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14 Anlässe für Trauer, die nicht nur mit dem Tod zu tun haben

14 Anlaesse fuer Trauer Beitragsbild

Es gibt sehr viele Anlässe für Trauer. Der Tod eines geliebten Lebewesens ist nicht die einzige Ursache, die uns traurig machen kann. Viele andere Abschiede, die uns das Leben präsentiert, können ebenfalls eine Trauerreaktion auslösen. Das gilt nicht nur für von uns nicht gewollte Ursachen. Auch Abschiede, die wir geplant haben oder die zu unserer Entwicklung gehören, können weh tun.

Jeder der hier aufgeführten Anlässe kann bei dem einen Menschen eine tiefe Trauer auslösen während ein anderer davon unbeeindruckt bleibt.

Auf meiner Landkarte der Welt gibt es keine Rangliste unter den Ursachen für eine Trauerreaktion. Allerdings sind wir uns wahrscheinlich einig darüber, dass der Tod des eigenen Kindes unter den Anlässen für Trauer eine Sonderstellung einnimmt. Denn er reißt eine unfassbar tiefe Wunde in die Seele der Eltern.

Die folgende Liste erhebt (noch) keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Du einen weiteren Anlass für Trauer vielleicht sogar aus eigener Erfahrung kennst, freue ich mich über Deinen Kommentar oder eine Nachricht von Dir.

Es gibt mehr Anlässe für Trauer als den Tod: Ein Mann im T-Shirt hält sich beide Unterarme vor das Gesicht.

1. Tod und Trennung als Anlässe für Trauer

1.1 Tod eines Menschen

Dabei kann der Tod eines Menschen betrauert werden, der bereits auf der Welt ist, aber auch der Tod eines ungeborenen Kindes. Auch ein von der Frau gewünschter Schwangerschaftsabbruch kann eine Trauerreaktion auslösen.

1.2 Tod eines Tieres

Auch ein Tier kann ein wichtiger und geliebter Weggefährte für einen Menschen sein. Insbesondere bei Menschen, die neben ihrem Tier kaum soziale Kontakte haben, wird dessen Tod zu tiefer Trauer führen.

1.3 Trennung

Egal, ob es sich um die Trennung von einer Lebenspartnerin oder einer langjährigen Freundin handelt: Wir müssen uns nicht nur von diesem Menschen verabschieden, mit dem wir sehr vieles geteilt haben, sondern auch von vielem, was damit zusammenhängt. Oft geht auch der gemeinsame Freundeskreis oder die (angeheirateten) Verwandten mit verloren.

Außerdem kann eine Trennung, die nicht einvernehmlich erfolgt, großen Groll auslösen. Wem es nicht gelingt, irgendwann Frieden mit der Person zu machen, die gegangen ist, läuft Gefahr, im Trauerprozess „hängenzubleiben“.

Die Trauer um die Trennung der eigenen Eltern ist ebenfalls zu nennen. Auch wenn sie bei jüngeren Kindern sehr viel stärker sein wird, können auch Erwachsene um diesen Verlust trauern.

1.4 Diagnose einer schweren oder sogar tödlichen Erkrankung

Insbesondere wenn es sich um eine tödlich verlaufende Erkrankung handelt, werden sowohl die Betroffenen als auch deren Angehörige quasi noch zu Lebzeiten in einen Trauerprozess gezwungen. Denn es ist etwas völlig anderes, ob ich davon ausgehe, dass mein Leben „irgendwann einmal“ enden wird oder ob der Tod absehbar ist.

2. Trauer um den Verlust von Fähigkeiten

2.1 Krankheit

Wenn wir Fähigkeiten verlieren führt das ebenfalls zu einer Trauerreaktion. Das kann sich um etwas für die Außenwelt Unbedeutendes handeln wie z.B. eine Knieverletzung, die den Lieblingssport unmöglich macht.

Auch der Wegfall von Autonomie durch eine Erkrankung wird betrauert. Bei einer Erkrankung wie z.B. der Multiplen Sklerose, die in Schüben verläuft, wird es wahrscheinlich immer wieder zur Trauer führen, wenn diese eine weitere Einschränkung bedingen.

2.2 Eigene Behinderung

Eine Behinderung von Geburt an oder durch z.B. einen Unfall kann gleichermaßen einen Trauerprozess auslösen. Hier kann einerseits das Fehlen einer Fähigkeit angesichts gesunder Menschen betrauert werden. Ein Verlust und der schwierige Prozess, zukünftig ohne diese auszukommen, ist ebenfalls ein Anlass zur Trauer

2.3 Krankheit oder Behinderung des eigenen Kindes

Die Trauer um die Krankheit eines Kindes muss ebenfalls erwähnt werden. Eltern, deren Kind entweder von Geburt an oder durch einen Unfall behindert ist, haben vielfältigen Anlass dazu: Einmal ist da die Trauer, dass das Kind kein Leben führen wird, wie wir es uns für unsere Kinder wünschen. Zum anderen kann auch die Tatsache, dass das Leben der Eltern große Einschränkungen erfährt, wenn ein Kind behindert ist, den Trauerprozess auslösen. Dabei besteht noch zusätzlich die Gefahr, auf Unverständnis im Umfeld zu stoßen und für egoistisch gehalten zu werden.

2.4 Alterungsprozess

Viele Fähigkeiten gehen auch durch den Alterungsprozess verloren. Dies löst bei den Betroffenen ebenfalls Traurigkeit aus. Niemand verzichtet gern auf Möglichkeiten, die früher da waren. Auch die Angehörigen werden wahrscheinlich durch das Miterleben dieser Verluste trauern.

2.5 Die Menopause

Die Wechseljahre könnten wir zum Alterungsprozess im Allgemeinen zählen. Doch es geht hier nicht nur um den Verlust von Fähigkeiten und eine Phase der Hitzewallungen und Hormonschübe. Es geht um den Abschied von der Fruchtbarkeit und damit auch von einem Teil von uns, der für viele Frauen ihre Vorstellung von Weiblichkeit mit definiert hat. Und damit geht es auch um den Eintritt in einen völlig anderen Lebensabschnitt. Dieser Einschnitt ist für viele Frauen ein Anlass für Trauer.

3. Trauer um unerfüllte Wünsche und verlorene Ideale

3.1 Unerfüllter Kinderwunsch

Wenn sich jemand sehnlichst ein Kind wünscht, vielleicht schon alles versucht hat, um sich dieses Wunsch zu erfüllen, kann dieser Versuch lebensbestimmend sein. Kommt dann der Zeitpunkt, an dem dieser Mensch oder dieses Paar akzeptieren muss, dass der Kinderwunsch unerfüllt bleiben wird, kann eine (durchaus auch heftige) Trauerreaktion folgen.

3.2 Unerfüllte Wünsche oder Träume

Wir alle haben Wünsche und Träume. Manche erfüllen sich, andere verlieren mit der Zeit ihre Bedeutung. Aber wenn es sich um einen absoluten Herzenswunsch handelt, in den wir vielleicht jahrelange Anstrengung und Planung investiert haben, wird es Trauer in uns auslösen, wenn wir uns eingestehen müssen, dass dieser Wunsch unerfüllbar ist.

3.3 Verlust von Idealen

Gerade in Berufen, die mit einem hohen Maß an Idealismus ergriffen werden, kann die Konfrontation mit der Realität Trauer bewirken. Denken wir nur an die Menschen in Pflegeberufen, die noch vor zwei Jahren beklatscht wurden und jetzt teilweise um ihre Arbeitsplätze bangen müssen.

Ebenso kann die Feststellung, dass die eigenen Ideale im beruflichen Alltag einfach nicht umsetzbar sind, sehr desillusionierend wirken und die Betroffenen traurig machen.

4. Andere Verluste, die einen Trauerprozess auslösen können

4.1 Verlust der Heimat

Für den Verlust der Heimat kann es verschiedene Anlässe geben. Einen besonders dramatischen erleben wir gerade wieder: Flucht (vor Krieg, Naturkatastrophen, Verfolgung). Aber auch ein Umzug kann uns traurig machen. Immerhin ist unser Gefühl für Heimat sehr viel mehr als nur die Freude über eine schöne Wohnung oder ein Haus.

Auch der Umzug in ein Seniorenheim gehört dazu. Hier ist nicht nur der Verlust der Heimat Anlass zum Trauern, sondern oft auch die Einschränkung oder sogar der Wegfall der Unabhängigkeit.

4.2 Verlust der Arbeitsstelle

Dieser Verlust kann durch Arbeitslosigkeit ausgelöst werden, aber auch durch den Renteneintritt. Für die meisten von uns ist der Arbeitsplatz mehr als nur ein Ort, an dem wir unseren Lebensunterhalt verdienen. Er ist ein Ort der sozialen Kontakte, eine Möglichkeit zur Selbstverwirklichung und viele definieren ihren Wert als Persönlichkeit darüber.

4.3 Verlust des Selbstwertgefühls

Ein Verlust des Selbstwertgefühls kann durch unterschiedliche Ereignisse ausgelöst werden:

  • das Altern und der so empfundene Verlust des eigenen Wertes oder der Attraktivität (das weibliche Schönheitsideal…),
  • ein Gewaltverbrechen, bei dem die eigene Macht- und Hilflosigkeit als traumatisch erlebt wurde,
  • Überlebende von Genoziden (z.B. des Holocaust)
  • Opfer von Inzest, Vergewaltigung, sexuellem Missbrauch,
  • Zielscheibe sein von Vorurteilen gegen Hautfarbe oder Rasse,
  • Tägliche Übergriffe in Form von Mobbing, Bossing, Staffing oder ein herabsetzender Umgang (in der Familie)

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2 Gedanken zu „14 Anlässe für Trauer, die nicht nur mit dem Tod zu tun haben“

  1. Benutzerbild von Anne Niesen

    Liebe Sabine, ich freue mich, dass du über Trauer sprichst, die nichts mit Tod zu tun hat! Das ist so selten, viel zu selten. Und wenn, werden oft Ideen zugrunde gelegt, die ich als nicht passend und menschlich empfinde. Ich beschäftige mich aus eigenem Erleben heraus und als Mentorin/Coach mit dem Thema Trauer bei gesundheitlichen Verlusten. Das ist so unglaublich vielschichtig!

    So oft sind sich Menschen gar nicht im Klaren, dass sie trauern, weil zum Beispiel etwas langsam schlechter wird und nicht als Schock-Diagnose kommt. Sie glauben, so wie ich lange, dass sich Trauer in lähmenden Zuständen zeigt, in denen uns nichts möglich ist (wie oft bei Tod beschrieben). Das ist viel zu kurz „gesprungen“ und führt dazu, dass Menschen ihre Gefühle nicht sehen können, weil sie nicht in dieses Muster passen.
    Ich liebe die Idee des Belgiers Manu Keirse des „living loss“ bei Krankheit: Eine Trauer, die uns täglich begleitet, immer wieder und immer wieder aufs Neue. Die ganz zart sein kann und doch da. Als ich ihn zum ersten Mal in tiefer Menschlichkeit darüber hörte sprechen, kamen mir sofort die Tränen. Ich hatte endlich einen Platz mit meinen Gefühlen. Oder auch die Ideen von Johan Maes hier in den Niederlanden. Danke, liebe Sabine. Herzlich, Anne Niesen (aka SEHHELDIN)

    1. Benutzerbild von Sabine Scholze

      Liebe Anne, mit Deiner Rückmeldung hast Du mir eine sehr große Freude gemacht! Denn ich sehe es genauso. Und so, wie die Trauer um ein geliebtes und gestorbenes Lebewesen kaum Platz in unserer Gesellschaft hat, hat es die um verlorene Gesundheit noch viel weniger.

      Auch vielen Dank für den Hinweis auf Manu Keirse – von dem habe ich bisher noch nichts gehört und werde diesen Zustand umgehend ändern.

      Herzliche Grüße, Sabine

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