte keine Chance gegen die Macht des Wassers. Für einen Moment war ich sicher, mein letztes Stündlein hätte geschlagen.

Dann gab ich auf.

Ich hörte auf, mich gegen die Wellen zu wehren und tat damit instinktiv genau das Richtige. Denn der Sog nahm mich mit und nach kurzer Zeit konnte ich seitlich aus der Welle heraus- und an den Strand schwimmen.

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So ähnlich sah es an „meinem“ Strand auf Lanzarote auch aus – ganz harmlose Wellen…

Wenn unsere Trauer besonders groß ist

Auch gegen die manchmal ebenso mächtig heranbrandenden Wellen der Trauer können wir uns nicht wehren. Sie kommen einfach. An manchen Tagen schlagen sie wie ein Tsunami über uns zusammen, an anderen plätschern sie sanft an den Strand.

Oft sind es diese Tage, die wir früher gemeinsam verbracht haben, an denen sich die Wellen besonders hoch auftürmen: Weihnachten, Jahreswechsel, Hochzeits-, Kennenlern- oder Freundschaftstag, sein/ihr Geburtstag oder die Geburtstage der gemeinsamen Kinder, vielleicht der Tag, ab dem der nächste gemeinsame Urlaub geplant war, der erste Todestag…

Insbesondere diese persönlichen Gedenktage reißen bei vielen Hinterbliebenen die „Trauerwunde“ wieder auf. Und weil die meisten Menschen in unserem Umfeld schon längst wieder in ihrem Leben angekommen sind und wir sie nicht belästigen wollen, fühlen wir uns an diesen Tagen oft besonders einsam.

Trotzdem dürfen wir auch an diesen Tagen für uns sorgen, indem wir uns eine liebevolle Begleitung an die Seite holen. Und die Angebote wahr- und ernst nehmen, die unsere Freundinnen oder Verwandten uns gemacht haben. Wir dürfen uns bei ihnen melden und ihnen sagen, dass heute ein besonders trauriger Tag für uns ist. Ich bin sicher, dass sie dann auch für uns da sein werden.

Für den Fall, dass es niemanden gibt, die Du in diesen Momenten anrufen magst, könntest Du im Voraus einen Termin mit (D)einer Trauerbegleiterin vereinbaren. In meinem 3-monatigen Begleitprogramm „Come Back!“ hast Du für genau diese Situationen die Möglichkeit, ganz kurzfristig einen „Mir-geht’s-Scheiße-Termin“ mit mir zu vereinbaren.

Trauerrituale für Jahres- und Gedenktage

Da gibt es sicher kein „Patentritual für alle Fälle“. Ich habe am Geburtstag meines Liebsten sehr lange an „meinem“ Baum gestanden, meinen Kopf an den Stamm gelehnt und die Rinde gestreichelt. Habe mit meinem Mann gesprochen, ihm erzählt, was genau jetzt in mir vorgeht und dass ich ihm normalerweise den einzigen Kuchen gebacken hätte, den ich kann. Habe mir wieder und wieder die vielen Fotos von ihm angeschaut, die auf meinem Laptop gespeichert sind.

Eines der genannten Trauerrituale: Luftballons steigen lassen - hier rote und weiße in Herzform vor einem blauen Himmel mit Wolken.
Luftballons steigen lassen – eines der Trauerrituale, die Dir helfen können.

Dir tun vielleicht ganz andere Dinge gut – allein oder mit guten Freund/innen oder lieben Verwandten.

Hier sind 16 Trauerrituale für Dich:

  1. Das Grab besuchen, allein oder mit Angehörigen/Freundinnen,
  2. In die Kirche gehen,
  3. In die Natur gehen,
  4. Kerzen anzünden: zuhause, vielleicht auf einem kleinen Altar, neben einem Foto, in der Natur, auf dem Friedhof,
  5. Orte aufsuchen, die eine gemeinsame oder eine besondere Bedeutung für Euch haben (z.B. Urlaubsorte, Ausflüge, die Ihr gemacht habt, Restaurants, die Ihr besucht habt…),
  6. Du kannst auch mehrere solcher Orte durch einen Erinnerungsspaziergang verbinden,
  7. Dem/der Liebsten einen Brief schreiben und vergraben,
  8. Nach Eurer gemeinsamen Lieblingsmusik tanzen oder sie anhören,
  9. Einen Film schauen, den Ihr gern gemeinsam gesehen habt,
  10. Luftballons steigen lassen, vielleicht auch mit einem Brief daran,
  11. Ein Schiffchen basteln, vielleicht mit einem Brief und/oder einer Kerze versehen und zu Wasser lassen,
  12. Gegenstände (z.B. aus der Natur) sammeln – für jeden schönen Gedanken an den/die Verstorbene/n einen
  13. Egal, wo Du gerade bist: mit dem/der Liebsten sprechen,
  14. Ein Erinnerungstattoo machen lassen (wenn Du Tattoos magst),
  15. Dich bei einer Traumreise oder einer Meditation mit Deinen Liebsten verbinden,
  16. Aus Euren Chats im Messenger und schönen Fotos ein Buch drucken lassen.

Fallen Dir noch mehr Rituale ein? Dann freue ich mich, wenn Du mich an Deinen Ideen teilhaben lässt und mir schreibst!

Was haben Trauerrituale und die Wellen der Trauer miteinander zu tun?

Im ersten Teil dieses Artikels habe ich geschrieben, dass ich damals auf Lanzarote aufgegeben habe. Dass ich aufgehört habe, mich gegen die Wellen zu wehren.

Denn erstens hätte das ohnehin keinen Sinn gehabt – die Wellen waren viel, viel stärker als ich. Und zweitens habe ich mit meinem „Dagegen Ankämpfen“ unglaublich viel Kraft verpulvert, die ich fürs Schwimmen gebraucht hätte.

Wenn wir uns gegen die Trauer wehren, ist es im Grunde genauso. Wir wenden (vielleicht unsere letzte) Kraft und Energie auf, die wir viel nötiger für unser neues, anderes Leben brauchen. Und wir kämpfen gegen eine Freundin, die uns nichts Böses will. Die da ist, ob wir uns dagegen wehren oder nicht.

Wenn wir aber damit aufhören, wenn wir uns sagen: „Die Trauer ist schon da. Sie wird so lange bleiben, wie es nötig ist. Ich kann und werde hindurchkommen, indem ich sie fühle, nicht, indem ich sie wegschicke.“

Trauerrituale helfen uns dabei, unsere Gefühle zu fühlen. Alle, die da sein wollen.

Auch das „Trauer-ABC“ kann Dir helfen, mit Deiner Trauer zu sein statt gegen sie. Wenn Du regelmäßig damit arbeitest, kannst Du Deine Entwicklung verfolgen – und ein klein wenig Abstand gewinnen, wenn Dir die Wellen zu hoch erscheinen.

November 2021 Kraniche

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2 Gedanken zu „16 Trauerrituale, die ich liebe – und warum auch Du sie lieben wirst“

  1. Avatar of Umani Wendler

    Liebe Sabine,
    ein wunderbarer Artikel! … bei mir ploppten gleich Bilder einer mexikanischen Totenzeremonie auf, die ich vor vielen Jahren erleben durfte … auch die Metapher des in den Wellen Schwimmens – mit oder ohne Widerstand – lösen Respekt und Mitgefühl aus … letztendlich wird es immer ein Tanz mit den Wellen des Lebens sein, der uns bis zum letzten Tag hier begleitet.
    Als Ritual fällt mir gerade noch folgendes ein: von den Lieblingskleidungsstücken des anderen je einen Knopf abschneiden und sich davon eine Knopfkette fertigen …
    Ich danke dir sehr fürs teilen … herzliche Grüße Umani

    1. Avatar of Sabine Scholze

      Liebe Umani,

      hab‘ vielen Dank für Deinen Kommentar und die schöne Idee mit den Knöpfen! Da mein Mann ein Hoodie-Träger war, gab es keine Knöpfe. Aber aus seinen diversen Stickern von Punkbands aus aller Welt könnte ich mir tatsächlich etwas Schönes basteln.

      Auf jeden Fall werde ich Deine Idee – Dein Einverständnis vorausgesetzt – mit in die Liste aufnehmen.

      Liebe Grüße, Sabine

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