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13 todsichere Strategien, um einen trauernden Menschen noch tiefer in den Schmerz zu treiben

Sabine Scholze sitzt mit besorgtem Gesichtsausdruck vor einem Laptop und hat den Kopf auf die Hände gestützt. Sie denkt über Ziele und Druck nach.

Die folgenden Worte waren wahrscheinlich nicht Teil einer Strategie für den Umgang mit Menschen in Trauer, sondern waren einfach nur freundschaftlich gemeint: 

„Du postest entweder Wolkenbilder oder gelaufene Strecke. Ich mache mir echt Sorgen um Dich. Wo ist die Leichtigkeit? Wo ist Sabine?“

Nachdem ich kürzlich mit der Einleitung „Etwas Wolkengedöns gefällig?“ eines meiner Lieblingsmotive – ja, genau: Wolken! – in meinem WhatsApp-Status gepostet hatte, folgte dieser Kommentar.

Ich bin ein humorvoller Mensch. Darum habe ich zunächst mit einem Foto meiner schwarzen Schreibtischplatte geantwortet und „Besser so?“ darunter geschrieben.

Das war es offensichtlich nicht, denn dieser um mein Wohlbefinden so besorgte Bekannte hatte scheinbar eine sehr genaue Vorstellung von „ordentlichem Wohlbefinden“. Laufen und der Blick zum Himmel gehörten nicht dazu. Er erklärte mir, dass er mich zu abgehoben fände und fortan meine Statusmeldungen unkommentiert lassen würde.

Müssen wir wirklich alles bewerten?

„Gut so!“ dachte ich. Aber nur kurz. Dann wurde ich erst sehr wütend und dann sehr traurig. Denn es war nicht das erste Mal, dass ich mich erst be- und dann abgewertet fühlte. Und ohne meine Mutter, die in so einem Fall gesagt hätte: „Lass ihn reden. Das kriegt er doch für umsonst!“ oder meinen Liebsten, der an ihn gerichtete Verbesserungsvorschläge mit einem sehr, sehr langen Vortrag über den Sinn seines Tuns „belohnte“, fühlte ich mich ziemlich allein. 

Aber das hätte ich diesem Menschen ja nicht sagen können, weil ich ihn dann in seiner Einschätzung bestätigt hätte. Also blieb ich cool. Äußerlich. Und krümmte mich innerlich.

Warum fragen so wenige Menschen ihr Gegenüber nicht erst nach dessen Beweggründen und bewerten erst dann sein Tun? Oder lassen die Bewertung einfach ganz bleiben? Trauer ist für diese Frage übrigens keine Grundvoraussetzung.

Denn so, wie wir bei ganz allgemeinen Themen sehr schnell ins (Ver-) Urteilen kommen, nehmen wir uns oft auch das Recht heraus, die Trauer eines anderen Menschen zu be-urteilen.

Wenn Du zu denjenigen gehörst, die von ihrem Umfeld be- oder verurteilt werden: Du bist nicht allein. Und Du hast nichts falsch gemacht.

Wenn Du hingegen eine ganz persönliche und unumstößliche Vorstellung davon hast, wie sich Dein Umfeld richtig verhält und fest entschlossen bist, Auswüchse von Individualität oder privaten Gefühlen auszumerzen, findest Du hier einige Anregungen, mit denen Dir das ganz sicher gelingen wird.

Strategie #2: Der Hammer bei Gericht. Ein Sinnbild dafür, dass Du derjenige bist, der den Maßstab festlegt.

Und los geht’s:

13 Strategien, mit denen Du Menschen in Trauer zeigen kannst, dass Du weißt, was zu tun ist

  1. Wenn Du kondolierst, darfst Du selbstverständlich unmittelbar, nachdem Du Dein Beileid ausgesprochen hast, von Deinen eigenen Schicksalsschlägen berichten. Wer sollte dafür mehr Verständnis haben als ein Mensch, der gerade eine/n Liebsten verloren hat?
  2. Lege Deine Vorstellung von Trauer als einzigen Maßstab fest. Verhält sich jemand nicht so, wie Du es von ihr erwartest, hau ihr diesen Maßstab mit Schwung um die Ohren.
  3. Du entscheidest, wie lange eine Trauerphase zu dauern hat! Wenn Dein Gegenüber zu langsam oder zu schnell trauert, bist Du regelrecht verpflichtet, ihm das (möglichst unter Zuhilfenahme von einschlägigen Ratgebern) zu belegen.
  4. Biete nicht einfach nur Deine Hilfe an – dränge sie auf. Wehrt sich die Trauernde dann immer noch, erkläre ihr, dass sie doch zurzeit überhaupt nicht klar denken kann.
  5. Niemand kann Dich dazu zwingen, Deinem Gegenüber zuzuhören. Also lass das. Es reicht, wenn Du so tust, als ob.
  6. Du findest, dass die Trauernde gerade sehr übertreibt? Sage ihr das unbedingt. Notfalls darfst Du sie auch einmal bei den Schultern nehmen und ordentlich schütteln. Schließlich muss das Leben doch weitergehen.
  7. Wenn Du der Ansicht bist, dass man jetzt langsam den alten Kram der Verstorbenen ausmisten sollte, leg los. Du bist gar nicht die nächste Angehörige? Sch.. drauf! Du hast eine Mission zu erfüllen!
  8. Engagiere eine Trauerberatung, wenn Du findest, dass die Trauernde das allein nicht mehr schafft. Wenn Du es besonders gut machen willst, führst Du das erste Gespräch mit der Beraterin.
  9. Wenn Du kein Geld für eine professionelle Trauerbegleitung zum Fenster hinauswerfen möchtest, tu Dich mit anderen Freund/innen zusammen. Gemeinsam werdet Ihr der Trauernden schon beikommen! Schließlich seid Ihr in der Überzahl!
  10. (Vorher) Erzähle allen, die mit der Trauernden bekannt sind, dass sie sich gerade sehr gehen lässt und unbedingt Aufmunterung braucht.
  11. Nach einem halben Jahr sollte es langsam gut sein. Wenn Dein Schützling dann immer noch nicht zur Tagesordnung übergegangen ist, weise darauf hin, dass es kein Krankheitsbild namens „Trauer“ gibt und andere das schließlich auch hinbekommen haben.
  12. Lade Trauernde regelmäßig zu geselligen Veranstaltungen ein. Wenn Du eine Absage erhältst, darfst Du gern darauf hinweisen, dass Du diese Eigenbrötlerei für ziemlich egoistisch hältst.
  13. Wenn alle anderen Strategien nicht geholfen haben, ist es jetzt höchste Zeit, diese trauernde Spaßbremse aus Deinem Freundeskreis zu entlassen. Du hast schließlich auch noch ein Leben!

Du würdest so etwas nie tun?

Das ist wunderbar. Damit gehörst Du definitiv zu den Guten. ? Wenn Du ganz sichergehen möchtest, dass es auch so bleibt, begibst Du Dich auf einen sehr guten Weg, wenn Du Deinem Herzen folgst und Dir keine Gedanken darüber machst, was „man“ tut oder lässt.

Und wenn Du dann noch…

  • … da bist, wenn Du gebraucht wirst,
  • … die Trauer mit aushältst, wenn Du kannst (aber auch für Dich selbst sorgst),
  • … Deine Wortlosigkeit angesichts des Verlusts eingestehst,
  • … und in den richtigen Momenten einfach gar nichts sagst,

… wirst Du Deinem Gegenüber wahrscheinlich eine große Hilfe sein. 

Und wenn Du dann noch meinen Trost- und Mutmach-Letter abonnierst, tust Du nicht nur Dir selbst etwas Gutes, sondern auch Deinem Umfeld – unter anderem, weil Du immer mal wieder in den Himmel schauen wirst. 😉

Denn er ist nicht nur für Menschen in Trauer, sondern auch für Menschen, die „Abschied, Tod und Trauer“ einen Raum in ihrem Leben geben wollen.

… und trotzdem leben!

Hier kannst Du meinen Trost- und Mutmach-Letter mit hilfreichen Gedanken, Geschichten und Tipps abonnieren.

Auch wenn Du es Dir im Moment noch nicht vorstellen kannst – es wird gute Zeiten geben.

Bis dahin bin ich gern an Deiner Seite.

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2 Gedanken zu „13 todsichere Strategien, um einen trauernden Menschen noch tiefer in den Schmerz zu treiben“

  1. Avatar of Barbara-Mira

    Liebe Sabine, ich bin ja so was von sprachlos über die Nachricht der Bekannten! Deine Antwort in Form dieses tollen Blogartikels ist genial. Leider haben immer noch zuviele Menschen das Funktionieren statt des Lebendigseins auf ihrem Zettel. Zum Glück gibt es dich, für all jene, die ihr Trauern wertschätzen als Zeichen ihrer tiefen Liebe.

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